Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Nossener Brücke wird 2023 abgerissen
Dresden Lokales Nossener Brücke wird 2023 abgerissen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:48 19.07.2018
Frühestens 2023 wird die Nossener Brücke abgerissen und neu aufgebaut. Unklar ist, ob sie solange durchhält. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Nach dem Rückschlag an der Nossener Brücke hat man sich im Rathaus einigermaßen berappelt. Wegen mangelnder Kommunikation zwischen Deutscher Bahn und Stadt mussten im Straßen- und Tiefbauamt seit Jahren laufende Planungen zum Jahresbeginn über den Haufen geworfen werden. Jetzt gibt es zum Ausbau so etwas wie einen Fahrplan. Der hat allerdings noch viele Ungewissheiten.

Das ist geplant

Die Nossener Brücke, die eigentlich aus vier Brücken über Schienen der Deutschen Bahn und das nach ihr benannte Kraftwerksgelände der Drewag besteht, soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Das 35,2 Millionen Euro teure Vorhaben wird nicht nur wegen des schlechten Zustands der Mitte der 1960er Jahre errichteten Brücke benötigt. Im Zuge des Neubaus sollen auch Straßenbahnschienen auf die Brücke kommen. Die Strecke gehört zur sogenannten Campuslinie im Stadtbahn-2020-Projekt, die von der neuen Zentralhaltstelle Kesseldorfer Straße bis zum Großen Garten führt. Das Projekt wurde zum Jahreswechsel zurückgeworfen, als plötzlich neue Forderungen der Deutschen Bahn bekannt wurden. 7,20 Meter Mindesthöhe bedeuteten einen Neuanfang. An der Nossener Brücke haben die Pläne für das Vorhaben Stadtbahn 2020 einen Rückschlag erlitten, umschreibt das heute Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

Das ist neu

Die anfänglichen Zorneswolken wegen der Verzögerung haben sich im Rathaus einigermaßen gelegt. „Die Planungen verlaufen bisher ohne weitere Störung“, sagt Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz. Inzwischen habe sich aber eine wesentliche Neuerung ergeben, fügt er an: Auf der Nossener Brücke soll es anders als bisher geplant eine Straßenbahnhaltestelle auf Höhe der Fabrikstraße geben. Der Grund dafür ist ein erfreulicher: Für das Gelände der ehemaligen Konsum-Fleischerei mit seinem markanten Gebäude an der Fabrikstraße gebe es mehrere Anfragen, sagt Schmidt-Lamontain. Dort könnte in naher Zukunft ein großer Gewerbestandort mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen entstehen. „Unter diesem Gesichtspunkt wäre eine Haltestelle wieder spannend“, erklärt der Baubürgermeister. Dann wäre es sinnvoll, die Fabrikstraße vernünftig an die Nossener Brücke anzuschließen.

An der Fabrikstraße hatte früher der Fleischverarbeitungsbetrieb der Konsumgenossenschaft „Vorwärts“ seinen Sitz. Nun wollen Investoren Tausende Arbeitsplätze bringen. Quelle: Dietrich Flechtner

Das ist der Zeitplan

Hier beginnen die Unwägbarkeiten. Zwar lassen sich die neuen Haltestellenwünsche im derzeitigen Planstadium relativ unproblematisch ergänzen. Wann es für das Vorhaben Baurecht geben wird, lässt sich laut Amtsleiter Koettnitz derzeit jedoch beim besten Willen nicht sagen. Vorstellungen dazu gibt es gleichwohl. So sollen die Planungen vorangetrieben und dann „in irgendeiner Form“ auch den Stadträten, wahrscheinlich im Bauausschuss präsentiert werden. Die haben ihr Okay prinzipiell schon mit dem Beschluss der knapp 100 Millionen Euro teuren Campuslinie gegeben. Dann müssen die Unterlagen zum sogenannten Planfeststellungsverfahren zur Landesdirektion Sachsen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte dessen Dauer im Februar mit eineinhalb Jahren angegeben, Amtsleiter Koettnitz rechnet eher mit „zwei bis drei Jahren“, wie er sagt. Dennoch hält er wie der OB einen Baubeginn 2023 für möglich. Dafür müssen allerdings noch Voraussetzungen geschaffen werden. Abriss und Neubau sollen dann drei Jahre andauern.

Das muss vorher erledigt sein

Zum Vorhaben gehören Bestandteile, die es in sich haben. So muss die Zwickauer Straße vor dem Abriss der Nossener Brücke saniert sein, weil sie als Umleitungsstrecke benötigt wird. Nach derzeitigem Stand könnte 2022 Baubeginn sein, meint Koettnitz dazu. Das gleiche gilt auch für die Fernwärmeleitung, die vorm Brückenbau unter den Bahnschienen als Druckleitung verlegt werden muss. Derzeit verläuft sie entlang der Brücke, weil diese nach dem Neubau um einiges breiter sein wird, geht das dann nicht mehr. Das Verfahren ist technologisch sehr schwierig, weil Absenkungen unter den Gleisen nicht auftreten dürfen. Außerdem bedarf die Planung einer engen Abstimmung mit der Deutschen Bahn, die – das weiß man im Straßen- und Tiefbauamt nun aus bitterer Erfahrung – ihre eigenen Tücken haben kann. Außerdem ist auch der Rest des zweite Abschnitts im Campuslinien-Projekt nicht ganz ohne, wie Koettnitz betont. „Wir müssen schließlich auch Schienen auf die Nürnberger Straße bringen“, sagt er. Knapp 46 Millionen Euro soll der gesamten Abschnitt kosten.

Das ist die Gefahr

Fraglich ist, ob die Nossener Brücke bis 2023 durchhält. Zwar hat die Stadt 2017 die südliche Brückenhälfte über dem Drewag-Gelände mit Stützwänden für eine halbe Million Euro ertüchtigt. Dort verlaufen nun drei Fahrbahnen, auf der nördlichen nur noch eine. Bei einer Inspektion wurden jedoch bei dem Brückenteil über den Bahngleisen Risse in Schweißnähten entdeckt. Im Herbst wird das Urteil eines Experten erwartet, ob die Brücke deswegen für den Verkehr gesperrt werden muss. 30 000 Autos, die dort im Schnitt am Tag verkehren, müssten umgeleitet werden. So schlimm werde es schon nicht kommen, beruhigt Amtsleiter Koettnitz die Nerven. Es handele sich bei den Nahtrissen um keine schweren Beschädigungen. Denkbar sei, dass lediglich eine Fahrspur von der Brücke genommen werde, um das Bauwerk für die restliche Lebensdauer zu entlasten. „Das wäre für den Verkehr an dieser Stelle auch zu verkraften“, meint der Amtsleiter. Schlimmere Auswirkungen hätte es, wenn Schäden an den Knotenpunkten aufgetreten wären.

Dennoch überlegt man sich im Straßen- und Tiefbauamt schon, was wäre, wenn die Nossener Brücke von einen Tag auf den anderen gesperrt werden müsste. Dann müsse man sehen, ob sich das mit „kleineren Reparaturen“ abwenden lasse, sagt Koettnitz. „Wegen der Restnutzungsdauer von fünf bis sechs Jahren wäre das eine Überlegung wert“, fügt er an. Größere Investitionen seien jedoch ausgeschlossen.

Von Uwe Hofmann und Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Dresdner Verkehrsbetriebe bauen derzeit an den Gleisen auf der Stübelallee. Die Fahrgäste müssen sich deshalb an diesem Wochenende auf komplett neue Linienführungen einstellen.

19.07.2018

Für rund eine Million Euro wird die Kreuzung der Dürerstraße mit der Hans-Grundig-Straße zum Kreisverkehr umgebaut. Damit verschwindet einer der Unfallschwerpunkte Dresdens, hofft man im Rathaus. Für Autofahrer und Busfahrgäste bedeutet der Ausbau Umleitungen bis Mai 2019.

19.07.2018

Im Mittelmeer ertrinken Menschen, aber drei Rettungsschiffe deutscher Hilfsorganisationen dürfen Malta nicht verlassen. Für die Helfer heißt es: warten.

19.07.2018