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Orang-Utan-Dame Djudi bekommt die Pille

Zoo Dresden Orang-Utan-Dame Djudi bekommt die Pille

Der anderthalbjährige Dalai ist der letzte Orang-Utan im Dresdner Zoo, der im desolaten Interimsbau aus DDR-Zeiten geboren wurde. Die Weibchen bekommen deshalb die Pille.

Orang-Utan-Dame Djaka bekommt ab sofort die Pille.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  So viel steht fest: Der mittlerweile anderthalbjährige Dalai wird der letzte Affe sein, der im alten Orang-Utan-Haus im Zoo geboren wurde. „Die 42 Jahre alte Djudi bekommt deshalb jetzt die Pille, Daisy (25) wird wegen Dalai noch nicht wieder trächtig und die alte Djaka mit ihren 47 Jahren kann keine Jungen mehr bekommen“, berichtet Wolfgang Ludwig, der Zoologische Leiter. Dass der Zoo die Zucht aussetzt, bis das neue Orang-Utan-Haus steht, hat seinen Grund: Die räumlichen Bedingungen in dem schon 1985 nur als Interimsstätte errichteten Gebäude sind miserabel. „Das Haus ist nicht geeignet für die Haltung von Menschenaffen, weil es deutlich zu klein ist und die Käfige noch dazu in Reihe liegen“, erklärt Ludwig. Normalerweise müssten sie sich rings um das Außengehege verteilen. Das alles seien Dinge, die zu DDR-Zeiten nicht bedacht worden waren. 160 Quadratmeter innen und 120 Quadratmeter außen sind für eine Vierer-Gruppe Affen vorgeschrieben. Die Gehege sollten mindestens sechs Meter hoch sein, so die Vorschriften. „Unsere Orangs haben innen nur 50 Quadratmeter bei einer Höhe von vier Metern zur Verfügung, außen dafür 300 Quadratmeter“, sagt der Biologe.

Die Tierrechtsorganisation „Great Ape Project“ hatte dem Zoo den „Negativ-Award 2017“ verliehen und ein Ende der Orang-Utan-Haltung in Dresden gefordert. „Das ist ein Verein, der Menschenrechte für Affen und die generelle Abschaffung der Menschenaffen in Zoos fordert“, weiß Ludwig.

Größe ist nicht alles, sagt sich der Zoo und versucht, den Mangel an Fläche über die Beschäftigung mit den Tieren und die Strukturierung der Gehege wettzumachen. „Unsere sechs Orangs haben eine Menge Spielzeug, Kletterseile, Schaukeln und Netze zur Verfügung“, nennt der Zoologische Leiter Beispiele. Die drei Pfleger um Revierleiter Gerd Grätz würden sich deutlich intensiver mit den Orangs beschäftigen, als das in anderen Zoos mit größeren Gehegen der Fall sei. „Sie kümmern sich neun Stunden am Tag um die sechs Tiere und sind ansonsten nur noch für die Erdmännchen und den Zoo unter der Erde zuständig“, so Ludwig. Die Tierpfleger redeten mit ihren Schützlingen, kraulten ihr Fell. Da komme viel seltener Langeweile auf. Vier- bis fünfmal am Tag bekommen die Sechs zu futtern – oft aus der Hand des Pflegers. „Unsere Affen sind kerngesund, Daisy und Djudi kümmern sich seit jeher gut um ihre Jungen, so dass wir keine Handaufzuchten haben“, sagt der Zoologische Leiter. Die Mütter seien so gut drauf, dass sie den Pflegern regelmäßig ihre Babys zeigen. Problematisch nennt Ludwig allerdings die langen Abende und Nächte, in denen sich die Tiere selbst überlassen bleiben.

Und wann kommt das neue Orang-Utan-Haus? „Wir sind tatsächlich etwas in Verzug geraten“, räumt Wolfgang Ludwig ein. Eigentlich wären die Orangs nach den Schneeleoparden dran gewesen, die im Sommer 2015 ihre neue Anlage bezogen hatten. „Doch dann kam das Afrikahaus mit der maroden Nordfassade dazwischen“, erklärt er. Die Elefantenhaltung auf geschützten Kontakt umzustellen wie gefordert, koste viel Zeit und Geld. „Wir hoffen, dass die Mittel für die acht Millionen Euro teure Orang-Utan-Anlage in den nächsten Doppelhaushalt eingestellt wird, so dass wir 2019 mit dem Bau beginnen können und das Haus 2020 steht“, so der Biologe. Die Menschenaffen seien die letzte große Tierart im Zoo, die noch auf ordentliche Haltungsbedingungen warte.

Zwei mögliche Standorte hat der Zoo im Visier – auf dem Gelände des desolaten Streichelgeheges und der Ponyanlage an der Tiergartenstraße und an der Stelle des früheren Primatenhauses neben dem jetzigen Quartier. Ludwigs Favorit ist eine Anlage am Streichelgehege. „Das hätte vor allem den Vorteil, dass wir eine große Fläche zur Verfügung hätten. Außerdem könnten die Flamingos bleiben, die im anderen Falle weichen müssten.“ Anders als bisher muss das neue Orang-Utan-Haus extra Gehege für im Zoo geborene Männchen bieten. So wollen es die neuen Vorschriften. Nach Ludwigs Vorstellungen könnte der Neubau über vier Innen- und vier Außengehege verfügen, die eine Gesamtfläche von etwa 1700 Quadratmeter ausmachen. Und wenn es nach ihm geht, sollten Orangs und Besucher miteinander kommunizieren können – auf welche Weise auch immer.

Auch wenn das neue großen Orang-Utan-Haus fertig ist, wird der Zoo Jungtiere an andere Zoos abgeben. „Wir wollen ja Inzucht vermeiden“, macht Ludwig klar. Ein Vorteil des Neubaus sei, dass Orangs wie der sechsjährige Duran, für den sich noch immer kein Abnehmer findet, bis zum Auszug einen separaten Stall zur Verfügung hätte. Der fast gleichaltrige Dodi, der im April vergangenen Jahres nach Gelsenkirchen übergesiedelt war, macht sich dort im Übrigen sehr gut: „Er hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“, ist Wolfgang Ludwig des Lobes voll. Dodi werde akzeptiert, habe sich mit dem alten Zuchtmännchen arrangiert und auch mit den Weibchen angefreundet. Er verhalte sich so, wie es notwendig sei, um nicht anzuecken. Alles richtig gemacht auch in Dresden – könnte man hinzufügen.

Von Katrin Richter

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