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Projekt hilft schwangeren Crystal-Konsumenten beim Ausstieg aus der Sucht

Uniklinikum Dresden Projekt hilft schwangeren Crystal-Konsumenten beim Ausstieg aus der Sucht

Etwa ein Drittel der Crystal-Konsumenten sind Frauen, rund zwei Drittel zwischen 20 und 30 Jahre alt – und damit im gebärfähigen Alter. Vor einem Jahr hat das Dresdner Uniklinikum deshalb den Versorgungspfad „Crystal“ initiiert, um drogenabhängigen Müttern während beziehungsweise nach der Schwangerschaft beim Ausstieg aus der Sucht zu helfen.

Sozialministerin Barbara Klepsch (r.) ließ sich von Dr. Beate Jäger das Projekt erklären.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Entgegen dem bundesweit rückläufigem Trend, was den Konsum illegaler Drogen anbetrifft, verzeichnet Sachsen seit einigen Jahren einen anwachsenden Konsum vor allem von Crystal. Etwa ein Drittel der Betroffenen sind Frauen, rund zwei Drittel zwischen 20 und 30 Jahre alt – und damit im gebärfähigen Alter. Vor einem Jahr hat das Dresdner Uniklinikum deshalb den Versorgungspfad „Crystal“ initiiert, um drogenabhängigen Müttern während beziehungsweise nach der Schwangerschaft beim Ausstieg aus der Sucht zu helfen. Am gestrigen Freitag wurden Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) die ersten Ergebnisse präsentiert.

Vor zehn Jahren wurde das Uniklinikum zum ersten Mal mit zwei Crystalbabys konfrontiert, ab 2011 stieg deren Zahl deutlich. Gegenwärtig stagnieren die Fälle auf einem konstant hohen Niveau von 30 bis 35 abhängigen Müttern pro Jahr. Konsumiert eine Schwangere Crystal, erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt um 29 Prozent. „Die Kinder kommen zu früh und zu klein auf die Welt. Zudem können sie Fehlbildungen am Herzen oder Auffälligkeiten am Kopf ausbilden“, erklärt Dr. Jürgen Dinger von der Neugeborenenmedizin. Mit zunehmenden Alter zeigen die Kinder unter anderem motorische und sprachliche Probleme, eine verringerte Intelligenzleistung oder Aufmerksamkeitsdefizite. Mit dem Versorgungspfad „Crystal“ – auch Initiative „Mama, denk’ an mich“ genannt – wurde eine Struktur entwickelt, die eine fächerübergreifende Betreuung von Schwangerer, Familie und Kind ermöglicht. Beteiligt sind die Experten der Geburtshilfe, der Neugeborenenmedizin und der Suchttherapie.

Mit Erfolg: Bei etwa zwei Drittel der betroffenen Patientinnen ist ein sehr gutes Behandlungsergebnis zu verzeichnen. 36 Frauen mit einem Drogenproblem wurden im vergangenen Jahr im Uniklinikum aufgenommen, 22 von ihnen halten einen kontinuierlichen Kontakt zur Suchtambulanz, zwei weitere sind in eine andere Suchtberatungsstelle gewechselt. Zwölf Patientinnen haben die Therapie abgebrochen. Mussten 2015 noch 54 Prozent der Neugeborenen in Obhut genommen werden, waren es 2016 nur noch 35 Prozent. „Unser Ziel ist es, mehr von Sucht betroffenen Familien die Chance zu geben, komplett zu bleiben“, sagt Prof. Reinhardt Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Wie erfolgreich das Projekt ist, soll nun in einer Studie untersucht werden, die alle betreuten Familien einschließt und deren weiteren Lebensweg untersucht. Ziel ist es, den Dresdner Versorgungspfad „Crystal“ so zu etablieren, dass ein Transfer auch in andere Bundesländer möglich ist. Zudem haben Ärzte und Wissenschaftler aus Dresden und Prag gemeinsam ein Konzept für ein länderübergreifendes Zentrum zum Thema Crystal entwickelt. Die Dresdner Hochschulmedizin und das Naional Institute of Mental Health Prag bündeln darin ein Programm zur Ursachen- und Therapieforschung. In derzeit zehn geplanten Projekten soll es um universelle Prävention und Schadensminimierung bei Konsumenten gehen. Auf einem Treffen am 30. Januar in Prag, an dem neben Ärzten und Wissenschaftlern auch Vertreter der sächsischen Staatsregierung und der tschechischen Regierung teilnehmen, werden weitere Details erörtert.

Von Christin Grödel

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