Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales "Pegida stiftet Unfrieden“ - Zehntausende beziehen im Netz Stellung gegen Pegida
Dresden Lokales "Pegida stiftet Unfrieden“ - Zehntausende beziehen im Netz Stellung gegen Pegida
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:32 09.09.2015
Über dem Eingang des Münchener Residenz Theaters hängt ein Banner mit der Aufschrift "Regida - Residenz Theater gegen Idiotisierung des Abendlandes". Quelle: Nicolas Armer

„Ich hatte die Bilder aus Dresden gesehen und ich war fassungslos und entsetzt“, berichtet Lempert.

 „Unerträglich“ sei es für ihn gewesen, dass die Pegida-Teilnehmer Weihnachtslieder anstimmten und das Fest der Liebe so zur musikalischen Basis für fremdenfeindliche Hetze machten. Lempert setzt sich am 23. Dezember an seinen Rechner und formuliert einen Aufruf gegen „dieses unmenschliche und unverantwortliche Konglomerat zwischen dem rechten Rand und der bürgerlichen Mitte“. Es habe ihn einfach nicht losgelassen, dass es in Dresden fast 20 000 Menschen auf die Straße zieht, vieles an den Motiven dabei im Unklaren liegt - aber das rechtsextreme Spektrum diese Bewegung für sich vereinnahmt. Lempert denkt, dass Pegida vielen als Ventil gerade recht kam. „Ich glaube, eine ähnliche Stimmung hat 1933 auch geherrscht.“

In jenem Jahr kam Adolf Hitler an die Macht. Sündenböcke wie Herkunft, Hautfarbe oder Religion seien immer schnell zur Hand, meint der Initiator der Petition. Das Bündnis selber behauptet, der „mediale Mainstream“ verordne eine Art Maulkorb - „Lügenpresse“ ist einer der Kampfbegriffe. Damit und mit Forderungen wie „der Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur“ arbeitet Pegida mit gängigen Mustern des rechten Extremismus: innere Feinde (Medien) und äußere (Islam). Experten ordnen Teile der Pegida-Organisatoren dem rechtsextremen Spektrum zu. Soziologen erklären den Zulauf zu Pegida mit diffuser Abstiegsangst, Sorge vor sozialer Benachteiligung und einer Wut darüber, dass die Politik Sorgen angeblich nicht ernst nehme.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte kürzlich davor, dass von Pegida Hetze und Fremdenfeindlichkeit ausgingen. Die Theologin Margot Käßmann schrieb in der „Bild am Sonntag“, Pegida stifte „Unfrieden“ und drohe, an die schwärzesten Zeiten des christlichen Abendlandes anzuknüpfen. In Dresden vereinte Pegida zuletzt 17 500 Menschen, wenige Tausend protestierten dagegen. Bundesweit war das Verhältnis zwar anderes. Doch auch im Netz ist die Pegida-Zugkraft enorm. In ihrem zentralen Kommunikationskanal Facebook zählte das Bündnis zuletzt rund 94 000 Unterstützer. Die Gegenbewegung Pegida#watch kam nur auf 28 000. Umso bemerkenswerter ist der Erfolg von Karl Lemperts Petition unter change.org, die seit Heiligabend Zehntausende Unterstützer sammelt und am Montagnachmittag schon auf eine Viertelmillion Unterschriften zusteuerte. Viermal soviel sollen es einmal sein.

„Eine Million ist das Ziel, weil das auch eine symbolische Zahl ist“, sagt Lempert. Der Deutschland-Chef von change.org, Gregor Hackmack, sagt: „Es ist die Petition mit dem bisher höchsten Tageszuwachs überhaupt.“ Eine ähnlich starke Mobilisierung „gibt es bei uns nur einmal im Quartal“. Die hierzulande bisher größte change.org-Petition von Bianca Kasting fand 432 490 Unterstützer. Es ging um Haftpflichtkosten für Hebammen. Am Montag schien es, dass Lempert diese Marke knackt. Er selber hat bei change.org bereits eine andere große Petition laufen, in der bisher 260 000 Unterzeichner das Bundesverdienstkreuz für Tugçe A. fordern - die mutige Streitschlichterin hatte ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt. Inzwischen prüft die Politik eine posthume Ehrung. Hackmack hält Lemperts Millionenziel angesichts der jüngsten Zahlen für realistisch. „Gerade, weil uns die Pegida-Debatte im Januar ja noch oft begleiten wird“.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zehn Zentimeter Neuschnee und eiskalte Temperaturen – jetzt passt das Wetter zwar zum Weihnachtsmarkt aber die Feiertage sind vorbei. Die Dresdener Weihnachtsmärkte bauen ab.

09.09.2015

Mehr als 170 000 Menschen haben sich bis zum Sonntagnachmittag an einer Internet-Unterschriftenaktion gegen das islamfeindliche Pegida-Bündnis beteiligt.

09.09.2015

In Dresden sind in der Nacht zu Montag rund zehn Zentimeter Schnee gefallen. Aufgrund von Dauerfrost bei Tagestemperaturen von - 5 bis - 1 Grad bleibt der Schnee mindestens bis Silvester liegen, kündigte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner Prognose an.

09.09.2015