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Ohne Moos geht's los - so lebt man in Dresden ohne Geld in der Tasche

Ohne Moos geht's los - so lebt man in Dresden ohne Geld in der Tasche

Als Student erlebt man ihn manchmal ganz unfreiwillig: Den Tag, an dem mal wieder Ebbe im Portemonnaie herrscht. Doch was für uns doch eher eine Ausnahme bedeutet, ist für viele ganz normal.

"Live below the line" - Leben unter der Armutsgrenze, das ist der Name einer amerikanischen Spendenkampagne, die ein Bewusstsein für den Alltag der weltweit 1,4 Milliarden Menschen schaffen will, die derzeit von weniger als 1,50 Dollar pro Tag leben müssen. Im Internet ruft die Kampagne derzeit zum Selbstversuch auf.

Gesagt getan, der etwas abgespeckte Auftrag lautet, sich einen Tag, allerdings ganz ohne Geld, auf eine Tour durch Dresden zu begeben, denn es gibt hier mittlerweile eine Vielzahl an Angeboten, für die man tatsächlich keinen Cent benötigt. Zum Frühstück erwartet einen leider kein prall gefüllter Kühlschrank, und auch der Gang zum Bäcker und die ach so leckeren Schokocroissants fallen aus.

Doch wer hätte das gedacht, für einen gesunden Start in den Tag benötigt man dank der Internetseite mundraub.de keinen Cent. Ziel der Initiative ist es, in Vergessenheit geratene Früchte des öffentlichen Raumes wieder ins Bewusstsein zu rücken. So sind auf einer virtuellen Karte Plätze eingetragen, an denen man "wild pflücken kann". Für den morgendliche Heißhunger hält ein Apfelbaum in der Südvorstadt, direkt an der Ecke Münchner/Bayreuther Straße, her. Nachdem man sich nach Herzenslust bedient hat, wird ein Teil der Äpfel anschließend zu leckerer Marmelade weiterverarbeitet. Über das Tauschnetzwerk Dresden kann man die süße Verführung anschließend eintauschen, zum Beispiel gegen eine Stunde Gitarrenunterricht. Der Abnehmer der Marmelade hat allerdings erst am Nachmittag Zeit, so bleibt noch Zeit für einen Streifzug durch die Innenstadt.

Für ein wenig Luxus führt der Weg zuerst in eine Parfümerie in der Pra-ger Straße, um dort eine Handvoll Proben abzustauben. Eingehüllt in Chanel wird das nächste Ziel angesteuert: ein Optiker, der groß mit einer kostenlosen Augenprüfung wirbt. Die Brille gibt's leider nicht umsonst, einen Kaffee aber dafür schon. In der Apotheke nebenan können ganz Abgebrühte anschließend kleinen Kindern die Traubenzucker-Vorräte wegessen. Stellt man sich nicht allzu blöd an, haben die netten Mitarbeiterinnen meist auch noch ein paar Proben, wie zum Beispiel ein Päckchen Zahnpasta, übrig. Wer es nötig hat, kann sich auf der Toilette des Schnellrestaurants eins weiter gleich einer gründlichen Reinigung unterziehen. Dann erst mal tief durchatmen beim Boxenstopp in der Frauenkirche. Einer der wenigen Plätze, an denen man ohne etwas zu bezahlen verweilen kann, solange man will.

Kostenlose Kultur gibt es jeden Freitag ab 12 Uhr. Dann ist der Eintritt in allen städtischen Galerien umsonst. Ist man schon mal in der Nähe der Frauenkirche, bietet sich zum Beispiel das Stadtmuseum an der Wilsdruffer Straße an. So ist der halbe Tag flugs vorbei, es wird langsam kalt, und der Gitarrenunterricht steht noch bevor.

Im Umsonstladen in der Sonnenhofpassage, Alaunstraße 68, gibt's sogar alles völlig für lau. Allerdings wird es gerne gesehen, wenn man auch selbst etwas beisteuert. Egal, ob alter Schal von Oma, nie getragene Schuhe, oder was eben sonst noch so im Schrank rumliegt. Bewaffnet mit warmer Garderobe geht's ab an die Elbwiesen zu einer Runde klimpern. Nach und nach gesellen sich immer mehr Leute dazu. So weiß auch sofort einer Rat, als das Knurren des eigenen Magens das Gitarrenspiel zu übertönen droht: Die Volxküche in der Rudolf-Leonhard-Straße. Keinen Cent in der Tasche, dafür aber noch ein Glas Apfelmarmelade, das ausnahmsweise als Gegenleistung angenommen wird. Mit vollem Magen und ohne einen Cent ausgegeben zu haben, fällt man anschließend friedlich ins Bett.

Dieser kleine Stadtrundgang ist natürlich nur eine Anregung und nicht vergleichbar mit einem ständigen Leben unter der Armutsgrenze. Trotz-dem ist es interessant, wie viele Projekte und Aktionen es mittlerweile in Dresden gibt, die es sich zum Ziel gemacht haben, eine Alternative zum ständigen Geldausgeben zu bieten. Einfach mal selbst ausprobieren!

Die Adressen: www.livebelowtheline.com; www.mundraub.de; www.ohne-moos-gehts-los.de; www.umsonstladen.fueralle.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2012

Anne Nitzpan

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