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Lokales Noch kein Durchbruch für Modellversuch mit „Universitätsschule“ in Dresden
Dresden Lokales Noch kein Durchbruch für Modellversuch mit „Universitätsschule“ in Dresden
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11:00 13.07.2017
Die Gründung der geplanten Universitätsschule in Dresden zur Erforschung neuer Schulkonzepte steht noch immer in den Sternen. Quelle: dpa

Die Gründung der geplanten Universitätsschule in Dresden zur Erforschung neuer Schulkonzepte steht noch immer in den Sternen. Hinter den Kulissen wird zwar viel zwischen Stadt, Land und TU Dresden verhandelt, einen Durchbruch gibt es bislang nicht. Stattdessen entsteht der Eindruck eines „Schwarzer-Peter-Spiels“.

TU-Professorin Anke Langner, die Initiatorin des Modellversuchs, wie die Universitätsschule offiziell heißt, glaubt weiterhin an eine Gründung der Schule zum Schuljahr 2018/19. „Es ist nach wie vor Zeit“, erklärte sie gegenüber DNN. Einen formalen Antrag auf Genehmigung des Schulversuchs könne jedoch erst gestellt werden, wenn es einen Schulträger gibt. Aus einem Spitzengespräch zwischen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen, Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann habe sie das klare Signal der Stadt mitgenommen, dass die Stadt die Schule will. Noch im August werde ein Vorvertrag angestrebt. Natürlich müsse der Stadtrat noch gefragt werden. Deshalb könne der Vorvertrag noch unter diesem Vorbehalt stehen. Sie werde aus dem 70-seitigen wissenschaftlichen Konzept ein Informationspapier für die Stadträte zusammenstellen.

Bildungskonzepte in Frage stellen

Langner will mit dem Schulversuch gegenwärtige Bildungskonzepte in Frage stellen. „Das greift Schule in den Grundfesten an“, zeigt sie Verständnis für Irritationen bei manchem Beteiligten. Die Schule von der 1. bis zur 10. Klasse soll Kindern aus der ganzen Stadt offenstehen. „Wir brauchen eine heterogene Zusammensetzung“, sagte Langner. Bislang sei Schule auf eine homogene Schülerstruktur mit relativ gleichmäßigem Lerntempo ausgerichtet. Sie strebt eine viele stärkere Individualisierung an, auch im Interesse der Inklusion. Das heiße nicht Vereinzelung. Vielmehr gehe es darum, für jeden einzelnen Schüler herauszufinden, auf welchem Stand er sich befindet und mit welchem nächsten Schritt der Lernerfolg bei ihm zu erreichen ist. Eine große Rolle spiele die Digitalisierung. Die Lehrplaninhalte einschließlich der festgelegten Stundenzahl würden eingehalten, sie sollen aber flexibler bearbeitet werden als bisher. Es gehe um einen Sinn- und Bedeutungsbezug für das Gelernte. Die Kinder würden vor allem in kleinen Gruppen miteinander lernen. Die Schule werde keinen Lehrer zusätzlich bekommen, als herkömmliche Einrichtungen. Die Professorin will aber auch den Schuljahresrhythmus aufbrechen. Die Schüler haben – von einer Kernzeit vielleicht abgesehen – keine festen Ferien, sollen ihre freien Tage wie Urlaub frei übers Jahr verteilen können. Das klingt nach vielen dicken Brettern, die im bisherigen Regelwerk für Schulen zu bohren sind. Langner hofft trotzdem auf den Start im kommenden Jahr. Dafür sei allerdings ein hoher Innovationsgeist nötig, bislang gebe es deutschlandweit nichts Vergleichbares. Parallel zur Stadt gebe es auch Gespräch mit freien Trägern.

Er halte es für „ein interessantes Projekt“, erklärte dazu Dresdens Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann kürzlich am Rande einer Tour über Schulbaustellen gegenüber den DNN. Eine Gründung zum Schuljahr 2018/19 betrachtet der CDU-Politiker allerdings als „unrealistisch, weil das Konzept noch nicht vom Freistaat genehmigt ist“. Vorjohann sieht zudem noch Diskussionsbedarf im Stadtrat. Nicht zuletzt gehe es auch um finanzielle Fragen bei der Gründung der Schule, für die ein Gebäude gefunden werden müsse. Es reiche nicht, wenn sich drei bildungspolitische Sprecher der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit damit befassen würden. Grundsätzlich stehe er dem Projekt und der städtischen Trägerschaft offen gegenüber.

Massive Bedenken in der Stadt

Hinter den Kulissen trägt der Bürgermeister allerdings relativ massive Bedenken vor. Laut einer DNN vorliegenden internen Stellungnahme für die Rathausspitze ist noch „eine Reihe von Fragen offen“. Notenvergabe, durchgehende 10-jährige Schulstruktur, Lehrerverträge, Rollenverständnis der TU und deren Änderungswünsche im Laufe des Versuchs – Vorjohann hat eine lange Liste von Aspekten, zu denen sich der Freistaat zunächst als oberste Schulaufsicht positionieren müsste. Einen „konkreten Schulversuch, zu dem inhaltlich und strukturell Einvernehmen besteht, sollten wir unterstützen. Den Laboransatz mit flexibler Versuchsanordnung müssen wir ablehnen“, schreibt Vorjohann an den Oberbürgermeister. Das Papier diente offenbar als Grundlage für das Spitzentreffen in der vergangenen Woche, als Standort wird darin die Ginsterstraße in Gorbitz ins Gespräch gebracht. Die Stadt machte zu dem Termin offiziell keine Angaben. „Es wird grundsätzlich nicht zu Inhalten von Arbeitsgesprächen berichtet“, erklärte Pressesprecher Karl Schuricht auf DNN-Anfrage.

Freistaat wartet auf die TU

Der Freistaat wiederum macht derzeit auch keine klaren Angaben zur Genehmigungsfähigkeit des Schulversuchs. „Das Ministerium begleitet die Entwicklung des Konzeptes seitens der TU Dresden von Beginn an“, heißt es aus dem Haus von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Die Universität habe in vielfältiger Weise zu den Entwicklungsständen der Konzeption den Rat des Ministeriums eingeholt. Zugleich sei die TU mit der Stadt im Gespräch, die Schulträger werden soll. Die Stadt Dresden und das Kultusministerium hätten in den bisherigen Gesprächen konkret auf die Anforderungen verwiesen, die bestehen, wenn ein Schulversuch an einer öffentlichen Schule genehmigt und umgesetzt werden soll. „Die Universität ist daher in der Verantwortung, bei der Planung des Vorhabens realistische Ziele zu setzen“, erklärte die Pressestelle des Ministeriums.

Gemäß § 15 des Gesetzes zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen vom 26. April 2017 müssten Schulversuche vom Kultusministerium genehmigt werden, hieß es weiter. Ein solch förmlicher Antrag der TU Dresden liege noch nicht vor. Vielmehr seien zunächst „überarbeitete konzeptionelle Unterlagen“ übersandt worden, die es ermöglichen würden, die TU Dresden bezüglich „der konkreten Antragstellung weiter zu beraten“.

Von Ingolf Pleil

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