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Lokales Pegidisten sind in Dresden deutlich in der Unterzahl
Dresden Lokales Pegidisten sind in Dresden deutlich in der Unterzahl
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06:00 18.02.2016
Die Pegidisten rufen „Wir sind das Volk!“, sind aber die Minderheit. Quelle: Foto: Archiv/D. Flechtner
Dresden

An Pegida kommt kein Dresdner mehr vorbei. Dieses Ergebnis hat eine repräsentative Befragung von mehr als 500 Dresdnern ergeben. 99 Prozent haben demnach inzwischen von den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ gehört. Im Dezember 2014, zwei Monate nach den ersten Pegida-Demonstrationen, war die Bewegung etwas mehr als der Hälfte der Dresdner bekannt. Damals gingen zwar bereits 10 000 Menschen und mehr zu den sogenannten Abendspaziergängen. Aber nur 59 Prozent der Befragten gaben beim DNN-Barometer im Dezember 2014 an, von Pegida bereits gehört zu haben. Zwei Monate später waren es bereits 96 Prozent.

Allerdings hat nur ein Bruchteil davon schon an einer Pegida-Demonstration teilgenommen. Im Februar 2015 waren das fünf Prozent der Befragten. Jetzt gaben sieben Prozent an, bereits zu einer Pegida-Demonstration gegangen zu sein. Das heißt, der Bewegung, deren Anhänger regelmäßig „Wir sind das Volk!“ rufen, haben sich bisher nur sieben von 100 Einwohnern der Landeshauptstadt angeschlossen. Den Demo-Aufrufen von Lutz Bachmann, Tatjana Festerling und Co sind in der Landeshauptstadt mit ihren mehr als 500 000 Einwohnern demnach gerade mal etwas mehr als 35.000 Menschen gefolgt und trotzdem nehmen sie für sich in Anspruch, „das Volk“ zu sein. 19 Prozent der Dresdner haben sich bisher einer Demo gegen Pegida angeschlossen, hat die Umfrage ergeben. Der Rest, also fast drei Viertel aller Dresdner, haben bisher weder mit noch gegen Pegida demonstriert.

Dass die selbsternannten besorgten Bürger lediglich Sorge um ihre kulturelle Identität und den Bestand ihrer Leitkultur haben, glaub die Dresdner nicht. Sie gehen davon aus, dass fast die Hälfte (45 Prozent) der Demonstranten grundsätzlich fremdenfeindlich ist, also Zuwanderung von Ausländern gänzlich ablehnt. Vor Jahresfrist hielten die Befragten 34 Prozent der Pegidisten für Fremdenfeinde.

Die gänzliche oder teilweise Zustimmung zu den Zielen der „Patriotischen Europäer“ ist vom Dezember 2014 bis zur Umfrage für das DNN-Barometer im Februar 2015 zunächst von 24 auf 55 Prozent gestiegen. Ende Januar wurden Bachmanns fremdenfeindliche Äußerungen im Internet bekannt. Danach sank die Zustimmung auf 46 Prozent. Dieses Ergebnis stammt vom April 2015. Damals gaben fünf Prozent der Befragten an, gänzlich hinter den Pegida-Zielen zu stehen. 41 Prozent unterstützten sie „teilweise“. Auch die aktuelle Umfrage ergab insgesamt eine 46-prozentige Zustimmung. Sieben Prozent erklärten, sie stünden uneingeschränkt hinter den Zielen der „Patriotischen Europäer“. Unverändert aber wendet sich die Mehrheit der Dresdner gegen alle Vorstellungen von Lutz Bachmann und seinen Anhängern. 54 Prozent der Dresdner erklärten im April 2015 wie auch im Februar 2016, dass sie die Ziele der Pegidisten rundweg ablehnen.

Die Angebote, mit denen unter anderem Politiker, Bildungseinrichtungen und Kirchen versuchen, mit Pegida-Anhängern und -Gegnern gemeinsam über die aktuellen Probleme zu diskutieren, werden nur von Wenigen angenommen. Zwar sind sie zumeist bekannt, wie etwa der Bürgerdialog in der Kreuzkirche, von dem 61 Prozent der Befragten gehört haben, sowie diverse Infoveranstaltungen in den Stadtteilen (52 Prozent). Teilgenommen haben an solchen Diskussionen aber nur wenige Befragte. Gerade mal zwei Prozent der Befragten sind bei einer der bislang zwei Veranstaltungen in der Kreuzkirche oder bei einem Stadtteiltreffen zu Pegida-relevanten Themen gewesen.

Von Christoph Springer

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