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Lokales Prof. Gerhard Ehninger wird am Sonntag mit dem Erich-Kästner-Preis geehrt
Dresden Lokales Prof. Gerhard Ehninger wird am Sonntag mit dem Erich-Kästner-Preis geehrt
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18:00 20.10.2017
Prof. Gerhard Ehninger   Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Seine Meriten sind zahlreich: Gründung der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, Aufbau eines interdisziplinären Spitzenzentrums zur Behandlung von Tumorerkrankungen, Verbesserungen in der Leukämietherapie – lediglich ein Auszug. Prof. Gerhard Ehninger aber ist nicht nur ein Mann der Medizin, er ist auch ein Mann mit Überzeugungen. Und nicht müde, diese auch bei Gegenwind öffentlich kundzutun. Für sein Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit erhält der 65-Jährige am Sonntag auf Schloss Albrechtsberg den diesjährigen Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresdens.

„Ich habe mich schon früh um das Wohl auch der anderen Menschen gekümmert. Das zieht sich durch mein Leben“, sagt er. Bereits in der Schule war er politisch aktiv, warb in der unruhigen und durch Umbrüche gekennzeichneten Zeit Ende der 60er Jahre um Verständnis zwischen Schülern und Lehrern. Mitzugestalten ohne Empathie zu verlieren ist eine seiner Prämissen.

Eine weitere: Aus der Geschichte lernen. Exemplarisch dafür kann eine Anekdote aus dem Jahr 1971 gelten. Damals zogen NPD und Republikaner mit teilweise mehr als 30 Prozent in den Landtag ein. Nicht in Sachsen, sondern in einzelnen Orten Baden-Württembergs. Für den 19-jährigen Ehninger nicht haltbar. „20 Millionen Menschen sind in dem Irrsinn des Zweiten Weltkriegs gestorben. Wir sind also auf die Dörfer gezogen und haben die Menschen gefragt: Habt Ihr all das vergessen?“ Die Reaktion: Mit Mistgabeln wurden die Gymnasiasten von den Bauernhöfen gejagt. Die Unsicherheit und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung waren groß.

Ein Phänomen, das Prof. Ehninger auch aktuell wieder erlebt. Seit 1994 lebt er in Dresden, hat seitdem die Professur für Innere Medizin an der Technischen Universität inne und ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Uniklinikum. Er hat ein Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung, als Arzt ist er stets damit konfrontiert. „In kaum einem anderen Beruf geht man so nah mit menschlichen Sorgen um“, sagt er. Und er kann sie nachvollziehen, die Ängste und die Probleme seiner Patienten, die ein Querschnitt der Dresdner Bürger repräsentieren. Zu wenige Lehrer in den Schulen, zu wenig Polizeipräsenz im ländlichen Raum – „dass das Wut macht, kann man verstehen.“

Bei Hass gegen andere und fehlende Empathie aber hört sein Verständnis auf. Und das kommuniziert er nicht nur. Mit dem Konzert für Weltoffenheit im Januar 2015 etwa setzte er zusammen mit dem Verein „Dresden – place to be e.V.“ auch ein wichtiges Zeichen gegen Populismus, Pegida und Co. „Ich werde oft gefragt, warum ich mich äußere, wenn ich eine andere Sicht auf die Dinge habe, ich solle doch einfach weiter meine Medizin machen. Aber das ist ein falsches Verständnis. Wir müssen unsere Lebenserfahrungen weitergeben und den Leuten Mut machen“, ist der 65-Jährige überzeugt. Dass man dafür immer Applaus bekommt, dürfe man freilich nicht erwarten.

Und dennoch bleibt er seiner Linie treu: Ein friedliches Miteinander und die Suche nach einem gemeinsamen Weg – das sei heute gefragt. „Wir brauchen visionäre Lichtgestalten“, sagt er, und schaut dabei auch in Richtung unserer französischen Nachbarn, wo es Emmanuel Macron vormache.

Stolz ist Prof. Ehninger auf das in der Vergangenheit Erreichte: „Ich bin froh, dass ich gemeinsam mit einem bunten und internationalen Team im Laufe meines Berufslebens einen Wandel mitgestalten konnte.“ Etwas unangenehm dagegen ist ihm die Ehrung mit dem Erich-Kästner-Preis. Nicht nur, weil die Fußstapfen der Vorgänger so groß sind. „Für mich ist es eine Auszeichnung für alle Menschen, die sich für andere, die in Not sind und Orientierung suchen, einsetzen. Ich wurde nur aus der Mitte herausgegriffen. Die Ehrung gilt Zehntausenden in Sachsen und in Deutschland, die in den vergangenen Jahren Fantastisches geleistet haben.“

Von Christin Grödel

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