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Lokales Pieschen ist Dresdens Schuldnerhochburg
Dresden Lokales Pieschen ist Dresdens Schuldnerhochburg
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08:25 03.01.2018
Wenn nur noch Mahnschreiben mit der Post kommen: 42 000 überschuldete Menschen leben in Dresden.  Quelle: Axel Bueckert - Fotolia
Dresden

Jeder elfte Dresdner über 18 Jahre ist verschuldet. Die Schuldnerquote liegt bei 9,4 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Die absolute Zahl der Schuldner ist aber um 220 auf 42 900 angestiegen. „Dass sich die Quote dennoch verbessert hat, liegt an der Bevölkerungszunahme“, erklärte Thomas Schulz, Prokurist des Wirtschaftsauskunftsdienstes Creditreform Dresden, der jedes Jahr in einem „Schuldneratlas“ die Entwicklung in Dresden und in den einzelnen Stadtteilen darstellt.

Die niedrigste Schuldnerquote weist die Ortschaft Langebrück mit 3,9 Prozent auf, im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 4,2 Prozent. Deutlich unter dem Durchschnitt der Stadt liegen auch Weixdorf (4,1 %), Loschwitz/Pillnitz (4,71 %), Plauen (5,06 %), Bühlau/Weißer Hirsch (5,09 %) und Striesen/Blasewitz (5,26 %).

Jeder fünfte Pieschener gilt als überschuldet

Neue Schuldnerhochburg ist der Stadtteil Pieschen mit einer Quote von 21,44 Prozent. Im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 17,48 Prozent, damit konnte Pieschen Gorbitz und Prohlis noch hinter sich lassen. In diesem Jahr blieb die Schuldnerquote sowohl im Dresdner Westen (18,21 %) und im Südosten (18,41 %) auf einem hohen Niveau, aber in Pieschen schnellte die Zahl der Schuldner regelrecht nach oben.

Diese drei Stadtteile weichen mehr als deutlich vom Durchschnitt für die Gesamtstadt ab, in anderen Vierteln wie Niedersedlitz (12,42 %), Reick (12,25 %) oder Friedrichstadt/Altstadt (12,06 %) sind die Unterschiede nicht ganz so dramatisch. Die einstige Schuldnerhochburg Neustadt hat sich dem Schuldneratlas zufolge zu einem Ort der finanziellen Seriosität entwickelt, die Quote liegt je nach Postleitzahl zwischen 10,26 und 12,08 Prozent.

Konsumkredite sind oft schuld

„Die wachsende Zahl der Überschuldeten ist eine Nachwirkung des zunehmenden Konsumverschuldens in den vergangenen Jahren“, schätzte Schulz ein. Finanzierungen und Ratenkredite seien zwar 2017 leicht rückläufig gewesen, dennoch hätten viele Menschen ihre Konsum- und Anschaffungswünsche mit Hilfe von Konsumkrediten finanziert. Die niedrigen Zinsen würden einen geringeren Sparwillen zur Folge haben. „Sparguthaben werden aufgebraucht, das Geld wird ausgegeben“, so Schulz. „Langfristig fehlen damit Rücklagen für unerwartete Ausgaben, was eine Überschuldung zur Folge haben kann.“

Schließlich sei Dresden längst keine preiswerte Stadt mehr. „Neben den Mieten werden Öffentlicher Personennahverkehr, Dienstleistungen, Kultur und Bildung immer teurer.“ Der Umzug in andere Stadtteile schaffe nur bedingt Abhilfe, um der Schuldenspirale zu entkommen, so der Creditreform-Prokurist.

Sebastian Kieslich, Sprecher des Caritasverbandes für Dresden, bestätigte die Angaben des Schuldenatlas. „Wir haben in der Schuldnerberatungsstelle einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen.“ Aktuell seien 653 neue Klienten und 138 Ratsuchende, die aus den Vorjahren beraten würden, beim Caritasverband registriert.

Vor allem Alleinerziehende sind betroffen

Insbesondere Alleinerziehende, die Mindestlohn beziehen und aufstocken müssten, würden schnell in die Schuldenfalle geraten. „Armut und Verschuldung gehen oft Hand in Hand“, so Kieslich. Der Anteil der sogenannten Aufstocker, die trotz Arbeit zusätzlich Geld vom Jobcenter erhalten, liege mit 45 Prozent aller Hartz-IV-Bezieher so hoch wie nie zuvor. Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre gehe an diesen Menschen vorbei. Aber auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder andere Schicksalsschläge wie Trennung, Krankheit oder unvorhergesehene Zahlungsverpflichtungen wie hohe Kosten einer Autoreparatur würden zur Anhäufung von Schulden führen. „Fast jeder vierte Ratsuchende hat Mietrückstände oder Schulden beim Energieversorger“, so Kieslich. Jeder Zehnte sei von Bußgeldzahlungen betroffen.

Ungefähr ein Viertel der Klienten seien Menschen mit Migrationshintergrund. Meist führe die Unkenntnis über das System in Deutschland die Menschen in die Schuldenfalle. „Dazu kommen die Unkenntnis der medialen Nutzung und Unwissen darüber, dass Verträge feste Abmachungen sind, bei denen man zeitlich länger gebunden ist“, erklärte der Caritas-Sprecher. Aber auch verspätete Geldflüsse vom Jobcenter zum Vermieter seien nicht unerheblich für eine Verschuldung von Menschen mit Migrationshintergrund.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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