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Lokales „Pflanzt keinen Buchsbaum mehr“
Dresden Lokales „Pflanzt keinen Buchsbaum mehr“
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15:52 05.06.2018
Abgestorbener Buchsbaum auf einem Friedhof. Quelle: Catrin Steinbach
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Dresden

Der Buchsbaum hat in der Gartenkultur eine jahrhundertelange Tradition. Seit dem Barock fand er nicht nur bei der Gestaltung von Parks Verwendung, sondern wurde und wird auch in Bauern- und Hausgärten sowie auf Friedhöfen eingesetzt. Denn die immergrünen stachellosen Pflanzen, dicht besetzt mit kleinen ovalen bis elliptischen Blättchen, sind unkompliziert. Man kann sie prima als Hecke erziehen oder durch Schnitt sogar zu Figuren formen.

Doch das ursprünglich robuste Gehölz hat sich seit ungefähr 15 Jahren hierzulande in den Gärten immer mehr zum „Problemkind“ entwickelt. Ursachen sind zum einen durch verschiedene Pilze hervorgerufene Krankheiten wie die Buchswelke, der Buchsbaumkrebs und das Buchsbaum-Triebsterben.

Eine Buchsbaumzünslerraupe in Aktion. Quelle: Catrin Steinbach

Seit einigen Jahren macht auch der Buchsbaumzünsler dem Buchsbaum mehr und mehr zu schaffen. Der aus Asien eingeschleppte Kleinschmetterling breitet sich immer weiter aus. Seine Nachkommen fressen im Raupenstadium die Gehölze kahl. Passiert dies mehrmals hintereinander, sind die Pflanzen so geschwächt, dass sie nicht selten eingehen.

Gift spritzen ist nicht die Lösung

Nun könnte man diesen ganzen Unbilden ständig mit der Giftspritze zu Leibe rücken. Aber das ist nicht nur aufwändig und geht mit der Zeit ins Geld, sondern ist auch der Umwelt nicht zuträglich. Nicht ohne Grund ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in öffentlichen Anlagen, zu denen auch Friedhöfe gehören, stark eingeschränkt.

Zumal die Sporen der Pilze vier Jahre und länger im Boden überdauern, weiß Kerstin König, Referentin für Friedhofsgärtnerei beim Sächsischen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie. „Wenn man also einen eingegangenen Buchs entfernt und einen neuen setzt, dann wird er wieder infiziert. Man müsste zuvor die Erde austauschen. Aber was nützt das, wenn dies auf den Gräbern in der Nachbarschaft nicht ebenso gehandhabt wird?“

Feldversuch des Sächsischen Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie in Dresden-Pillnitz. Kerstin König hat Gehölze in 35 verschiedenen Arten und Sorten gepflanzt, um herauszufinden, welche Buchs ersetzen könnten. Quelle: Catrin Steinbach

Kerstin König empfiehlt deshalb, erst mal keinen Buchs mehr zu pflanzen, vor allem auf Friedhöfen nicht. Seit 2014 testet sie auf dem Versuchsfeld zwischen Söbrigener und Lohmener Straße in Pillnitz Gehölze in 35 verschiedenen Arten und Sorten als Alternativen für kleine Einfassungshecken. Bewertungskriterien sind Gesamteindruck, Schnitthäufigkeit, Wuchsstärke, Gesundheit, Winterstruktur und Winterhärte.

100-prozentigen Ersatz gibt es nicht

Klar ist: „Einen 1:1-Ersatz für Buchsbaum gibt es nicht“, so König. Vom Erscheinungsbild, der Größe und Form der Blätter und der Schnittverträglichkeit komme die Japanische Hülse (Ilex crenata) mit verschiedenen Sorten wie z.B. ’Dark Green’ dem Buchsbaum am nächsten.

Kerstin König, Referentin für Friedhofsgärtnerei findet, dass vom Erscheinungsbild, der Größe und Form der Blätter und der Schnittverträglichkeit her die Japanische Hülse (Ilex crenata) mit verschiedenen Sorten wie z.B. ’Dark Green’ dem Buchsbaum am nächsten kommt. Quelle: Catrin Steinbach
Ilex crenata ’Dark Green’. Quelle: Catrin Steinbach

„Allerdings ist sie nicht so trockenheitsverträglich wie Buchs“, hat König beobachtet. Zudem benötige der Ilex einen humosen, lockeren und frischen Boden. Auf schweren, verdichteten oder zu kalkhaltigen Böden gedeiht er schlecht. „Des Weiteren ist die einzelne Pflanze im Einkauf teurer als Buchs. Aber das kann sich ja ändern, wenn mehr verkauft wird.“

„Ist die Form der Blätter bei der Gehölzauswahl für kleine Einfassungshecken nicht so wichtig, kann ich nach meinen bisherigen Beobachtungen auch zwei Eibensorten empfehlen“, so die Pillnitzer Expertin. „Entweder Taxus baccata ’Schwarzgrün’ oder ’Renkes Kleiner Grüner’“.

Diese Pflanzen könne man ähnlich wie Buchs zu relativ schmalen Hecken erziehen. „Sie sind immergrün und ausgesprochen schnittverträglich. Aber natürlich ist die Optik durch die Form der nadelähnlichen Blätter anders. Und sie vertragen Hitze und Trockenheit nicht so gut.“

Thuja occicentalis ’Mecki’. Quelle: Catrin Steinbach

Optisch etwas her macht durch sein dichtes immergrünes Blätterkleid, die fächerartige Optik der belaubten Zweige und das satte Grün der Abendländische Lebensbaum (Thuja occicentalis) der Sorte ’Mecki’.

Dieses Gehölz trotzt dem Frost, hat geringe Bodenansprüche und ist gut schnittverträglich. „Allerdings sieht es aus meiner Sicht viel schöner aus, wenn man an diesem fächerartigen Laub nicht so viel schneidet“, findet Kerstin König. Aber das habe dann Auswirkungen auf die Dimension der Hecke.

Mehr Vielfalt auf den Beeten

Von den Berberitzen komme die Grüne Polsterberberitze (Berberis buxifolia ‘Nana‘) Buchs am nächsten. „Sie hat geringe Standortansprüche, ist trockenheitsresistent, gut schnittverträglich, immergrün und im Vergleich zu anderen Berberitzen nur wenig mit Dornen besetzt. In strengen Wintern können die Blätter allerdings braun werden.“

Ebenso auf dem Versuchsfeld gepflanzt hat Kerstin König Heckenkirschen (Lonicera) und Japanischen Spindelstrauch (Euonymus). „Beide empfehle ich nicht. Lonicera nitida, die aufrechter wächst als Lonicera pileata, hat zwar geringe Bodenansprüche, ist hitzeverträglich und stadtklimafest. Aber sie wächst zum einen sehr üppig und erfordert einen hohen Schnittaufwand. Zum anderen ist sie kälteempfindlich, friert bei starkem Frost zurück.“ Diese begrenzte Winterhärte sei auch beim Japanischen Spindelstrauch ein dickes Minus.

Aufnahmen vom Feldversuch des Sächsischen Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie in Dresden-Pillnitz hinsichtlich möglicher Alternativen für Buchshecken. Quelle: Catrin Steinbach

Optisch sehr reizvolle Effekte kann man nach Ansicht von Kerstin König auch mit als Hecke gepflanzten verschiedenen Spieren erzielen. Es gibt buntlaubige Sorten. Außerdem blühen die Gehölze mit weißen, rosafarbenen oder purpurroten Blütendolden. „Aber die Pflanzen verlieren im Winter die Blätter. Und man kann sie nicht als ganz niedrige und schmale Hecken schneiden.“

Wichtig findet die Pillnitzer Expertin, Buchs jetzt nicht einfach durch eine andere Pflanze, die ihm möglichst ähnlich ist, auszutauschen, sondern die Gestaltung auf dem Beet oder im Garten grundsätzlich zu überdenken und auf Vielfalt zu setzen. „Wenn sich jetzt alle wieder auf eine bestimmte Pflanze einschießen, haben Krankheiten und Schädlinge irgendwann wieder leichtes Spiel.“

Von Catrin Steinbach

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