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Lokales Pionierarbeit in Pieschens neuem Gemeinschaftsgarten
Dresden Lokales Pionierarbeit in Pieschens neuem Gemeinschaftsgarten
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11:01 02.05.2018
Philip Harms (l.) und Gregor Scholtyssek sind die Gründer des Gemeinschaftsgartens „Wurzelwerk“. Quelle: Tanja Tröger
Dresden

In Dresden-Pieschen entsteht ein neuer Gemeinschaftsgarten. „Wurzelwerk“ haben ihn die Gründer Gregor Scholtyssek und Philip Harms getauft. An der Heidestraße, auf einer derzeit ungenutzten Fläche der benachbarten Gärtnerei Nitzsche, haben die jungen Männer mit bisher etwa 15 Mitstreitern seit März wucherndes Gestrüpp entfernt, die ersten Beete angelegt und Sträucher gepflanzt.

70.000 Euro Fördergeld reichen für zwei 12,5-Stunden-Stellen

Dass Menschen zusammen einen Garten bewirtschaften, ist in Dresden nichts Neues mehr: 2006 starteten die Internationalen Gärten in ihre erste Saison, seit 2011 wird in der Johannstadt und im Pieschener Aprikosengarten gepflanzt, und 2012 gründete sich das Gartennetzwerk Dresden, dem inzwischen 26 Projekte angehören. Das „Wurzelwerk“ ist jedoch einzigartig: Es ist der erste Dresdner Garten mit festangestellten Mitarbeitern.

Möglich machen das Fördergelder aus dem Europäischen Sozialfonds. Für ihr Projekt „Qnoten – Quartiersentwicklung und sozialer Knotenpunkt“ bekommen Scholtyssek und Harms für zwei Jahre insgesamt rund 70.000 Euro. Das reicht für je eine 12,5-Stunden-Stellen für beide.

Vermittelt werden auch handwerkliche Kompetenzen

„Bei unserer Arbeit in anderen Gemeinschaftsgärten haben wir die Erfahrung gemacht, dass die engagierten Ehrenamtler oft an die Grenze des Leistbaren kommen und deshalb bestimmte Dinge hinten runterfallen“, erzählt Harms. „Es braucht einfach feste Ansprechpartner und Zeiten, eben eine gewisse Regelmäßigkeit, um beispielsweise Bildungs- und Kulturveranstaltungen zu organisieren.“ Außerdem bleibt so Zeit, sich neugierigen Gästen zu widmen.

Die beiden Männer erklären also beispielsweise der interessierten Nachbarin im Rentenalter, die gern mittun würde, aber sich nicht so recht an „die jungen Leute“ rantraut, wie das Zusammenarbeiten in einem gemeinschaftlich betriebenen Projekt funktioniert. Oder sie gehen auf sozial benachteiligte Menschen zu und versuchen, sie für gemeinschaftliche Arbeit zu begeistern, vermitteln neue Fähigkeiten im handwerklichen und sozialen Bereich. Die beruflichen Kompetenzen bringen die „Qnoten“-Macher mit: Scholtyssek ist Sozialpädagoge, Harms Lehrer und Stadtplaner.

„Festes nach hinten, Flüssiges nach vorne“ – Gregor Scholtyssek zeigt das neue Kompostklo. Quelle: Tanja Tröger

So entstehen bei der Gartenarbeit „ganz nebenbei“ neue Kontakte zwischen den Stadtteilbewohnern und ein Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen. Das gemeinschaftliche Säen, Pflegen und Ernten schult zudem soziale Kompetenzen, schafft neues Wissen – und verschönert nicht zuletzt das Wohnumfeld.

Neben der klassischen Gartenarbeit haben die beiden „Wurzelwerk“-Gründer aber vor allem zahlreiche Veranstaltungen geplant: „Bildungsangebote sollen bei uns ein großes Thema sein“, so Scholtyssek. „Wir laden Referenten ein und organisieren Workshops zu klassischen Gartenbau-Themen wie Beete anlegen, Kompost, Pilzzucht und so weiter, aber auch zum Thema Bauen/Reparieren.

Verpächter stellt auch Wasser und Strom

Zu Pfingsten soll beispielsweise mit Hilfe eines Zimmermanns ein neuer Dachstuhl für unseren Büro- und Lagercontainer entstehen“, zählt der 27-Jährige auf. „Die Gäste unserer Eröffnungsfeier haben sich ihre Sitzmöbel aus Europaletten gleich selber gebaut“, ergänzt Harms lachend. Ein paar Kronkorken auf der ins Sofa integrierten „Flaschenablage“ erinnern noch an den feucht-fröhlichen Abend – „feucht“ natürlich nur wegen des Dauerregens. Auch bei Kulturveranstaltungen wie Festen, Pflanzentauschbörsen, Koch-, Diskussions- und Filmabenden sollen sich die Menschen im Garten treffen und ins Gespräch kommen können.

Um die Kultur im Stadtteil zu bereichern, kooperieren die „Qnoten“-Männer mit zahlreichen Initiativen, beispielsweise dem Pieschener Zentralwerk, dem Rosenwerk in Löbtau und dem Dresdner Umweltzentrum. Die Gärtnerei Nitzsche verpachtet ihnen nicht nur die Fläche, sondern stellt auch Wasser und Strom zur Verfügung. Stephan Gonera, Inhaber des 1878 gegründeten Familienbetriebes, gefällt die Idee der Gemeinschaftsgärten: „Es ist spannend zu sehen, wie man zusammen etwas bewegen kann, das man allein nicht schaffen würde. Dafür muss man seine Denkweise öffnen, den Geist und den Blick weiten.“

Kommende Termine

Veranstaltungen im neuen Gemeinschaftsgarten an der Heidestraße in Dresden-Pieschen:

5. Mai, 11–17 Uhr: Planungswerkstatt für die erste Gartensaison

7. und 14. Mai: Workshop „Beetformen anlegen“

19./20. Mai: Workshop „Dachstuhl bauen”

20. Mai: Workshop „Insektenstauden“

26./27. Mai: Langer Tag der StadtNatur

2. Juni: Workshop „Pilze züchten“

Mehr Informationen im Internet unter https://wurzelwerk.ufer-projekte.de

Von ttr

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