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23:03 09.09.2015
Mit Geduld und Einfühlungsvermögen kümmert sich der 20-jährige David Kirchner seit September vorigen Jahres in der Schule für Körperbehinderte "Prof. Dr. Rainer Fetscher" um den 15-jährigen Schwerstbehinderten Florian Müller (li.). Quelle: Dietrich Flechtner

Von Stephan Hönigschmid

Ein Dresdner, der von den Veränderungen betroffen war, ist der 20-jährige David Kirchner.

"Ich musste voriges Jahr noch zur Musterung und habe anschließend den Wehrdienst verweigert. Danach schrieb ich eine Bewerbung an das Dresdner DRK für eine Zivildienststelle", erinnert sich Kirchner. Allerdings sei er genau in die Umbruchphase geraten, schon wenig später habe es den Zivildienst nicht mehr gegeben. Vom DRK informierte ihn allerdings niemand darüber. "Auf meine Bewerbung hin bekam ich keine Antwort und mir hat keiner gesagt, welche weiteren Möglichkeiten es gibt." Am Ende wartete David Kirchner zu lange. Die Bewerbungsfristen für ein Studium oder einen Ausbildungsplatz waren längst abgelaufen.

Er fragte sich, was er nun Sinnvolles mit seiner Zeit anfangen sollte. Auf jeden Fall wollte er sich sozial engagieren, da war er sich sicher. "Ich bin dann nach einiger Suche auf den Bundesfreiwilligendienst aufmerksam geworden und habe im Internet gesehen, dass vor allem die Dresdner Stadtverwaltung jede Menge freie Stellen anbietet", so Kirchner. Nach intensiver Recherche bewarb er sich in der Schule für Körperbehinderte "Professor Dr. Rainer Fetscher" in der Fischhausstraße und wurde genommen.

Am 1. September 2011 trat er seinen Dienst an und machte Erfahrungen, die sein Leben für immer veränderten. "Nachdem ich mein berufliches Abitur gemacht hatte, wollte ich eigentlich immer etwas Technisches studieren. Durch meinen Freiwilligendienst habe ich mich jetzt aber entschieden, ab September eine Ausbildung zum Ergotherapeuten zu beginnen." Geprägt hat den 20-Jährigen vor allem die Betreuung des schwerstbehinderten Schülers Florian Müller. Unter anderem musste er dem 15-jährigen Spastiker bei den Toilettengängen helfen und ihn während der Mahlzeiten füttern. Im Unterricht unterstützte er die Pädagogen und Heilerzieher und durfte ab und zu auch selbst unterrichten.

Für seinen achtstündigen Einsatz, der jeden morgen um 7 Uhr begann, bekam David Kirchner von der Stadt ein Taschengeld von 330 Euro gezahlt und war außerdem sozialversichert. "Ich war damit zufrieden, weil es das erste eigene Geld war, das ich verdient habe." Nur eines hat David Kirchner nicht gefallen: Genauso wie früher die Zivis sollte er drei Wochen ins brandenburgische Schleife fahren und dort zum Beispiel politikwissenschaftliche Seminare besuchen, die ihn gar nicht interessierten. "Ich habe das abgelehnt, weil es schließlich ein Freiwilligendienst ist und ich selbst entscheiden möchte, welche Kurse ich besuche."

Ende August läuft seine Zeit in der Schule für Körperbehinderte ab. Gefragt, ob er den Dienst weiterempfehlen würde, zögert er keine Sekunde: "Ich kann nur jedem dazu raten. Man lernt, wie man mit einfachen Dingen Menschen helfen kann."

Zufrieden mit dem Start des Dienstes zeigte sich auch die Dresdner Stadtverwaltung, die in insgesamt 19 Einsatzstellen 63 Bufdi-Plätze anbietet. Dennoch gibt es Verbesserungswünsche: "Es wäre gut, wenn es weniger Bürokratieaufwand und ein größeres Kontingent an Bufdi-Plätzen geben würde", so Sprecherin Anke Hoffmann. Mehr Stellen wünscht sich auch das Dresdner DRK, wo derzeit sieben Bufdis in Altenheimen und beim Rettungsdienst im Einsatz sind. Problematisch ist hier vor allem die Fluktuation.

"Im Vergleich mit Zeiten des Zivildienstes ist die Planungssicherheit gesunken, da die Abbrecher-Quote bei freiwilligem Engagement naturgemäß höher ist. So können Freiwillige ihren Dienst kurzfristig beenden, wenn sie beispielsweise einen erwarteten Ausbildungs- oder Studienplatz erhalten oder einen Job finden", betont DRK-Pressesprecherin Friederike Schmidt.

Bei der Arbeiterwohlfahrt, wo in Dresden 27 Bufdis tätig sind, sieht man die Fluktuation hingegen gelassen. Hier hat man genauso wie David Kirchner eher ein Problem mit den früheren Zivildienstschulen. "Da wir gemischte Gruppen von Teilnehmern des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und des Bundesfreiwilligendienstes haben, mussten auch die Freiwilligen im FSJ an den Seminartagen in den Bildungszentren teilnehmen." Für die AWO bedeute dies einen enormen finanziellen Mehraufwand, so Kati Simmank von der AWO-Öffentlichkeitsarbeit.

Stellenangebote unter www.bundesfreiwilligendienst.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.08.2012

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