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Lokales Prozess in Dresden: Der Graf mit der Reitgerte zeigt keine Reue
Dresden Lokales Prozess in Dresden: Der Graf mit der Reitgerte zeigt keine Reue
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20:03 18.10.2017
Quelle: dpa
Dresden

„Adel verpflichtet“, sagt man – unter anderem zu einem vorbildlichen Betragen. Helmuth Graf von S. ist zwar stolz auf sein gutes Benehmen, ließ dieses aber bei einem Zusammentreffen mit einer Wanderin im Sommer 2015 sehr vermissen. Die Begegnung dauerte nur wenige Minuten, beschäftigt aber noch immer die Justiz. Gegen ein Amtsgerichtsurteil wegen Nötigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung hatte der Graf Berufung eingelegt. Zum einen sei ihm de Geldstrafe zu heftig, soviel Geld besitze er nicht, zum anderen stimme die Anklage nicht. Nun wurde die absurde Geschichte am Landgericht verhandelt.

Der agile 68-Jährige hatte mit zwei Frauen und freilaufenden Hunden einen Ausritt unternommen. Da sich der Sattel einer der Reiterinnen gelockert hatte, wollte man die Sache auf einem Wanderrastplatz in Ordnung bringen. Auf diesen Platz war aber die Wanderin – eine Polizeibeamtin in Zivil mit ihrem Diensthund – ausgewichen, um ein Zusammentreffen der Tiere zu vermeiden. Sie wollte dort warten bis das Trio vorbei war. Allerdings hatte sie die Rechnung ohne den Grafen gemacht. Seine Durchlaucht beanspruchte den Platz für sich und machte der Polizistin im Befehlston klar, dass sie „verschwinden“ soll. Er redete sich in Rage, Worte, die keinesfalls „gentlemanlike“ waren. Als sie nicht sofort reagierte, schlug er mit der Reitgerte in ihre Richtung.

Die Polizistin wäre sogar bereit gewesen, gegen eine Entschuldigung die Sache zu vergessen – aber dazu konnte sich der Graf nicht durchringen. Er sei vielleicht etwas laut geworden, habe aber nur mit der Gerte herumgewedelt, um seinen Hund anzulocken, erklärte er. Das glaubte ihm das Gericht nicht. „Sie wollten die Frau nicht verletzen, aber sie haben in ihre Richtung geschlagen und sie genötigt, den Platz zu verlassen“, so Richter Walter Voigt. „Sie sind uneinsichtig und stur.“ Seine Sturheit kostete den Grafen 20 Tagessätzen à 30 Euro. Die versuchte gefährliche Körperverletzung ist vom Tisch, die Geldstrafe geringer, einen glücklichen Eindruck machte er am Mittwoch trotzdem nicht. Vielleicht denkt er nun über eine Revision nach.

Von Monika Löffler

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