Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Prozess um abgebrannte Villa - Stadt fordert Wideraufbau

Denkmalschutz Prozess um abgebrannte Villa - Stadt fordert Wideraufbau

2014 wurde eine Villa in Blasewitz abgerissen. Ohne Genehmigung. Der Eigentümer des Grundstücks soll das Gebäude originalgetreu rekonstruieren. Das lehnt er ab und klagt vor dem Verwaltungsgericht. Die Kammer ließ bei der mündlichen Verhandlung keine vorläufige Rechtsauffassung erkennen.

Nur ein Steinhaufen ist geblieben.
 

Quelle: Archiv

Dresden. Dieter und Eva-Maria Kolbe wohnen in Rüsselsheim. Ein Prozess hat die gebürtigen Dresdner für zwei Tage in die Heimat zurückkehren lassen, ein Prozess über das Eigentum der Rentner: Ihnen gehört ein Grundstück auf der Tolkewitzer Straße im Villenviertel von Blasewitz. Früher stand dort eine um 1920 errichtete Villa. Aus der Sicht der Denkmalschutzbehörden ein einmaliges Kulturdenkmal. Anfang der 1990er Jahre wurde das Gebäude unter Schutz gestellt.

„Ich wurde von der Staatssicherheit verhaftet und eingesperrt“, erzählt Dieter Kolbe. „Später hat mich der Westen freigekauft. Wir konnten uns in Rüsselsheim eine neue Existenz aufbauen.“ Die Villa, in der er und die Familie seines Bruders gelebt hätten, habe er verloren, so der Rentner. 1997 erhielt er sie zurück. „Wir wollen unseren Nachkommen etwas Bleibendes hinterlassen“, schildert Kolbe seine Intentionen.

Diese kollidierten mit dem Denkmalschutz. 1998 stellte der Eigentümer zum ersten Mal einen Antrag auf Abriss des Denkmals, 2004 und 2011 unternahm er neue Anläufe. Die alle scheiterten. Antrag abgelehnt und Widerspruch gegen die Ablehnung zurückgewiesen. Drei Mal. Im November 2013 brannte die Villa. Im März 2014 noch einmal. Am 16. Mai 2014 rollte ein Bagger auf dem Grundstück an. Im Juni 2014 war die Villa dem Erdboden gleichgemacht.

Die Stadt zeigte Kolbe an. Ein Verfahren wegen Brandstiftung stellte die Staatsanwaltschaft mangels Tatverdacht ein. Ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Denkmalschutzgesetz wurde vom Amtsgericht gegen eine Geldauflage eingestellt. Am Dienstag verhandelte das Verwaltungsgericht: Der Besitzer soll nach dem Willen der städtischen Denkmalschutzbehörde die Villa originalgetreu wiedererrichten. So steht es in einem im September 2015 ergangenen Bescheid.

750 000 Euro würde nach der Expertise eines renommierten Dresdner Architekturbüros der Wiederaufbau kosten. Das werde ihn ruinieren, erklärte Kolbe. Vor zwei Jahren erzielte der Eigentümer einen Teilerfolg: Der von der Stadt verfügte Sofortvollzug des originalgetreuen Wiederaufbaus wurde vom VG in einem Eilverfahren aufgehoben. Eine Atempause für Kolbe. Er klagt gegen den Bescheid. „Ich baue die Villa nicht wieder auf. Ich habe sie nicht zerstört. Das waren die Flammen“, erklärte er.

Alexandra Zschörnig-Kempe, juristische Referentin im Rechtsamt der Stadtverwaltung, sieht es völlig anders. Der Eigentümer habe die Villa grundlos mutwillig zerstört. Auch nach den Bränden wäre das Gebäude noch zu retten gewesen. Kolbe habe aber gar kein Interesse daran gehabt. Es handele sich um einen Präzedenzfall, so die Juristin: Könne ein Eigentümer gegen alle Rechtsnormen verstoßen und dennoch letztlich seinen Willen erhalten – in diesem Fall einen Neubau? Vertreter des Denkmalschutzamtes seien am 16. mai 2014 in die Tolkewitzer Straße geeilt und hätten die Polizei gerufen. „Aber da war der Bagger schon gegen die Hauswand gefahren“, schilderte ein Augenzeuge.

Kolbe lässt das nicht gelten. Er habe Sicherungsarbeiten an den Resten der Villa beauftragt. Holzbalken seien vom Schwamm befallen gewesen und hätten entfernt werden müssen. Dabei seien die Wände eingestürzt. Vielleicht sei der Baggerfahrer aus Versehen gegen eine Wand gestoßen.

Die 7. Kammer unter Vorsitz von Gerichtspräsidentin Claudia Kucklick hatte zum Auftakt der Verhandlung eine ganz andere juristische Frage im Focus: Ist ein originalgetreu rekonstruiertes Gebäude ein Denkmal? Kann, wenn alles abgerissen ist, wieder ein Denkmal entstehen? „Sie möchten, dass ein Disneyland-Objekt aufgebaut wird“, erklärte Kucklick.

Ein Einwand, den Zschörnig-Kempe vehement bestritt: „Hier wurde der Denkmalschutz mit Füßen getreten. Es war mehrmals die Polizei da. Aber er hat weitergemacht. Bis keine Mauer mehr stand“, warf sie Kolbe vor. Es könne nicht Sinn des Gesetzes sein, dass die Behörden keine Handhabe mehr hätten, wenn ein Eigentümer nur erst mal ein Denkmal geschleift hat. „Das muss sanktioniert werden.“

Es komme aus Sicht der Kammer auf die Verhältnismäßigkeit an, erklärte Kucklick. Eine vorläufige Rechtsauffassung äußerte sie nicht. Das Urteil werde in einem angemessenen Zeitraum ergehen. Ein Dreifamilien-Haus soll auf dem Grundstück errichtet werden, verriet Eva-Marie Kolbe. „Und nicht mit einer so einfallslosen Architektur wie bei vielen anderen Gebäuden in dem Viertel“, ergänzte ihr Mann. Auf dem Grundstück befindet sich nur eine Grube. Die zugewachsen ist. Seit drei Jahren.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
21.10.2017 - 10:17 Uhr

Uwe Neuhaus muss bei den Franken zwei Leistungsträger ersetzen. Personelle Alternativen im Mittelfeld sind aber vorhanden.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.