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Pensionierter Professor entwickelt innovative Haarfarbtechnologie an der TU Dresden

Naturwissenschaft in Dresden Pensionierter Professor entwickelt innovative Haarfarbtechnologie an der TU Dresden

Eigentlich ist Professor Doktor Horst Hartmann seit 15 Jahren im Ruhestand, aber seine Leidenschaft für organische Farbstoffe lässt den mittlerweile 80-Jährigen nicht los. Nun hat der renommierte Farbstoffexperte eine innovative Haarfärbetechnologie entwickelt, die 2018 auf den Markt kommen soll.

Die Farbstoffpulver (links) ändern als gelöster Farbstoff (rechts) häufig ihre Farbe.

Quelle: Katharina Jakob

Dresden. Eigentlich ist Professor Doktor Horst Hartmann seit 15 Jahren im Ruhestand, aber seine Leidenschaft für organische Farbstoffe lässt den mittlerweile 80-Jährigen nicht los. Seit seiner Promotion an der Technischen Universität Dresden im Jahre 1965 beschäftigt er sich mit diesem Metier und konnte nun in diesem Jahr erfolgreich eine weltweit einmalige neue Haarfärbetechnologie fertig entwickeln.

Hartmann unterrichtete zunächst ab 1984 an der damalige TH Leuna-Merseburg und später an der Hochschule Merseburg als Professor. 2002 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um sich in seiner Pension der Forschung zu widmen. Dort arbeitete der Dresdner zunächst mit an der Entwicklung von Leichtdioden (OLEDs) für die Firma Novaled, die von Prof. Leo des Instituts für Angewandte Photophysik der TU gegründet und 2015 von Samsung übernommen wurde. Die hierbei hergestellten „lumineszierenden Farbstoffe“ werden unter anderem „für Farbfernseher, Handydisplays und in der Medizin, etwa zur Sichtbarmachung von Krankheitserregern, benötigt“, erklärt Hartmann.

Bekannt als einer der weltweit führenden Wissenschaftler für hochtechnologische Farbstoffe, erhielt er schließlich von der japanischen Firma Kao mit europäischem Sitz in Darmstadt den Auftrag, bei der Entwicklung einer neuartigen Haarfärbetechnologie mitzuarbeiten. Über 15 Jahre lang synthetisierte Hartmann dafür mit nur wenigen Mitarbeitern über 1.000 neue Farbstoffe und testete deren Eignung als Haarfärbemittel. Die Forschungsgruppe entdeckte schließlich drei bis fünf brauchbare Farbstoffe, die alle wichtigen Einsatzkriterien wie Licht- und Oxidationsbeständigkeit, Waschfestigkeit oder das Aufzieh- und Haftvermögen am Haar erfüllen konnten.

Das Ergebnis der langjährigen Forschung ist die weltweit einmalige „HD³-Technologie“, die sich von der gegenwärtigen Haarfärbepraxis dadurch unterschiedet, dass die Farbstoffe nicht wie bisher erst während des Färbens auf dem Haar entstehen, sondern schon in reiner Form eingesetzt werden. Dadurch wird vermieden, dass unerwünschte Nebenreaktionen entstehen, die zu gesundheitlichen Problemen führen können. Die verwendeten Farbstoffe der HD³-Technologie sind so klein sind, dass sie in die feinen Poren des Haares eindringen, sich dort nach einem neuartigen Haftprinzip festsetzen und anschließend für etwa einen Monat nicht mehr ausgewaschen werden können.

„Der Entwicklungsprozess für die neue Haarfärbetechnologie“ sei jedoch „nicht einfach und recht langwierig gewesen“, meinte der international renommierte Farbstoffexperte. Man könne seine Arbeit mit einem „Legospiel“ vergleichen, bei dem „durch verschiedene Kombinationsmöglichkeiten aus unterschiedlichsten Ausgangsstoffen“ schließlich „die gewünschten Zielverbindungen hergestellt werden“. Dabei wurde dem 80-Jährigen aber schnell klar, dass sich nicht jeder gewonnene Farbstoff für das keratinhaltige menschliche Haar eignete und daher neue Synthesewege gesucht werden mussten.

Trotz der vielen Herausforderungen konnte die Forschung für den Haarpflege-Hersteller Kao Mitte dieses Jahres erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Offiziell sollen die neuen Colorationsprodukte unter der Bezeichnung „Goldwell @PurePigments“ 2018 weltweit auf den Markt kommen. Währenddessen leitet Professor Hartmann weiterhin ehrenamtlich als Kurator die über 90 Jahre alte historische Farbstoffsammlung der Technischen Universität. Die Sammlung wurde damals von Professor Doktor Walter König gegründet und enthält nahezu 20 000 unterschiedliche Farbstoffe und Farbpigmente aus industrieller Produktion, von denen erstere vor allem zur Textilfärbung und letztere hauptsächlich als Wand- und Malfarben, im Buchdruck oder in der Kosmetik, – wie etwa in Lippenstiften – eingesetzt werden.

Hartmanns erklärtes Ziel ist es, das nationale und internationale Ansehen der Sammlung weiter zu stärken und Kooperationen mit anderen vergleichbaren Sammlungen auszubauen. Interessierte Besucher können in die historische Farbstoffsammlung während einer circa vierzig minütigen Führung durch Professor Hartmann persönlich Einblick nehmen. Sie sollten sich hierfür allerdings einige Tage vorher unter der Emailadresse farbstoffsammlung@​chemie.tu-dresden.de anmelden.

Von Katharina Jakob

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