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Lokales „Offene Türen“ gewährt nicht alltägliche Einsichten
Dresden Lokales „Offene Türen“ gewährt nicht alltägliche Einsichten
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08:00 12.09.2016
Ausschnitt aus dem Cover des Buches, das im Mitteldeutschen Verlag erschien. Quelle: Repro DNN
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Dresden

Er ist vor allem durch seine sozialdokumentarischen Fotos von der Dresdner Neustadt in den 1980er Jahren – also zu DDR-Zeiten – und kurz nach der politischen Wende 1989 bekannt geworden: Günter Starke. Seine Bilder – Schwarz-Weiß-Aufnahmen – erzählen auf unaufdringliche aber eindrückliche Art Geschichte. Nach dem Buch „starkes VIERTEL - Dresdens Äußere Neustadt 1979-1990“ (WDS Pertermann/2010) gibt es ein neues Buch mit Neustadt-Fotografien von Günter Starke. „Offene Türen“ heißt es, ist im Mitteldeutschen Verlag Halle erschienen.

Das Besondere an dem Buch: Es ermöglicht zum Teil sehr private Einblicke in das Leben von Bewohnern der Dresdner Neustadt von 1982 bis 1996. Denn der Chronist mit dem Fotoapparat hat nicht nur Häuser fotografiert, sondern Menschen in den Mittelpunkt gestellt – in ihren Wohnungen.

Als Fotograf habe er „zu über 90 Wohnungen und über 40 Läden und Werkstätten der Äußeren Neustadt Zugang“ erhalten „durch ihre Bewohner bzw. die dort Tätigen, um sie darin mitsamt ihren (mitunter prekären) Lebens- und Arbeitsbedingungen abzulichten. Offene Türen und ein tiefes Vertrauen, das er sich über einen langen Zeitraum erarbeitet hatte..., das es aber nach den zahllosen Nach-Wendeberichten über die in der DDR allgegenwärtige Angst vor den Spitzeln der Staatssicherheit gar nicht hätte geben dürfen. Günter Starke jedoch kann sich nicht an einen einzigen Porträtierten erinnern, der misstrauisch hinterfragt hätte, was mit den Aufnahmen noch alles geschehen könne“, schreibt Bernd Lindner.

Der Kulturhistoriker und -soziologe verfasste für das Buch „Offene Türen“ die Texte. Er ordnet die Bilder in den historischen Kontext ein, gibt einen kleinen Einblick in die Entwicklung des Stadtviertels. Sehr ausführlich zeichnet Lindner den interessanten Lebensweg des Fotografen Günter Starke (geb. 1944) nach, der 1980 aus der Johannstadt an den Martin-Luther-Platz in der Äußeren Neustadt zog. Kein Wunder also, dass der Fokus des Bildbandes auf dem Wohn- und Geschäftshaus Martin-Luther-Str. 37 und dessen Bewohnern liegt.

Wie man im Buch erfährt, stammt ein Teil der vom Fotografen erzählten Geschichten über Orte und Menschen in der Neustadt in den nachfolgenden Texten aus deinem Tonbandmitschnitt des Berliner Journalisten Elmar Krämer, der 2015 mit Günter Starke einen Rundgang durch dessen Dresdner Viertel unternommen hatte.

Es empfiehlt sich, die Texte im Buch von A bis Z zu lesen, denn sie geben nicht nur einen kleinen Einblick in die zum Teil prekären Lebensumstände und anrührenden Lebensgeschichten der abgebildeten Menschen, sondern schärfen den Blick für die Einzelheiten, die man beim bloßen Durchblättern des Buches vielleicht nicht so ohne Weiteres wahrnehmen würde.

Etwas verwirrend ist die Anordnung der Fotos. Nicht alle Fotos auf den Übersichtsseiten der einzelnen Fotokapitel sind dann nachfolgend auch groß zu sehen. Die Fotos zur Geschichte der fast 80-jährigen Frau S., die überall in ihrer Dachwohnung Eimer und Schüsseln aufstellen musste, um das Wasser abzufangen, dass durch das defekte Dach drang, findet man erst ein Kapitel weiter. Bei manchen Bildern sucht man vergeblich nach der Angabe des Jahres, wann sie entstanden.

Aber das sind Nebensächlichkeiten. Das Buch ist nicht nur ein heißer Tipp für Neustadtbewohner, sondern für alle, die mal zurückschauen oder ihren Kindern bzw. Enkeln anschaulich erklären möchten, wie es damals war in der DDR.

Günter Starke „Offene Türen – Wohnen und Leben in der Dresdner Neustadt 1982 bis 1996“ mit Texten von Bernd Lindner, Bild-Text-Band, erschienen im Mitteldeutschen Verlag, 144 S., geb., 220 × 270 mm, s/w-Abb.; ISBN 978-3-95462-732-5; 24,95 €

Von Catrin Steinbach

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