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Lokales Pläne für „Jugendkirche“ in der Ruine der Trinitatiskirche in Dresden-Johannstadt
Dresden Lokales Pläne für „Jugendkirche“ in der Ruine der Trinitatiskirche in Dresden-Johannstadt
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17:00 28.10.2017
Stadtjugendpfarrer Georg Zimmermann in der Ruine der Trinitatiskirche in Dresden-Johannstadt. Hier soll die „Jugendkirche“ entstehen. Quelle: Foto: Anja Schneider
Dresden

Pausbackige Engelsköpfe schauen von den rötlichem Sandsteinbögen herab. Herbstlaub liegt auf dem feuchten Boden. Georg Zimmermann, der evangelische Stadtjugendpfarrer, steht, umgeben von hohen Wänden, mitten in einem Sakralraum und dennoch unter freiem Himmel. Die Ruine der 123 Jahre alten Trinitatiskirche in Dresden-Johannstadt weist Narben auf, Spuren ihrer Zerstörung in der Bombennacht des 13. Februar 1945.

Dennoch ist sie kein toter Ort. Jeden Mittwochvormittag holen sich Bedürftige hier Lebensmittel der Dresdner Tafel. Gelegentlich gibt es hier Gottesdienste, Andachten, Vorträge oder Konzerte. Irgendwann soll es noch lebendiger werden. Hier könnte einmal Dresdens erste „Jugendkirche“ entstehen.

Seit 15 Jahren verfolgen sie im Stadtjugendpfarramt das Projekt, erzählt Georg Zimmermann. Gebraucht werde ein Zentrum der evangelischen Jugend, sagt der 47-Jährige. Im Hauptturm der Kirche gibt es für jungen Johannstädter seit 1994 einen offenen Treff. Der könnte an Bedeutung gewinnen.

In Dresden seien sie der zweitgrößte Jugendverband nach der Sportjugend, sagt Zimmermann. „Bis jetzt aber fehlt uns ein zentraler Identifikationsort, der über die einzelnen Gemeinden hinaus Bedeutung hat.“ Derzeit hat das Stadtjugendpfarramt seinen Sitz an der Emil-Ueberall-Straße in Löbtau. „Eine etwas ungünstige Lage.“ Außerdem gebe es dort neben Büros keine geeigneten Räume für Veranstaltungen.

„Hinzu kommt: Es gibt viele Jugendliche, zum Beispiel aus der Region und aus Sachsen, die ihre Berufsausbildung oder ein Studium in Dresden absolvieren. Für die ist es schwierig, sich in Gruppen in den Gemeinden zu integrieren. Hier aber könnten sie andocken.“

Seit Jahren beobachten Pfarrer: Kinder, Konfirmanden und Jugendliche treffen sich in Gruppen ihrer Kirche, in der Jungen Gemeinde zum Beispiel. Doch nur bis zum Ende der Schulzeit. Dann verlassen sie ihren Heimatort und verlieren zumeist die Bindung. „Das aber ist für sie eine Zeit der Suche“, sagt Georg Zimmermann. „Gerade für sie wäre es wichtig, hier eine Adresse zu haben.“

Wenn sie ins Berufsleben einsteigen und Kirchensteuer zahlen, stellt sich die spannende Frage, ob sie wieder in eine Gemeinde finden. „Das werden sie nur können, wenn sie in dieser Übergangszeit Kirche erlebt haben.“

Gedacht ist die Jugendkirche vor allem für die zwischen 14 und 23 Jahren. Sie sollen hier Platz bekommen für Erfahrungen, für Erlebnisse und um eigenständig etwas gestalten zu können; eine Art „geistlicher Probenraum“ also für Begegnung, Orientierung, Kultur, Demokratiebildung.

Auf einem Zukunftstag im Programmkino Ost mit etwa 100 Teilnehmern waren die Pläne für die Jugendkirche ein Hauptthema. „Dort habe ich gemerkt: Sie haben große Lust darauf.“ 2014 hat die sächsische Landeskirche die Pläne befürwortet. Und in diesem Frühjahr hat die Kirchenbezirkssynode beschlossen, das Ganze zu unterstützen. Getragen von der evangelischen Kirche, könnte hier ein Zentrum entstehen, in dem sich Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und aus unterschiedlichen Milieus begegnen, offen für alle, ganz gleich, ob Christen oder nicht.

In einer Vorstudie ist festgehalten, was benötigt wird. Zum Beispiel ein großer Veranstaltungsraum mit etwa 250 Plätzen. „Der soll auch als Kirche erkennbar sein“, erläutert Georg Zimmermann. In einem Büro soll eine neue Arbeitsstelle für Kinder, Jugend und Bildung eingerichtet werden. Dazu wünschen sie sich als Treffpunkt ein Jugendcafé, das auch für Veranstaltungen nutzbar wäre. Schließlich einen Gruppenraum, etwa für die Fortbildung von Jugendpädagogen.

Die Kosten würden nach ersten groben Schätzungen bei mindestens drei Millionen Euro liegen. Der Stadtjugendpfarrer rechnet mit deutlich mehr. Nun führt er viele Gespräche, um zu sehen, wer sich finanziell beteiligen würde. Auch auf Fördermittel von der Europäischen Union und vom Bund hoffen sie.

Er schaut hinauf, dorthin, wo ein Handwerker auf einer Hebebühne steht und das Ziegelmauerwerk ausbessert. Auch um eine Ruine zu erhalten, braucht es ständig Reparaturen. „Für uns wäre dieses Projekt die Chance, dass das Gebäude erhalten und genutzt wird“, sagt Tobias Funke, der neue Gemeindepfarrer. „Wir könnten das mit unserer Jugendarbeit verknüpfen.“

Vereinbart ist, dass seine Gemeinde die Räume auch weiterhin nutzen darf. „Und der Charakter als Ruine bleibt erhalten“, sagt er. „Als eine der letzten in der Stadt brauchen wir sie als Erinnerungsort.“

Von Tomas Gärtner

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