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Lokales Petition für Alten Leipziger Bahnhof: Stadtquartier statt Globus
Dresden Lokales Petition für Alten Leipziger Bahnhof: Stadtquartier statt Globus
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11:16 17.09.2017
Der Architekt Jörg Möser kann sich Wohnungen am Alten Leipziger Bahnhof vorstellen.  Quelle: Jörg Möser
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Dresden.

 Der Name der Bürgerinitiative ist etwas lang: „Weg frei machen: Wohnen und Leben am Leipziger Bahnhof. Alten Bebauungsplan aufheben!“ Das Ziel ist nicht neu. Mit der „Allianz für Dresden“ gibt es schon eine Initiative, die vehement gegen eine Ansiedlung von Globus auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs kämpft. Neu ist die Methodik. Die Bürgerinitiative wendet sich mit einer Petition an den Stadtrat und sammelt Unterschriften, erläutert Initiatorin Judith Brombacher.

Warum nicht gleich ein Bürgerentscheid? „Eine Petition ist etwas einfacher als ein Bürgerentscheid. Ich will das Verhalten des Stadtrats beobachten.“ Sollte die Petition zu keinem Umdenken führen, behalte sie es sich vor, einen Bürgerentscheid zu initiieren, so Brombacher. „Ich will Dresden vor diesem enormen Schaden bewahren.“

Die Selbstständige und ehrenamtlich engagierte „Neudresdnerin“, wie sie sich selbst bezeichnet – „Ich lebe ja erst 25 Jahre hier“ – hat sich viele Mitstreiter gesucht. Niels Larsen vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, Ortsbeirätin Heidi Geiler, die Architekten Maximilian Kunze und Thomas Strauch-Stoll, die Wissenschaftlerin Erika Schmidt – sie alle saßen am Freitag im Podium und erklärten, warum ein Globus-Markt auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs der Stadt Schaden zufügen werde.

Der frühere Baubürgermeister Gunter Just (SPD), der Denkmalpfleger Thomas Will, der Architekt Jens Zander gehören zu den Erstunterzeichnern, dazu die Stadträte Kati Bischoffberger und Johannes Lichdi (beide Bündnis 90/Die Grünen), Vincent Drews (SPD) und Pirat Martin Schulte-Wissermann (Fraktion Die Linke). „Es scheint Bewegung zu geben, und die Richtung ist richtig“, erklärte der Pirat den Sinneswandel seiner Fraktion. Die Linken haben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) aufgefordert, sozialen Wohnungsbau auf dem Gelände zu prüfen (DNN berichteten).

Das ist für Brombacher noch Zukunftsmusik. Zunächst komme es darauf an, den Bebauungsplan für Globus aus der Welt zu schaffen. SPD und Grüne haben das im Juni im Stadtrat versucht, sind aber am Abstimmungsverhalten der Linken gescheitert, die sich mehrheitlich der Stimme enthielten. Ein Einkaufsmarkt auf dem Gelände schade den gewachsenen Strukturen in Pieschen nachhaltig. „Hier wird privates Finanzvermögen vernichtet“, so Brombacher, Globus werde die Einzelhändler im Stadtteil in die Knie zwingen. Wenn Globus mit 300 neuen Arbeitsplätze argumentiere, so müssten die Jobs gegengerechnet werden, die verloren gingen. „Am Ende wird es ein Nullsummenspiel“, glaubt die Initiatorin der Bürgerinitiative.

Heidi Geiler erklärte, großflächiger Einzelhandel werde der Oschatzer Straße den Todesstoß versetzen. Anfang der 90er Jahre sei beispielsweise die Oschatzer Straße eine lebendige Einkaufsstraße gewesen. Dann sei der Elbepark gekommen. Dieser habe eine enorme Strahlkraft, in Pieschen seien immer mehr Ladenflächen frei geworden. „Teilweise wurden daraus Wohnungen gemacht, was ja nicht schlecht ist. Aber das Viertel verliert seinen Charakter.“

Einzelhändler Uwe Sochor, der auf der Bürgerstraße einen Frankreichladen betreibt, sprach von der gewaltigen Sogwirkung des Elbeparks und der Wandlungsfähigkeit der Handelsriesen. „Sie begeben sich in die Nischen, die wir besetzen. Durch Shop-in-Shop-Systeme wird der Großhandel auch für mich zur Konkurrenz.“

Es gehe nicht darum, eine Ansiedlung von Globus in Dresden zu verhindern, sondern einem Einkaufsmarkt auf dem Alten Leipziger Bahnhof einen Riegel vorzuschieben. „Uns ist es egal, welche Kette dort einen Markt bauen will. Wir wollen dort einen Stadtteil mit Wohnen und Arbeiten entwickeln, mit Grünzügen und neuen Rad- und Fußwegeverbindungen“, erklärte Brombacher. Dass die Fläche Globus gehört, sei kein Hindernis. „Globus kann ja verkaufen, die Investoren stehen Schlange. Oder gleich selbst ein Wohngebiet entwickeln.“

„Wir sind nicht die Gegner von Globus“, beteuerte Stadtrat Lichdi, „wir erkennen das berechtigte Interesse des Unternehmens an und wären als Stadtratskooperation froh, wenn wir uns mit Globus über einen anderen Standort einigen könnten.“

Bis zum 23. Oktober sammelt die Bürgerinitiative jetzt Unterschriften für die Petition. Listen liegen in den Läden in Pieschen aus, Brombacher hat auch Postkarten vorbereiten lassen. Und eine Internetseite:

www.wohnen-am-leipziger-bahnhof.de

Von Thomas Baumann-Hartwig

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