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Lokales Dresdner Sunfire plant neue Fabrik für Ökosprit-Erzeuger
Dresden Lokales Dresdner Sunfire plant neue Fabrik für Ökosprit-Erzeuger
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13:42 02.11.2018
Sunfire betreibt in Dresden eine weltweit einmalige Power-to-Liquid-Anlage. Die ist aber zu klein. Quelle: dpa
Dresden

Sunfire Dresden plant eine neue Fabrik für Elektrolyse-Anlagen, die aus Ökostrom, Wasser und Kohlendioxid künstliche Treibstoffe erzeugen. Entstehen sollen dadurch mehrere Hundert neue Arbeitsplätze. Da das Unternehmen selbst immer noch Verluste schreibt, will die Geschäftsführung das fünf bis zehn Millionen Euro teure Werk durch Risikokapitalisten finanzieren lassen. Das hat der kaufmännische Geschäftsführer Nils Aldag angekündigt.

Inzwischen hat das Unternehmen diese Pläne allerdings stark relativiert und von zahlreichen Bedingungen abhängig gemacht. So will Unternehmen nur bauen, wenn es genug Aufträge bekommt, das Risikokapital dafür erhält, sich der Markt für synthetischen Treibstoff verbessert und Gesetze so geändert werden, dass dieser Treibstoff ähnliche Privilegien wie Wasserstoff- oder batteriebetriebene Autos bekommt.

„Unsere Kapazitäten, wie wir sie jetzt in Dresden haben, reichen nicht aus, um zum Beispiel die Aufträge in Norwegen abzudecken“, erklärte er. Dorthin sollen die Sachsen spezielle Elektrolyse-Anlagen liefern. Diese Anlagen werden in Skandinavien mit Öko-Strom aus Wasserkraftwerken gefüttert. Sie spalten dann bei hohen Temperaturen gewöhnliches Wasser in Sauerstoff und den Energieträger Wasserstoff auf. Durch die spezielle keramische Bauweise und den Hochtemperatur-Betrieb geschieht dies effizienter als in traditionellen Elektrolyse-Anlagen. Durch die Zugabe von Kohlendioxid aus der Luft oder aus Fabrikschloten kann der Wasserstoff schließlich zu einem dieselähnlichen Basis-Treibstoff („E-Crude“) gewandelt werden. Aus diesem letzten Schritt leitet sich auch wesentlich der Anspruch ab, CO2-neutral zu sein: Treibt der Synthie-Sprit später ein Auto, Schiff oder Flugzeug an, soll nicht mehr Abgas freiwerden als bei seiner Produktion gebunden wurde.

Angesichts dieser winkenden Aufträge steht für Sunfire der besagte Fabrikneubau zur Debatte. Das neue Werk soll fünf- bis zehnmal soviel Kapazität haben wie die heutige Produktionsstätte in Dresden-Reick, erklärte Finanzchef Aldag. Es soll dann Elektrolyse-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 75 bis 100 Megawatt pro Jahr herstellen können. Hinter der Investition stehen allerdings noch einige Fragezeichen: Neben der Finanzierung sind auch der Standort und wichtige Abnehmer noch nicht abgesichert.

Nicht mehr genug Fachkräfte in Dresden?

So würden die Sunfire-Gründer Nils Aldag, Carl Berninghausen und Christian von Olshausen das Werk laut eigenem Bekunden gern am Heimatstandort in Dresden errichten. Sie fürchten allerdings, in der sächsischen Landeshauptstadt nicht mehr genug Fachkräfte dafür zu finden. Daher erwägen sie, alternativ in der Lausitz oder in Tschechien zu investieren.

Vor allem in der Lausitz sieht die Gründerriege gute Chancen für solch eine Fabrik: Dort dürften sich bald viele geschulte Kraftwerks- und Tagebau-Fachleute nach neuen Jobs im Anlagenbau umschauen, weil der Braunkohle-Ausstieg sichtlich naht. Zudem könne das Revier als eine Art „Reallabor“ dienen, um moderne Technologien für die Energiewende im großen Maßstab zu testen, meint Aldag. Das müsse eben nicht zwingend nur eine Großfabrik für Autobatterien sein, um die sich Bund und Länder derzeit so sehr bemühen. Sunfire plädiert vielmehr dafür, in der Lausitz eine „Gigafabrik“ für Elektrolyse-Anlagen anzusiedeln. „Deutschland ist in der Elektrolyse-Technologie derzeit führend“, betonte der Sunfire-Finanzchef ein. Diesen Vorsprung im Anlagenbau dürfe gerade Sachsen nicht aufgeben.

Neben diesen Standortfragen hängt der Fabrikbau aber auch wesentlich davon, ob und wann zwei Großaufträge tatsächlich zustande kommen, mit denen Sunfire rechnet: Einerseits sind die 85 Millionen Euro Kapital für das bereits mehrfach angekündigte Projekt „Nordic Blue Crude“ in Norwegen immer noch nicht beisammen. Dies liegt auch an langwierigen Diskussionen darüber, wie EU und Mitgliedsländer die Umweltbilanz der 8000 Tonnen E-Crude bewerten, die das Konsortium in Norwegen erzeugen will. Diese Bewertung entscheidet aber wiederum wesentlich darüber, ob die projektierte 20-Megawatt-Anlage den synthetischen Treibstoff überhaupt massenhaft verkaufen kann: Nur wenn Autovermieter, Reedereien und andere Kraftstoffverbraucher den synthetischen Treibstoff als Öko-Beitrag abrechnen dürfen, hat das relativ teure E-Crude überhaupt Marktchancen.

Elektrisches Kerosin für Flughafen

Andererseits schlagen die Dresdner ein Großprojekt vor, das Mitteldeutschland zu einem Testfeld für elektrisch erzeugtes Flugzeug-Kerosin machen könnte: „Wir wollen praktische Anwendungsbeispiele für die Luft- und Schifffahrt schaffen“, sagte Aldag. Daher möchten die Sunfire-Manager an einem Flughafen, beispielsweise in Leipzig-Halle, eine größere Version ihrer Dresdner Pilotanlage installieren. Deren E-Crude soll dann die nahe Raffinerie Leuna in Kerosin weiterverarbeiten. Mit diesem E-Kerosin könnten dann wiederum Fluglinien, die „CO2-neutrale Flüge“ anbieten wollen, ihre Flugzeuge betanken.

Und auch die Finanzierung der neuen Sunfire-Fabrik ist noch zu klären: Bisher macht das 2010 gegründete Unternehmen, das inzwischen rund 120 Mitarbeiter beschäftigt, noch immer keine Gewinne. Die Jahres-Umsätze in Nischenmärkten stagnierten zuletzt bei rund fünf Millionen Euro. Das bisher eingesammelte Risikokapital ist inzwischen nahezu aufgebraucht.

„Wir befinden uns daher gerade in einer neuen Finanzierungsrunde“, teilte Aldag mit. Es zeichne sich ab, dass die bisherigen Risikokapital-Geber frisches Geld nachschießen werden. Auch ein großer Anlagenbauer habe signalisiert, sich womöglich an Sunfire zu beteiligen. „Insgesamt brauchen wir rund 25 Millionen Euro“, informierte der Finanzchef. Bis zu 40 Prozent davon wollen die Gründer in die neue Fabrik investieren, den Rest vor allem in die Weiterentwicklung der Sunfire-Technologien und -Produkte. Das sollte dann auch reichen, um die Zeit bis zu den ersten nennenswerten eigenen Gewinnen zu überbrücken, sagte Aldag.

Von Heiko Weckbrodt

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