Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Pilotlinie 73 soll bis Jahresende über Döbelner Straße fahren
Dresden Lokales Pilotlinie 73 soll bis Jahresende über Döbelner Straße fahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:55 09.05.2018
Seit Januar hält der Quartiersbus 73 auf der Döbelner Straße. Mehr als eine Handvoll Menschen steigt zumeist nicht zu. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Die Quartiersbuslinie 73 blickt in eine ungewisse Zukunft. Seit Januar lassen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) den kleinen Bus „Sophie“ zwischen dem Haltepunkt Pieschen und dem Wilden Mann über die Döbelner Straße pendeln. Nach einem unerwartet gutem Start haben sich die Fahrgastzahlen seither kaum entwickelt, sagt DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach. Werktags steigen im Schnitt etwa 220 Menschen ein, am Wochenende sind es nur 80 an Sonnabenden, 70 an Sonntagen. Doch auch der bessere Zuspruch an Werktagen bedeutet bei 62 Fahrten, im Schnitt nur 1,4 Fahrgäste pro Fahrt. „Das ist Taxifahren zum ÖPNV-Tarif“, kritisierte Hemmersbach auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Pieschen. „Dennoch wollen wir den Betrieb nicht einfach einstellen, sondern nachjustieren.“

Mussten die Verkehrsbetriebe durch einen Stadtratsbeschluss zum Probebetrieb gezwungen werden, wollen sie jetzt dessen Grenzen ausweiten. Laut Beschluss könnte der Quartiersbus Ende Juni sang und klanglos eingestellt werden. „Wir wollen aber wenigstens eine ganze Saison abwarten“, sagt Hemmersbach über das bisher etwa 130 000 Euro teure Experiment. Die 73 solle bis Jahresende ausgetestet werden. Denn trotz der mickrigen Zahlen – zum Vergleich: die Buslinie 74 Neustadt-Jägerpark bewegt auf ähnlich kurzer Strecke 1000 Fahrgäste am Werktag, die 79 Mickten-Übigau 800 – zeigt die 73 ein paar interessante Potenziale.

So haben zwar zwei Drittel der Fahrgäste vor der Fahrt schon Bus und Bahn genutzt, ein Drittel sind aber Neueinsteiger. Die meisten von ihnen haben die etwa 2,7 Kilometer lange Strecke bisher zu Fuß zurückgelegt, es gibt aber auch einige, die vom Auto in den Bus umgestiegen sind. Und: 220 Fahrgäste sind mehr, als die etablierte Linie 76, die Fahrgäste zur Justizvollzugsanstalt befördert, vorweisen kann. Außerdem gibt es zumindest werktags kaum Leerfahrten, auch wenn der 22 Fahrgäste fassende Bus meist nur in dem Morgenstunden richtig voll wird.

Die meisten Potenziale lassen sich wohl erst nach ein paar Veränderungen heben, wie in der Diskussion im Ortsbeirat Pieschen deutlich wurde. „Die S-Bahn kommt zur Minute 11 an, der Bus ist laut Fahrplan zur Minute 4 schon abgefahren“, moniert etwa SPD-Ortsbeirat Stefan Engel. „Wenn einer am S-Bahn-Haltepunkt 20 Minuten auf den nächsten Bus warten muss, dann läuft er die Strecke lieber“, pflichtet ihm Grünen-Ortsbeirat Thomas Sawatzki bei. DVB-Vorstand Hemmersbach hat diese Kritik schon öfter gehört. Man habe bei den Fahrzeiten eher an die Anbindung an den Trachenberger Platz gedacht. Das wirkt sich in der Belegung aus: Während die meisten Fahrgäste am Trachenberger Platz ein oder aussteigen, fahren derzeit von den durchschnittlich 220 nur 30 Fahrgäste bis zum Haltepunkt Pieschen weiter. Eine Lösungsmöglichkeit hat Ortsbeirat Engel parat: „Mit einer Verschiebung des Fahrplans um zehn Minuten könnte man gute Anschlüsse von drei bis fünf Minuten schaffen, ohne dass der Umstieg zur Straßenbahn am Trachenberger Platz leidet.“

Für mehr Attraktivität könnte auch ein anderer Ansatz sorgen: Die Verlängerung der Linie bis zum Ärztehaus Mickten. Bisher fahren laut Hemmersbach meist ältere mit, die ihre Einkäufe und Besorgungen mit dem Quartiersbus erledigen. Für sie könnte die Verbindung bis zum Ärztehaus an der Wurzener Straße günstig sein, argumentiert Engel. DVB-Vorstand Hemmersbach will prüfen, ob das technisch machbar ist. Mehr als einen Bus samt Busfahrer wollen die Verkehrsbetriebe wegen der geringen Fahrtkostendeckung auf der Strecke nicht einsetzen.

Und auch sonst soll die Linie nach Ansinnen der DVB wirtschaftlicher werden. So gibt Hemmersbach zu bedenken, ob es die 54 Fahrten am Wochenende angesichts der geringen Belegung wirklich braucht. „Wenigstens die Fahrten am Sonnabendvormittag sollten erhalten bleiben“, plädiert CDU-Ortsbeirätin Rotraud Sawatzki. Eine Verringerung des Takts hält Hemmersbach dagegen für ausgeschlossen. Seltener als alle halbe Stunde sollte der Bus nicht fahren.

Bleibt die Frage: Wie weiter? Stadtrat und Bauausschuss können sich mit dem Thema nicht mehr vor dem eigentlichen Ende des Probebetriebs Ende Juni befassen. Der Ortsbeirat will daher Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) durch einen Kniff dazu bewegen, eine Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern der DVB und der Stadtverwaltung sowie mit Ortsbeiräten – neben Engel und Thomas Sawatzki hat sich Thomas Bergmann (FDP) zur Mitwirkung bereit erklärt – zur Weiterentwicklung der Linie 73 ins Leben rufen. In spätestens zwei Monaten soll er zur Arbeit der – noch gar nicht existierenden – AG im Ortsbeirat Bericht erstatten. Das Thema ist durchaus für die gesamte Stadt von Bedeutung. Zeigt die Quartierslinie in Pieschen Erfolg, könnte das Modell auch auf andere Stadtviertel übertragen werden. „Wenn der Stadtrat sagt, dass man noch weitere solcher Experimentierräume braucht, dann wollen wir daran mitwirken“, sagt DVB-Vorstand Hemmersbach.

Von Uwe Hofmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Vertrag in Dresden unterschrieben - Geld für erste städtische Sozialwohnungen

Im August wird der Grundstein für die ersten 22 kommunalen Sozialwohnungen auf der Ulmenstraße gelegt. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat den Fördermittelvertrag unterschrieben. Die neue städtische Wohnungsbaugesellschaft erhält über eine Million Euro Förderung und kann nun loslegen.

09.05.2018
Lokales Bilanz der Reisebörse Germany Travel Mart - Volltreffer für den Tourismus in Dresden

Nur jeder fünfte Tourist in Dresden kommt aus dem Ausland. Dieser Anteil soll sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Der Germany Travel Mart soll die Initialzündung für ein neues Hoch des Dresden-Tourismus sein.

09.05.2018

Sylvia H. ist nicht zimperlich. Sie soll ihren Ex-Freund mehrfach mit dem Messer bedroht haben – und sie kippte Öl auf die Treppe, damit dieser zu Fall kommt.

09.05.2018
Anzeige