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Lokales Pomp, Protest, Probleme: Das Grabmal des Wettiners Albert von Sachsen wird am Sonnabend eingeweiht
Dresden Lokales Pomp, Protest, Probleme: Das Grabmal des Wettiners Albert von Sachsen wird am Sonnabend eingeweiht
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20:51 09.09.2015
Die Inschrift stößt beim Denkmalamt auf wenig Begeisterung: "Seine Königliche Hoheit" ist eine Anrede für lebende Personen. Quelle: Genia Bleier

Wie es sein Wunsch war, ist der am 6. Oktober 2012 verstorbene promovierte Historiker hier beigesetzt worden. Auf dem Friedhof, den sein berühmter Vorfahre August der Starke 1720 anlegen ließ und der heute die älteste noch genutzte Begräbnisstätte der Stadt ist.

Lange Zeit, auch zu Alberts 80. Geburtstag 2014 noch, erinnerte nur ein einfaches Holzkreuz an den Wettiner. Am morgigen Sonnabend soll nun das fertige Grabmal in großer Runde eingeweiht werden. Organisator der Feierlichkeit sowie - nach eigener Aussage - auch Betreuer sämtlicher Arbeiten für die Grabstätte ist der Riesaer Betreiber eines Jagdausstatters Klaus Przyklenk. Er ist zugleich Begründer und Chef des "Privilegierten Schützenvereins König Friedrich August III. von Sachsen zu Riesa" und als bekennender Freund der Wettiner so etwas wie ihr Kümmerer und Zeremonienmeister. Insbesondere pflegte er den Kontakt zu Albert, der ihn aus Dankbarkeit geadelt hat, was aber für Przyklenk so wenig Folgen im wirklichen Leben hat wie die ehemaligen Titel der Adelsfamilie.

Nun wirbelt der Mann für die Witwe Elmira von Sachsen. Rund 100 Ehrengäste erwarte er heute, erklärte Klaus Przyklenk gegenüber dieser Zeitung, denn die Grabeinweihung finde zugleich mit dem 20-jährigen Jubiläum des Schützenvereins statt, deren Schirmherren Albert und Elmira waren.

So wird der stille Friedhof ein "königliches" Fahnenspektakel mit Kranzniederlegung erleben. Und im Anschluss an die Feier sollen Medaillen mit den Bildnissen des Ehepaares verliehen werden. Die Witwe des früheren Hauschefs Maria Emanuel wird nicht anreisen, sagt Przyklenk. Der Familienstreit um die Vorherrschaft im Haus Wettin reicht auch über den Tod hinaus.

Zu verfehlen ist die stattliche Gruft auf dem Katholischen Friedhof nicht. In gerader Linie hinter der Friedhofskapelle leuchtet an der Mauer heller Sandstein mit dem Wappen der Wettiner. Auf einer roten Granitplatte steht in goldenen Lettern: "S.K.H. Dr. Phil. Prinz Albert von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meissen".

So ließ man sich der Verstorbene am liebsten ansprechen. Doch die Inschrift auf dem denkmalgeschützten Friedhof stieß beim städtischen Amt für Kultur und Denkmalschutz auf keine Gegenliebe. In einem Schreiben wurde Elmira darauf hingewiesen, dass die Anrede "Seine Königliche Hoheit (S.K.H.)" nur lebenden Personen gebührt und dass Titel wie "Prinz" in Deutschland seit 1919 abgeschafft und nur noch Bestandteil des Namens sind.

Eine Änderung kommt für Alberts Witwe jedoch nicht in Frage. Auf Konsequenzen seitens der Stadt werde aber verzichtet, erklärte das Presseamt auf Nachfrage. "Das ist ein privat finanziertes Grabmal. Da steht es dem Eigentümer frei, dieses so zu beschriften wie er will", meint Przyklenk.

Fragen wirft auch der Titel "Markgraf" auf. Denn trotz langer Streitigkeiten im Hause Wettin ist das Problem des aktuellen Chefs noch lange nicht geklärt. Ist der in Mexiko lebende, adoptierte Alexander nun inthronisiert? Gab es zuletzt zwei Markgrafen? Wer darf jetzt das Erbe antreten und braucht es überhaupt noch einen Markgrafen?

Darüber müssen sich die berühmten "Nachbarn" auf dem Friedhof keinen Kopf mehr machen, zu denen auch ein weiteres Familienmitglied gehört - Chevalier de Saxe, ein unehelicher Sohn Augusts des Starken.

Dr. Albert von Sachsen befindet sich auf der Begräbnisstätte seines Ahnherrn unter anderem in der Gesellschaft von Carl Maria von Weber (direkt neben dem Wettiner-Grab), Johann Baptist Casanova (Direktor der Dresdner Kunstakademie und Bruder des Frauenverführers), Vater und Sohn Donadini (von den Wettinern protegierte Maler und Restauratoren), aber auch der Zauberkünstler Bartolomeo Bosco und Marvelli junior. Bei der Beilegung von Streit im Hause Wettin zugunsten eines sinnvollen Wirkens hilft offenbar auch kein Zaubertrick.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2015

Genia Bleier

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