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Lokales Patrick Schreiber verzichtet auf erneute Kandidatur für den Landtag
Dresden Lokales Patrick Schreiber verzichtet auf erneute Kandidatur für den Landtag
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07:30 31.08.2018
Patrick Schreiber will Abstand von der Berufspolitik gewinnen. Quelle: Archiv
Dresden

Patrick Schreiber wird sich im nächsten Jahr zur Landtagswahl nicht wieder für ein Direktmandat bewerben. Das verkündete der CDU-Landtagsabgeordnete am Donnerstagabend offiziell. Im DNN-Interview erklärt er die Gründe für seine Entscheidung.

Frage: Sind Sie mit sich im Reinen?

Patrick Schreiber: Ja! Ich bin ein Mensch, der jeden Morgen in den Spiegel schauen will. Damit ich das weiterhin kann, gehe ich diesen Weg.

Ist Ihr Abschied politisch motiviert?

Nein. Es ist eine persönliche Entscheidung. Ich habe immer einen gewissen Anspruch an das, was ich tue. Dieser ist vielen vielleicht zu hoch. Ich stelle diesen Anspruch auch an andere. So, wie ich derzeit persönlich konstituiert bin, weiß ich, dass ich es keine weiteren fünf Jahre durchhalten kann. Als Landtagsabgeordneter, insbesondere in meinen Themen und in diesem Pensum will ich so nicht weitermachen. Diese Entscheidung ist zwei Jahre lang gereift.

Böse Zungen werden meinen, Sie ziehen aus Angst vor Verlust des Direktmandats zurück. Was entgegnen Sie?

Ich hätte nächstes Jahr noch härter kämpfen müssen als noch 2014. Aber ich weiß, was ich kann und was ich gemacht habe. Deshalb bin ich überzeugt: Ich gewinne meinen Wahlkreis, wenn ich antreten würde.

Sind Sie politikmüde?

Nein. Ich bleibe ein politischer Mensch. Aber ich werde kein Berufspolitiker mehr sein. Ich werde nächstes Jahr 40 Jahre alt. Da stellt man sich schon die Frage, für wen und was man sich eigentlich engagiert. Ich möchte auch nicht die nächsten fünf Jahre im Umwelt- und Europaausschuss arbeiten, um die Zeit vielleicht entspannter abzusitzen.

Haben Sie die Lust am Gestalten verloren?

Überhaupt nicht. Ich bin ein Machertyp. Sechs oder acht Jahre lang für Themen zu kämpfen, ist für mich sehr schwierig. Es macht Spaß, gestalten zu können. Deshalb ist es spannend, in einer Regierungsfraktion zu arbeiten. Opposition ist Mist. Mir persönlich macht es aber zu schaffen, dass vieles in der Politik so lange dauert. Ich sehe Probleme und will sie gleich lösen und nicht erst in fünf Jahren. Ich beobachte außerdem eine Entwicklung in der Gesellschaft, in der wir Politiker für alles und jeden verantwortlich gemacht werden.

War das nicht schon immer so?

In der Schärfe nicht. In der Opposition zu sein ist einfacher. Da muss man seine Versprechen nicht einlösen. Wer sagt, was realistisch ist, wird dagegen angefeindet. Ich will nicht permanent als Mülleimer behandelt werden. Ich komme mir zunehmend vor wie ein Weihnachtsbaum, der Tag für Tag mit neuen Christbaumkugeln und Schmuck behängt, aber nie gegossen wird. Diese Kugeln und der Schmuck sind die Probleme der Menschen. Man kümmert sich mit vollem Einsatz um die Sorgen und Nöte von anderen, erhält aber kaum positive Rückkopplung. Weil alles selbstverständlich geworden ist. 30,5 Millionen Euro für die Schulsozialarbeit werden mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Als ob es das normalste von der Welt wäre.

Fühlen Sie sich nicht ausreichend gewürdigt?

Ich wusste immer, worauf ich mich einlasse. Es fehlt aber bei vielen Menschen völlig das Verständnis dafür, dass jemand, der sich politisch engagiert, das nicht für sich tut. Sondern deshalb, weil er sich für mehr als das eigene Schicksal interessiert. Seit vielen Jahren führe ich ein Leben, in dem ich zwischen 60 und 80 Stunden in der Woche arbeite. Das ist kein normales Pensum. Das tue ich zuerst für die Gemeinschaft. Aber wir werden beschimpft und behandelt, als wären wir nur der Sündenbock der Nation. Insbesondere in den sogenannten sozialen Netzwerken, in denen jeder alles absondern kann.

Sie gelten nicht als jemand, der um den heißen Brei herumredet. Ist es da nicht normal, dass man auch mal einstecken muss?

Richtig. Ich habe die Dinge immer klar benannt und auch Dresche bezogen. Es wird, so denke ich, aber keinen geben, der behaupten kann, ich hätte ihn respektlos behandelt. Die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat aber dazu geführt, dass ich mir die Frage stelle: Ist das, was man tut, diese Intensität noch wert? Und meine Antwort lautet: Ich muss Abstand gewinnen.

Was werden Sie ab September 2019 beruflich machen?

Ich habe null Absicherung, um das voranzuschicken. Nach spätestens zehn Monaten mit Übergangsgeld werde ich mir meine Brötchen anderweitig verdienen. Ich werde vielleicht Abstriche hinnehmen müssen. Aber ich weiß, was ich kann und will etwas machen, bei dem meine Kompetenzen gefragt sind. Ich will nicht versorgt werden und mich beispielsweise im Umweltministerium um Kormorane kümmern. Meine Themen sind Schule, Kitas, Sozialwesen, Pflege. Ich habe überhaupt keine Angst vor der Zukunft.

Was wird von zehn Jahren als Berufspolitiker bleiben?

Das klingt jetzt wie eine Floskel, aber es bleibt eine absolute Horizonterweiterung. Ich habe gezwungenermaßen Dinge kennengelernt, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Ein Beispiel: 2010 wurde ich privat mit dem Thema Pflege konfrontiert. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe das Thema aus dem eigenen Erleben heraus fachlich bearbeitet und bin gewissermaßen ein Vater der Enquete-Kommission Pflege in Sachsen. Man muss Kompromisse schließen, sich mit anderen Positionen auseinandersetzen. Ich habe das Bewusstsein dafür schärfen können, was für mich möglich ist und was gar nicht geht. Meine positive Einstellung zu Leistungsbereitschaft und Werten ist sehr stark gewachsen. Ich habe nichts geschenkt bekommen. Dinge, die wir entschieden haben, mussten wir immer begründen. Das erweitert die soziale Kompetenz und zwingt zum Nachdenken.

Haben Sie persönlich etwas erreicht?

Ich habe in meiner Zeit als Stadtrat den Bau der Tiefgarage unter dem Altmarkt oder der Centrum Galerie mit entschieden. Ich durfte mit gestalten und denke, dass ich zwei Drittel oder drei Viertel der Probleme auf meinem Zettel mit lösen beziehungsweise angehen konnte. Ich bin seit sechs Jahren herumgelaufen und habe gesagt, wir kommen nicht umhin, die Lehrer zu verbeamten und müssen etwas beim Betreuungsschlüssel beziehungsweise den Vor- und Nachbereitungszeiten in den Kitas tun. Die Arbeit hat aber auch einsam gemacht. Man ist froh, wenn man mal zu Hause ist und lässt sich dann oft nur noch vom Fernsehen berieseln. „Schwiegertochter gesucht“ und solche Formate, zu etwas anderem fehlt dann häufig die Kraft. Freunde rufen immer seltener an, weil man ihnen schon fünf Mal zuvor absagen musste.

Haben Sie einen Wunsch für Ihre Nachfolge?

Ich bin keiner, der sagt: Ich bin dann mal weg. Ich habe dann zehn Jahre diesen Wahlkreis beackert und kenne fast alle Schulleiter und Pflegeeinrichtungen. Ich werde alles dafür tun, dass die CDU diesen Wahlkreis wieder gewinnt. Ich weiß, dass Stadtrat Gunter Thiele dieses Engagement fortführen würde und ich wäre dankbar, wenn die Partei ihn nominiert. Am ende entscheiden das aber die Mitglieder.

Welche Ziele verfolgen Sie für Ihr letztes Jahr im Landtag?

Ich werde mich nicht zurücklehnen. Ich bin ein Themen-Mensch und setze mich für diese ein. Wir werden den Haushalt aufstellen, die Einführung der Vor- und Nachbereitungszeiten in den Kitas soll ein Erfolg werden, das Thema Lehrer werde ich begleiten und hinterfragen. Die Enquete-Kommission Pflege wird ihren Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen vorlegen.

Letzte Frage: Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten – würden Sie noch einmal für den Landtag kandidieren?

Ich kann nur jedem empfehlen, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Das Leben ist mehr als nur man selbst. Der Mensch funktioniert nur in Gemeinschaft.

Das war keine Antwort.

Ich habe immer alles gegeben und bereue keinen einzigen Tag.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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