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Lokales Postenvergabe hinter verschlossenen Türen - Topjobs bei Dresdner Stadtwerken ganz still ausgeschrieben
Dresden Lokales Postenvergabe hinter verschlossenen Türen - Topjobs bei Dresdner Stadtwerken ganz still ausgeschrieben
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17:22 09.09.2015

Es geht um die Chefsessel bei den Technischen Werken Dresden (TWD), der Drewag und den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Sie müssen neu besetzt werden, denn die bisherigen Chefs Reiner Zieschank (Geschäftsführer der TWD und der Drewag sowie Vorstand Finanzen und Technik bei den DVB) und Hans-Jürgen Credé (Geschäftsführer der TWD und Vorstand Betrieb und Personal bei den DVB) gehen in den Ruhestand. Zieschank hört zum Jahresende auf, Credé bereits im Herbst.

Seit Wochen beschäftigen diese Wechsel die Verantwortlichen im Rathaus. Als Nachfolger wurden bereits mehrere Bürgermeister, Ex-Mitarbeiter der Stadtspitze und Bundestagspolitiker gehandelt. Dazu gehören der amtierende Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel und Finanzchef Hartmut Vorjohann (beide CDU). Immerhin: Der Jurist Sittel kennt die Drewag bestens, war vor seinem Amtsantritt im Rathaus im September 2001 zuletzt fünf Jahre lang Büroleiter der Drewag-Geschäftsführung. Von Hartmut Vorjohann, Volkswirt und Politologe, ist bekannt, dass er seinen Hut tatsächlich in den Ring geworfen hat. Er will Drewag- und TWD-Chef werden.

Weniger wahrscheinlich ist dagegen, dass Ex-OB Ingolf Roßberg und Jan Mücke, ehemaliger Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, ins Rennen gehen. Für Roßberg spricht allerdings sein Fachwissen als Verkehrsingenieur. Er wohnt in Dresden-Plauen und arbeitet zur Zeit für die Firma Hamburg Consult - ein Beratungsunternehmen, das aus der "Verkehrsconsult Dresden-Hamburg" (VCDH) hervorgegangen ist, einer gemeinsamen Tochter der Hamburger Hochbahn und der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Jan Mücke hat sich als FDP-Staatssekretär in Berlin für Dresden stark gemacht. Wann immer es galt, für hiesige Verkehrsprojekte beim Bund die Trommel zu rühren - Mücke war vor Ort und die Dresdner Verantwortlichen nutzten gern den kurzen Draht zu ihm. Auch für Bus und Bahn in Dresden hat er sich eingesetzt, obwohl dieses Thema allgemein eher nicht den Kernkompetenzen der FPD zugerechnet wird. Mücke lebt in Radebeul und arbeitet zur Zeit als Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands.

Das letzte Wort bei der Vorstands- und Geschäftsführerwahl haben in allen drei Unternehmen die Aufsichtsräte. Sie bestimmen das Prozedere, hatten also auch das Sagen bei der Ausschreibung, die nur auf den Internet- und Intranetseiten der jeweiligen Unternehmen veröffentlicht wurde. Das macht stutzig. Sind diese Jobs nicht wichtig genug, dass man bundesweit aktiv nach den besten Köpfen sucht? "Da sind hinter den Kulissen die Würfel schon gefallen", vermutet ein Insider. Es laufe alles auf eine interne Lösung hinaus.

Zwar richtete sich die interne Ausschreibung sowohl an "geeignete Personen aus dem TWD-Konzern" als auch an "externe Bewerber". Die Zahl der Externen dürfte bei einer solch eher heimlichen Suche aber überschaubar geblieben sein. Wie viele Bewerber es tatsächlich gibt, wollten die Verantwortlichen im Rathaus und den drei Unternehmen nicht sagen. Ein offenes, transparentes Verfahren sieht anders aus.

Die neuen Unternehmenslenker sollen im Frühjahr oder Sommer bestimmt werden. Dabei sind in allen drei Vorständen neben der (oder dem) OB, Gewerkschaftern und Mitarbeitern auch Stadträte stimmberechtigt. Bei den DVB sind das aktuell unter anderem Margit Haase für die Grünen, Dietmar Haßler (CDU), Kris Kaufmann (Linke) und Peter Bartels (SPD). Im Drewag-Aufsichtsrat entscheiden auch Torsten Schulze (Grüne), Jens Genschmar (FDP), Margot Gaitzsch (Linke) und Peter Krüger (CDU) über den neuen Geschäftsführer. Und bei den TWD Thomas Blümel (SPD), Tilo Kießling (Linke) und Georg Böhme-Korn (CDU). Nur wenige Stadträte sind in mehreren Aufsichtsräten vertreten. Dazu gehört unter anderem André Schollbach. Der Fraktionsvorsitzende der Linken gehört zum Aufsichtsrat der Drewag und der TWD. Er ließ am Donnerstag die Muskeln spielen, nachdem bekannt geworden war, dass Vorjohann an die Spitze von Drewag und TWD will. Die Drewag sei erfolgreich, weil sie "nicht von CDU-Parteisoldaten, sondern von kompetentem und fähigem Fachpersonal geleitet wurde und wird", polterte Schollbach. Er ist überzeugt: "Ehe Hartmut Vorjohann Drewag-Chef wird, erleben wir Gregor Gysi als Bundeskanzler."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.02.2015

Christoph Springer

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