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Lokales Nicole Baumgärtel schreibt Buch über einjährige Weltreise
Dresden Lokales Nicole Baumgärtel schreibt Buch über einjährige Weltreise
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10:02 02.10.2018
Globetrotterin und Autorin Nicole Baumgärtel spricht über ihr Buch „WeitBlick“. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Vor vier Jahren packte Nicole Baumgärtel ihren Rucksack, verkaufte ihren kompletten Besitz, kündigte Job und Wohnung. Spontan buchte sie einen Flug nach Singapur. Wohin die Reise von dort aus gehen wird, wusste sie damals noch nicht. Hauptsache weg und frei sein – der materielle Besitz und ihr damaliges Leben erdrückten sie. Ein Jahr wollte die Studentin fort von all dem und ein „Gap Year“ zwischen Bachelor- und Masterstudium einschieben.

Zwölf Kilogramm Reisegepäck

Die damals 26-Jährige arbeitete vor dem Studium als Vollzeit-Bänkerin, fing schließlich das Studieren mit Teilzeitjob an. Den durchgetakteten Alltag wurde sie aber nicht los. „Ich war nicht glücklich. Irgendetwas hat gefehlt“, erzählt Baumgärtel. Auch körperlich war sie am Ende. „Tief im Inneren wusste ich, so kann es nicht weitergehen“, sagt die junge Frau heute.

„Über meinem Schreibtisch hing immer eine Weltkarte. Einfach, weil ich es schön fand. Als ich einen Abend völlig erschöpft auf der Couch lag und von dort aus die Karte sah, fragte ich mich, warum ich davon eigentlich noch nichts gesehen habe. In dem Moment war mir klar: jetzt oder nie“.

Nach dem Bachelor sollte es also losgehen. Allein. Hauptsache zur Ruhe kommen und herausfinden, was man vom Leben eigentlich will. „Es war ein unglaublich befreiendes Gefühl, seinen ganzen materiellen und unnötigen Besitz loszuwerden“, erinnert sich Baumgärtel. Zwölf Kilogramm reichten ihr dabei völlig, um die Reise zu sich selbst anzutreten.

Der erste Halt war Singapur, später ging es weiter nach Australien, Tasmanien und Neuseeland. Gereist wurde zu Fuß, mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. „Mir war endlich mal langweilig. Das fand ich nach all dem Stress wirklich sehr angenehm – dieses Gefühl von Eintönigkeit kannte ich so eigentlich nicht“, so Baumgärtel. Sie begann kreativ zu werden, malte, las und schrieb Tagebuch.

„Früher dachte ich, Karriere macht glücklich“

„Ich habe mit Absicht sehr minimalistisch gelebt“, verrät die Weltreisende. Draußen schlafen, viel zu Fuß laufen – Baumgärtel lernte die kleinen Dinge zu schätzten. „Ein Dach über dem Kopf, nicht frieren zu müssen, der Luxus von einem Kühlschrank“, all das sind für die heute 30-Jährige auf einmal noble Güter. Den Minimalismus hat die Studentin sich bis heute beibehalten. „Früher habe ich an materiellen Dingen gehangen. Wenn ich heute etwas Neues kaufe, wird das Alte weggegeben. So kann sich nichts mehr anhäufen“, erklärt sie.

Im Sommer 2015, ein Jahr später, kam die Dresdnerin nach Deutschland zurück. Ohne Gepäck. „Mittlerweile hatte ich statt zwölf bereits 25 Kilogramm Gepäck angesammelt“, erinnert sich Baumgärtel. Durch einen Buchungsfehler konnte sie allerdings nur ihr Handgepäck mit nach Hause nehmen. Das sowieso schon minimierte Hab und Gut wurde also noch einmal in wichtige und verzichtbare Dinge sortiert. Letztere verschenkte sie an Menschen, die ihr besonders am Herzen lagen, beispielsweise an ihre Gastfamilie und an Obdachlose.

Was die Reisende nach ihrer Rückkehr verändert hat? „Früher dachte ich, Karriere macht glücklich. Mittlerweile weiß ich, dass die Balance zwischen Arbeit und Freizeit der Schlüssel für wahres Glück ist“, sagt Baumgärtel.

Nachdem das Fernweh gestillt war, packte die junge Dresdnerin der Tatendrang. „Ich hatte auf einmal wieder richtig Lust etwas anzupacken“, erzählt die Zurückgekehrte. Ein Buch zu schreiben war allerdings nie geplant. Anfangs wollte sie für ihre Familie einen kleinen Bericht verfassen – nicht formatiert, lediglich Stichpunkte. Als das Interesse in ihrem Bekanntenkreis jedoch rasch größer wurde, war schnell klar: ein paar unformelle Zeilen reichen hier nicht aus. Also beschloss die damals 28-Jährige, dass etwas „Richtiges“ entstehen soll. 2016 fing sie schließlich an, ihre Tagebucheinträge in ein Buch umzuformulieren.

„Nicht denken, sondern einfach machen.“

Baumgärtel berichtet unter dem Titel „WeitBlick“ über ihre ganze Reise. Von der Vorgeschichte bis zu den unschönen Momenten – alles hält sie fest. „Ich erzähle, wie es ist, allein zu reisen und wie ich mich meinen eigenen Ängsten gestellt habe“, verrät die Autorin. Um ihr Werk zu veröffentlichen, hat die Dresdnerin ein Crowdfunding-Projekt gestartet. So sollen die Kosten für Buchdruck und Covershooting gedeckt werden. 30 Prozent der Gesamtkosten sind das erste Fundingziel. Ab fünf Euro aufwärts kann man bereits spenden – von „Good Karma“ bis zu einem Buch mit persönlicher Widmung ist als Dankeschön alles dabei.

„Mein Reisebericht soll einen realistischen Einblick geben, dass man sich manchmal einfach durchbeißen muss“, sagt die junge Autorin. Man kann ihr zufolge beim Lesen aber auch dem Alltag entfliehen und lernt zu schätzen, was man hat. „Außerdem macht es Lust auf mehr“, warnt die Dresdnerin lachend. Bei einem ist sie sich nach alledem sicher: Reisen kann alle seelischen Wunden heilen.

Wer einen Blick in das Buch werfen möchte, kann via Crowd Funding das Projekt unterstützen und sich so sein Exemplar sichern. Alternativ kann das Werk auch vorbestellt werden. Quelle: PR

Oft hört Baumgärtel bei ihren Erzählungen den Satz „Ach, ich würde ja auch gerne...“. All denjenigen rät sie stets, „Nicht denken, sondern einfach machen.“ Dabei muss es gar nicht lange sein – auch in zwei Monaten kann man bereits zu sich selbst finden. „Ich habe es niemals bereut, einfach losgegangen zu sein“, sagt die Herumgekommene. Jedem legt sie dabei aber auf jeden Fall gute Wanderschuhe, Funktionskleidung und ein leichtes Handtuch ans Herz.

Wenn ihre Kinder einmal das gleiche vorhaben? „Ich würde ihnen mit auf den Weg geben, dass sie sich ruhig Zeit lassen sollen“, sagt die 30-Jährige. „Es ist so wertvoll, diese Reise zu machen. Egal wie kurz der Zeitraum also ist: Hauptsache man nimmt sich die Zeit und hakt dabei keine To-Do-Liste ab“, empfiehlt sie.

Auf die Frage nach ihrem schönsten Mitbringsel, gesteht Baumgärtel, eigentlich gar kein Fan von Souvenirs zu sein. Aber das macht nichts – schließlich hat sie sich das größte Erinnerungsstück nun selbst geschrieben.

Unterstützung des Buchprojekts unter www.startnext.com/weitblick. Buchbestellungen sind ebenfalls per Email an nicole.baumgaertel@gmx.de möglich.

Von Annafried Schmidt

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