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Lokales Phantasievoller Protest gegen Pegida in Dresden - Kundgebungspause in der nächsten Woche
Dresden Lokales Phantasievoller Protest gegen Pegida in Dresden - Kundgebungspause in der nächsten Woche
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17:14 09.09.2015
Quelle: Stephan Lohse
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Außerdem seien die Verantwortlichen des Bündnisses gar nicht legitimiert, solche Gespräche zu führen, so Bachmann weiter. Und ein Gesprächsangebot von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gebe es auch nicht. „Politiker schlagen planlos mit der Diffamierungskeule um sich.“

Bachmann hat am Montagabend beim zehnten und letzten Treffen der Bündnisanhänger in diesem Jahr Politiker, die Medien und alle Gegner „seiner“ Bewegung wie in den Wochen zuvor mit jeder Menge Kritik bedacht. „Lieber Flüchtlinge aus Syrien als solche Deutsche in Deutschland“, war von der kleinen Bühne zwischen Semperoper und Zwinger mit Blick auf die mehr als 4500 Gegendemonstranten zu hören, die dem Aufruf des Bündnisses Dresden Nazifrei gefolgt waren. Unterdessen warben die Initiative „Dresden für alle“, die Semperoper und die Staatlichen Kunstsammlungen mit großen Lichtinstallationen für eine weltoffene und ausländerfreundliche Stadt. „Menschenrechte sind nicht teilbar“, war in einer großen Laufschrift an der Fassade der Semperoper zu lesen.

"Wir wollten damit ein friedliches Zeichen setzen", eklärte Eric Hattke, Sprecher von "Dresden für alle" am Abend. Das Bündnis hatte aufgrund des anstehenden Weihnachtsfestes bewusst keine eigene Veranstaltung initiiert. "Mit dieser aktion wollten wir zeigen, wir sind hier und wir stehen friedlich für Weltoffenheit und Toleranz ein."

Quelle: Hauke Heuer
Die Polizei zählte noch einmal 2500 Pegida-Anhänger mehr als vor Wochenfrist. Mehr als 4000 Gegendemonstranten sagten den „Patriotischen Europäern“ lautstark die Meinung. Sie standen auf dem Schloßplatz, in Sichtweite der Pegida-Kundgebung auf dem Theaterplatz und protestierten doch lautstark und kreativ gegen den Pegida-Aufzug.

Während Bachmann und seine Anhänger die Arbeit der Polizei lobten, gab es deutliche Kritik aus dem Lager der Gegner. Die Beamten hätten alle Zugänge von der Altstadt aus zur Gegendemo auf dem Schloßplatz abgeriegelt, monierten unter anderem Besucher des Friedensgebets, das am Abend in der Kreuzkirche stattgefunden hat. Sie wollten sich nach dem Gebet den Gegendemonstranten anschließen. Es sei aber nicht möglich gewesen, seine staatsbürgerlichen Rechte wahrzunehmen.

Das Friedensgebet in der Kreuzkirche Quelle: Hauke Heuer
Superintendent Christian Behr hatte zuvor in seiner Predigt die Pegida-Demonstration kritisiert. Der Gedanke von Weihnachten sei nicht mit den chauvinistischen Positionen der Bewegung vereinbar. Darüber hinaus stellte der Geistliche die Unterscheidung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen in Frage. "Wo liegt die Grenze zwischen politischer Verfolgung und Not und sind wir sicher, dass diese Kriege nicht auch etwas mit uns zu tun haben", fragte Behr die Anwesenden und verwieß dabei auch auf die durch Waffenexporte und Wirtschaftspolitik bedingte deutsche Verantwortung in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel. An der Andacht beteiligten sich rund 400 Gläubige.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit fast 700 Einsatzkräften im Einsatz. Laut Mitteilung wurde ein 17-Jähriger in Höhe Fürstenzug verletzt, als er auf dem Weg in Richtung Gegendemo war. Ein Unbekannter hatte aus einer Personengruppe heraus den Jugendlichen geschlagen. Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. Zudem hatten Beamte einer Gruppe von 19 Personen Platzverweise ausgesprochen. Diese sollen zuvor Pegida-Teilnehmer beleidigt haben.

[image:phpinjAIf20141222221726.jpg]In der nächsten Woche will Pegida nun pausieren. Bachmann sprach vom „Weihnachtsfrieden“ und kündigte zugleich an, am 5. Januar sei wieder mit den Islam-Gegnern zu rechnen. Bis dahin soll auch darüber nachgedacht werden, wie das Bündnis auf eine Absage der Dresdner Tafel reagiert, die abgelehnt hat, mit den Asylkritikern zusammenzuarbeiten. „Wir wollten Geld sammeln und dann etwas zu Weihnachten organisieren“, sagte Bachmann.

„Wir versorgen auch Flüchtlinge und Asylbewerber“, begründete „Tafel“-Chefin Edith Franke ihre Ablehnung. „Und wir legen großen Wert darauf, dass die nicht diskriminiert werden.“ Außerdem sei Pegida keine demokratisch verfasste Bewegung, so Edith Franke weiter.

cs / hh / sl

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