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Philip Morris antwortet in Dresden auf e-Zigarette

Tabakerhitzer IQOS Philip Morris antwortet in Dresden auf e-Zigarette

Mit einem neuen Zigaretten-Ersatzprodukt will „Philip Morris“ (PM) kurz vor dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai die deutschen Raucher begeistern – und etwas vom Image des bösen Krankmachers wegkommen: In eigens dafür eingerichteten PM-Läden bietet der Tabakkonzern nun als Alternative IQOS an.

Der Tabakerhitzer IQOS (vorne) soll sich als Alternative zu klassischer Zigarette und e-Zigarette durchsetzen, wenn es nach Philip Morris geht.

Quelle: Philip Morris

Dresden. Mit einem neuen Zigaretten-Ersatzprodukt will „Philip Morris“ (PM) kurz vor dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai die deutschen Raucher begeistern – und etwas vom Image des bösen Krankmachers wegkommen: In eigens dafür eingerichteten PM-Läden in Dresden und weiteren Städten bietet der für seine Marlboro-Zigaretten bekannte Tabakkonzern nun als Alternative IQOS an. Technologisch angesiedelt ist dieses Rauch-System zwischen klassischer Kippe und elektrischer Zigarette.

Das Konzept: Während in einer e-Zigarette eine Heizspirale flüssige Tabakextrakte (Liquids) zu Nikotindampf macht, erwärmt das IQOS-Mundstück mit einer Heizzunge besonders behandelten festen Tabak bis auf 200 bis 300 Grad. Dadurch soll der Gewohnheitsraucher zwar weiter seine Droge Nikotin bekommen, aber nur noch wenige krebsfördernde Verbrennungsprodukte einatmen. Laut Konzern-Angaben entsteht dabei Tabak-Dampf, aber kaum noch Tabak-Qualm.

Wie gesund oder ungesund dieses neue Surrogat ist, bleibt allerdings vorerst umstritten. „Ich fürchte, dass das nicht der große Schritt weg von der Zigarette ist“, meint beispielsweise Dr. Gunnar Folprecht vom Universitäts-Krebs-Centrum der TU Dresden in einer ersten Einschätzung. „Denn Nikotin ist auch hier drin.“

Ähnlich äußerte sich auf DNN-Anfrage der Psychologe und Neurowissenschaftler Dr. Nils Kroemer, der bis 2016 die Raucherambulanz der TU Dresden geleitet hatte und nun an der Uni Tübingen tätig ist. Anscheinend sei das neue Ersatzprodukt technologisch doch sehr nahe an der e-Zigarette, nur dass in der IQOS eben fester statt flüssiger Tabak erhitzt werde. „Und die Langzeitwirkungen von e-Zigaretten sind bislang kaum erforscht“, erklärte Kroemer. Erste Untersuchungen in den USA, an denen er teilweise auch beteiligt war, deuten darauf hin, dass die e-Zigarette im Zweifelsfall gesünder als die klassische Zigarette sei. Es sei aber alles andere als ausgeschlossen, dass auch solche Ersatzprodukte das Risiko der Konsumenten erhöhen können, an Krebs, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zu erkranken.

Auch Philip Morris selbst hält sich auffällig damit zurück, die IQOS auch nur als „gesünder“ zu bewerben, spricht vielmehr von „einer anderen Art, Tabak zu genießen“. „Natürlich ist es das Beste, mit dem Rauchen aufzuhören“, räumt auch PM-Sprecherin Claudia Oeking ein. „Wir sehen das Produkt daher als Alternative für erwachsene Raucher, die ansonsten weiter rauchen würden.“

In Japan habe das Unternehmen die IQOS und die zugehörigen „Heets“-Tabakstücke bereits ab Ende 2014 eingeführt. Und dort sei das Ersatzprodukt auf starkes Interesse gestoßen, auch, weil es keine Asche beim Rauchen produziere: Im Land der aufgehenden Sonne und des Reinlichkeits-Fanatismus hat das IQOS-System inzwischen einen Anteil von zehn Prozent am gesamten japanischen Tabakmarkt erreicht.

Auch in Deutschland war IQOS in homöopathischen Dosen bereits ab Sommer 2016 in wenigen Testläden in München, Berlin und Frankfurt am Main erhältlich. Nun will PM das System deutschlandweit anbieten und dafür erstmals auch eigene Einzelhandels-Geschäfte einrichten, darunter auch in Dresden. Preislich sind die Heets zwar etwas billiger als die selbe Menge Marken-Zigaretten. Einrechnen muss der Raucher aber die rund 100 Euro Anschaffungskosten für das Trägersystem, das aus Mundstück und Aufladegerät besteht.

Produzieren lässt PM die IQOS-Hardware in Malaysia. Die „Heets“, die wie Mini-Zigaretten aussehen, kommen aus einer Fabrik in Bologna. Ob bei steigender Nachfrage womöglich auch die Dresdner Tabakfabrik auf eine „Heets“-Produktion umgerüstet wird, ließ Sprecherin Claudia Oeking offen.

Ein Hintergrund der neuen Produktlinie ist die generelle Entwicklung des Tabakmarktes in Europa: Der Raucheranteil sinkt, unter Jugendlichen gilt die Zigarette inzwischen als uncool, der klassische Marlboro-Kettenraucher stirbt im wörtlichen Sinne aus. Besonders seit den Antiterror-Aufschlägen auf die Tabaksteuer ist der Zigaretten-Konsum in Deutschland deutlich gesunken. Seitdem der Gesetzgeber „Schockbilder“ auf Zigaretten-Schachteln vorschrieb, hat es weitere Absatz-Einbrüche gegeben: von etwa 400 Millionen Zigaretten im Jahr 2001 auf nur noch 206 Millionen Stück im Jahr 2016. Der Umsatz blieb weitgehend konstant, vor allem durch die Preiserhöhungen. Ein Teil des Zigaretten-Absatzes hat sich zu e-Zigaretten-Anbietern aus Fernost verlagert, deren Umsätze seit 2010 stark gewachsen sind. Andere frühere Zigaretten-Raucher sind auf den billigeren losen Tabak zum Selberdrehen umgestiegen.

Auf diesen Trend ist inzwischen auch die f6-Fabrik von PM in Dresden eingegangen: Wurden im Striesener Werk früher fast nur Zigaretten produziert, dominieren dort nun andere Produkte. Umgerechnet auf Zigaretten stellten die Dresdner im Jahr 2016 rund 11,1 Milliarden sogenannte „Zigarettenäquivalente“ her. Davon waren aber nur noch 600 Millionen klassische Zigaretten, der große Rest (10,5 Milliarden Zigarettenäquivalente) war loser Tabak. Auch solche Umstrukturierungen haben dem Konzern geholfen, in Deutschland trotz der Anti-Raucher-Trends bisher immer noch zu wachsen.

Elektro-Zigaretten dagegen hatte Philip Morris selbst bisher nur in wenigen Ländern angeboten. Mit IQOS will der Tabak-Konzern nun auch in diesem wachsenden Marktsegment mitmischen, in dem bisher vor allem chinesische Anbieter dominierten, beziehungsweise mit den „Tabakerhitzern“ eine neue Produktklasse am Markt zu etablieren.

Von Heiko Weckbrodt

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