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Lokales Paradesäle im Dresdner Schloss vor Rückkehr
Dresden Lokales Paradesäle im Dresdner Schloss vor Rückkehr
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14:06 01.01.2017
Angestrahlt von der tiefstehenden Abendsonne spiegelt sich das Ensemble des Dresdner Residenzschlosses in einer vereisten Pfütze auf dem Theaterplatz in Dresden. Quelle: dpa
Dresden

Belgischer Marmor, Versailler Tafelparkett, Gold, Samt und Seide: Die Reste der einstigen Pracht harren in riesigen Spezialkartons im Nordflügel des Dresdner Residenzschlosses. Wo einst Bälle gefeiert wurden, prüfen Textilrestauratoren die über Jahrzehnte verwahrten Reste von Wandbespannungen, Bettumrandungen oder Polstern. In Seidenpapier eingewickelt liegen kostbare handgewebte und mit vergoldeten Silberfäden gewirkte Seidenstoffe und harren der Prüfung.

Es ist eines der temporären Ateliers, in denen die mit Spannung erwartete Einrichtung des Paradegeschosses des legendären sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August der Starke (1670-1733) vorbereitet wird. Dafür werden Möbel restauriert, Räume rekonstruiert und gestaltet - nach überlieferten Zeichnungen, Kupferstichen sowie Fotos aus der Zeit vor der Zerstörung 1945, in Dresden, Sachsen, Deutschland und Europa.

Auf dem Papier und virtuell ist das 2. Obergeschoss des Westflügels der einstigen Residenz der Wettiner aus dem 18. Jahrhunderts längst wieder präsent. Bis 2019 soll das Paradegemach nun wieder Realität werden und zum 300. Jahrestag seiner Einweihung in neuem Glanz eröffnet werden. Die fünf damals für die Hochzeit des Kurprinzen mit der Kaisertochter Maria Josepha geschaffenen Prunksäle sind das Herzstück der aus dem 16. Jahrhundert stammenden und 1945 zerstörten Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige.

Nach französischem Vorbild gehörten dazu ein Tafelgemach, zwei Vorzimmer, ein Audienzgemach und das Paradeschlafzimmer mit riesigem Imperialbett, erklärt Ludwig Coulin vom Sächsischen Immobilien und Baumanagement. Bei der Wiederherstellung könnten viele Befunde und Teile verwendet, restauriert und integriert werden: Kronleuchter, Spiegel, Mobiliar und Gemälde aus der Schlossbergung kommen an ihren angestammten Platz zurück. Freischaffende Künstler empfinden verlorene Malereien nach, von denen nur wenige Farbdias existieren.

Auch der textile Dekor wird nach Originalfragmenten „fadengenau“ in Handarbeit wiederhergestellt. So kehren auch die heutzutage in Europa einmaligen geretteten Goldtextilien aus Pariser Werkstätten an die Wände des Audienzgemachs zurück. „Die Paradetextilien, die jetzt neu entstehen, gehörten zu den größten Kostbarkeiten, die man damals erwerben konnte“, erzählt Schlossdirektor Dirk Syndram.

Das Dresdner Residenzschloss

Die 1945 zerstörte Dresdner Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige aus dem 16. Jahrhundert wird seit 1985 wiederhergestellt und zum Museumszentrum der Staatlichen Kunstsammlungen ausgebaut. Bisher sind dort das Grüne Gewölbe, Kupferstich- und Münzkabinett sowie Türckische Cammer, Riesensaal sowie eine Dauerausstellung zur Spätrenaissance als erste Teile der Rüstkammer eingerichtet und die Kapelle im Rohbau wiedereröffnet worden. Zudem wurde der Georgenbau, in dem sich einst die fürstlichen Wohnräume befanden, auch mit Geld vom Bund innen ausgebaut.

Bisher gab der Freistaat nach Angaben des Finanzministeriums rund 310 Millionen Euro für Sachsens größte Kulturbaustelle aus. Die Wiederherstellung der Paraderäume im Westflügel ist mit weiteren 34,4 Millionen Euro veranschlagt. Aktuelle Schätzungen gehen von 378,6 Millionen Euro Gesamtkosten für die künftige „Residenz der Kunst und Wissenschaft“ aus - etwa 40 Millionen Euro mehr als 1997 angenommen. Bisher ist gut die Hälfte der Gesamtfläche nutzbar. Im April 2017 sollen weitere Ausstellungsräume der Rüstkammer im 1. Obergeschoss des Renaissanceflügels eröffnet werden - mit Prunkwaffen, Reitzeugen und kostbarsten kurfürstlichen Gewändern.

Bei der Ausstattung können die Restauratoren auch auf Erhaltenes zurückgreifen. „Ein Originalknopf ist wie eine DNA, da kann das ganze Zimmer geklont werden.“ Dazu kommen die alten Silbermöbel sowie Möbel mit Schildpattfurnier und vergoldeter Bronze, darunter die beiden von der kaiserlichen Braut einst mitgeführten Toilette-Koffer. Das über vier Meter hohe pompöse Paradebett, das mit der Fürstenabfindung 1918 verloren ging, soll original nachgebaut werden.

Der große Audienzstuhl August des Starken dagegen ist noch da. Dem vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vielfach ausgestellten Möbelstück sind jedoch die Strapazen der Vergangenheit anzusehen. Restauratorin Katharina Hummitzsch begutachtet das 1,90 Meter hohe und 90 Zentimeter breite Sitzmöbel, das für die Hochzeitsfeierlichkeiten des Sohnes von August dem Starken angefertigt worden war. Der aus Lindenholz geschnitzte, mit rotem Samt bezogene und mit aus vergoldeten Silberfäden gewebten Verzierungen versehene Stuhl wurde mehrfach bearbeitet. „Wir wollen möglichst die originale Fassung präsentieren.“

„Wir lassen original was original erhalten ist - und was neu dazu kommt, ist so hergestellt wie früher“, erklärt Coulin das Dresdner „Schloss-Prinzip“. Ob Spiegel, Vertäfelungen oder Einrichtung, die Experten können sich bei ihrer Planung auf Kupferstiche von 1719 stützen, mit denen die Wettiner die Pracht dokumentierten. „Das war wie heute Twitter oder Facebook.“

Im Turmzimmer indes ist das ganze Können von Eva Backofen und ihren Kollegen gefordert. Die freischaffende Bildhauerin steht auf einem Gerüst unter der Decke, wo sich schon 50 antike Bildwelten entfalten: Meeresgötter, Vögel, Pflanzen. „Wir haben nur Informationen aus Spiegelbildern, das muss dann halt zu Ende gedacht werden“, sagt sie. Es ist ein Puzzle aus Meeresgöttern, Vögeln, Pflanzen. „Das ist wie ein zweites Studium für mich, ich muss wirklich viel lernen.“

Der Nordflügel ist erst nach dem Paradegeschoss dran, das laut Coulin und Syndram für größeres Staunen sorgen wird als die Schatzkammer. „Das Grüne Gewölbe war die Übung, das ist nochmal eins drauf“, sagt Coulin. Es sei viel prächtiger, opulenter, größer und wichtiger. „Denn es war kein Museum, sondern die Krönung des Hofzeremoniells auf europäischer Ebene.“

Simona Block, dpa

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