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Lokales Privatinitiative: Dresdner nehmen Asylsuchende zum Klettern, Baden und Sporteln mit
Dresden Lokales Privatinitiative: Dresdner nehmen Asylsuchende zum Klettern, Baden und Sporteln mit
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19:41 09.09.2015
Mit Flüchtlingen gemeinsam kostenlose oder -günstige Freizeitangebote nutzen, das ist die Idee von Sascha Förster und seinen Freunden. Am Sonnabend waren sie mit vier Syrern bouldern. Quelle: Sascha Förster

Daraus soll eine große Gruppe entstehen: Möglichst viele Dresdner könnten zum Radfahren, Baden oder Wandern Asylbewerber mitnehmen, wünscht sich Förster.

Weil er und seine Freunde passionierte Kletterer sind, kamen sie auf die Idee, mit sportlichen Freizeitangeboten den Asylsuchenden Abwechslung vom öden Camp-Alltag zu verschaffen und Menschen zusammenzubringen. Mit ihrer Haus- und Hof-Kletterhalle „Bouldercity“ in der Dresdner Neustadt haben sie deshalb bereits abgesprochen, dass die Flüchtlinge kostenlos Kletterschuhe zur Verfügung gestellt bekommen. Die Eintrittskosten finanzieren die Mittdreißiger über Spenden. Am Sonnabend dann ist Förster zur Bremer Straße gefahren, hat vor dem Zeltlager und auf dem ehemaligen Matthäusfriedhof junge Männer angesprochen, ob sie gemeinsam mit ihm klettern gehen wollten. „Die fragten erst etwas zögerlich: Ist das nicht gefährlich? Da hab ich ihnen erklärt, dass man da nicht hoch klettert und jederzeit ohne Gefahr runterspringen kann, und dann sind sie mitgekommen.“ Am liebsten hätten nicht nur vier, sondern noch viel mehr Zeltstadt-Bewohner an dem Ausflug teilgenommen. „Bedarf ist auf jeden Fall da“, sagt Förster.

"Da lief es uns eiskalt den Rücken runter"

In der Boulderhalle haben sich die vier Syrer und fünf Sachsen nicht nur an den Wänden emporgehangelt, sondern auch entspannt auf den dicken Matten gelümmelt, gequatscht, zugehört, gelacht. „Es war überwältigend. Ganz ungezwungen, freundlich, aufgeschlossen – wie es eben normal ist, wenn man neue Leute kennenlernt und sich mit ihnen anfreundet“, erzählt Förster. „Ich müsste weit wegfahren, wenn ich solche Leute treffen wollte – so hab ich sie sozusagen direkt vor meiner Haustür.“ Bei den Geschichten, die die Flüchtlinge aus ihrem Heimatland erzählten, sei es ihnen jedoch eiskalt den Rücken runtergelaufen. „Da waren sehr ergreifende Stories dabei.“

Für nächste Woche hat sich die kleine Klettertruppe wieder verabredet. Vielleicht geht es diesmal in die Sächsische Schweiz, überlegt Förster, aber dafür muss er erst noch einige rechtliche Fragen mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) klären, das die Notunterkunft betreut. Auch Fahrrad- und Badeausflüge, gemeinsame Joggingrunden oder Besuche öffentlicher Sportanlagen könne er sich vorstellen – eben alles, was nichts oder nur wenig kostet. „Das kann jeder machen, da gehört nicht viel dazu.“ So hatte Saschas Kumpel Bodo beispielsweise bereits vor drei Wochen spontan einige junge Männer aus dem Zeltlager an der Bremer Straße zum Baden in der Elbe abgeholt.

Koordination über soziale Medien

Damit möglichst viele Asylsuchende in den Genuss solcher Freizeitaktivitäten kommen können, wünscht sich Förster, dass jeder, der etwas anbieten möchte, das in der extra eingerichteten Facebook-Gruppe „Climbing for all – Dresden“ veröffentlicht. „Bislang fehlt einfach eine Übersicht“, sagt er. Die Asylsuchenden im Camp seien über die sozialen Netzwerke gut zu erreichen, schließlich ist das Handy meist ihr einziger Kontakt in die Heimat.

„Wir wollen uns erst mal um die jungen Männer kümmern, denn gerade gegenüber den vielen alleinreisenden Männern, die zu uns kommen, gibt es die meisten Vorurteile in der Dresdner Bevölkerung. Wir wollen die Menschen kennenlernen und außerdem zeigen, dass Angst unbegründet ist", so Förster. „Aber in der nächsten Zeit soll sich auch eine Sportgruppe für Frauen gründen."

Dabei betonen die sechs Kletterer unisono, dass ihre Idee nicht auf vor wenigen Wochen eingesetztem "Gutmenschentum" fußt: "Wir  arbeiten ehrenamtlich nicht nur mit Flüchtlingen und auch nicht erst seit Kurzem", sagt Förster ernst. "Es ist uns wichtig, dass auch Menschen aus Dresden, gerade aus sozial schwachen Familien, Obdachlose oder ältere Menschen Zuwendung und Hilfe bekommen. Die Aktionen mit den Asylsuchenden sind als Zusatz zu den bestehenden Projekten zu verstehen."

ttr

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