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Lokales Ohne Motortechnik aus Dresden bleibt der Brummi liegen
Dresden Lokales Ohne Motortechnik aus Dresden bleibt der Brummi liegen
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14:59 03.07.2016
Federal Mogul stellt in Dresden jährlich 15 Millionen Kolbenringe für Lkw-Motoren her.. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Wer im Industriegelände im Dresdner Norden den alten Bahnschienen folgt und bis in die Sackgasse An der Schleife fährt, trifft auf ein Werktor, hinter dem einer der legendären Marktführer in der Nische, ein „Hidden Champion“ sitzt: Ein Großteil der Lastkraftwagen auf deutschen Straßen fährt mit Motorteilen, die hier im Dresdner Norden hergestellt werden. Denn das ehemals „volkseigene“ Kraftfahrzeugzubehörwerk Dresden gehört inzwischen zum US-Autozulieferer „Federal Mogul“ und stellt jährlich 15 Millionen Kolbenringe her, die in etwa 70 Prozent der Brummis eingebaut werden. Aneinandergesteckt würden diese Ringe für eine Kette von etwa 1800 Kilometer reichen.

Und diese Ringe müssen ein ganzes Lkw-Leben lang halten, sprich, „mindestens eine Kilometer Fahrkilometer“, skizziert Werkleiter Thomas Heiland die heutigen Anforderungen. „Das ist nicht mehr wie beim DDR-Laster W 50, wo man gefühlt alle 150 Kilometer die Kolbenringe austauschen musste.“ Daher müssen die „Federal Mogul“-Facharbeiter bis auf wenige Mikrometer (Tausendstel Millimeter) genau stanzen, fräsen, bohren und polieren. „Der Kolbenring heute ist kein einfaches Stanzteil mehr“, betont der Fabrikchef. „Da stecken oft über 40 Prozessschritte drin, vor allem viele Schleif- und Reinigungsarbeiten.“ Fällt ein Kolbenring in der Fabrik auch nur einmal zu Boden, wird er sofort als Ausschuss deklariert und eingeschmolzen: Kunden wie Daimler, Volvo, Deutz oder MAN dulden nicht die kleinsten Fehler.

Diese Präzisions-Anforderungen haben gute Gründe. Motorhersteller streifen später je drei Kolbenringe aus Dresden über jeden einzelnen Kolben, die in den Zylindern schwerer Laster-Dieselmotoren mit enormen Tempo hoch und runter rasen. Die Ringe sorgen dafür, dass möglichst alles Motoröl unten bleibt und die Brennkammer oben ganz dicht hält. Und dieser explosive Vorgang wiederholt sich in jedem einzelnen Zylinder über Tausend Mal pro Minute. Die Genauigkeit, Härte und Langzeit-Haltbarkeit der Ringe entscheidet daher ganz wesentlich darüber, welche Leistung ein Lkw in der Praxis schafft, ob er die vorgeschriebenen Abgas-Grenzwerte einhält und ob und wann der Diesel mit einem Kolbenfraß sein Motorleben aushaucht.

Dass die Dresdner das Interesse der Amerikaner auf sich zogen und letztlich so viele Marken-Hersteller als Stammkunden gewannen, hat auch mit der langen Tradition der Kolbenring-Produktion am Standort zu tun: Die Wurzeln der Fabrik gehen bis auf eine im Jahr 1883 gegründete Manufaktur für Gürtelschnallen und Bilderrahmen zurück. Bereits ab 1926 produzierte das Werk „Infesto“-Klobenringe. Nach Enteignung und Verstaatlichung produzierte das Unternehmen dann als Kraftfahrzeugzubehörwerk Dresden unter anderem Kolbenringe für den W50-Laster, für Robur-Transporter und andere Fahrzeuge aus ostdeutscher und -europäischer Produktion. Noch vor der Wende besorgte sich der Volkseigene Betrieb in den 1980ern Maschinentechnik aus dem Westen, von der Goetze AG.

Eingedenk dieses Deals übernahm eben dieser westdeutsche Kolbenring- und Maschinen-Hersteller nach dem Zusammenbruch der DDR im Jahr 1991 das Dresdner Werk. 1998 stieg dann der US-Konzern „Federal Mogul“ in Dresden ein. Seitdem hat das Unternehmen die Produktion erweitert, zuletzt erst 2011 durch eine weitere Produktionshalle. Dort arbeiten jetzt hochautomatische Spezialmaschinen, die konzernintern im früheren Goetze-Werk extra dafür entwickelt wurden, weil es sie nirgends zu kaufen gibt. Inzwischen beschäftigt die Dresdner Kolbenring-Fabrik rund 450 Mitarbeiter. Die Mutter, der Autoteile- Zulieferkonzern „Federal Mogul“, hat weltweit insgesamt über 53.000 Mitarbeiter in 34 Ländern und realisierte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 7,4 Milliarden Dollar (6,7 Milliarden Euro).

Von Heiko Weckbrodt

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