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Lokales Neumarkt-Wächter wollen klare Regeln für Bebauung des Königsufers in Dresden
Dresden Lokales Neumarkt-Wächter wollen klare Regeln für Bebauung des Königsufers in Dresden
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15:01 30.08.2017
Das Foto zeigt das Königsufer (rechts) im Jahr 1943.  Quelle: Foto: SLUB/Deutsche Fotothek/Walther Hahn
Dresden

 Für die Bebauung des Königsufers sollten schon vor dem geplanten städtebaulichen Wettbewerbsverfahren klare Vorgaben gemacht werden. Das forderte am Montag Torsten Kulke, Vorstand der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND). Es gehe um „glasklare Regelungen“, erklärte er.

Für das Königsufer in Dresden will die Stadt demnächst per Wettbewerb nach einer baulichen Lösung suchen lassen. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt würde gern schon jetzt klare Vorgaben machen. Mit eigenen Ideen versucht sie, in der Debatte erste Pflöcke einzuschlagen.

Über die Gestaltung der Inneren Neustadt von der Elbe bis zum Albertplatz wird seit längerem diskutiert. Auf Anregung der Grünen plant die Stadt ein Wettbewerbsverfahren, um nach einer baulichen Lösung zu suchen. Kulke begrüßte das Verfahren grundsätzlich. Es sollte jedoch zunächst auf den Bereich zwischen Großer Meißner Straße/Köpckestraße und Elbe (Königsufer) beschränkt werden. So lange über die Gestaltung des Verkehrszuges keine Klarheit bestehe, mache es keinen Sinn, über den Neustädter Markt zu diskutieren.

Für den Wettbewerb sollten „klare und präzise Vorgaben zu Baugrenzen, Trauf- und Firsthöhen und den dahinterliegenden Grünzonen“ gemacht werden. Insbesondere sollte aber schon jetzt die spätere Nutzung festgelegt und zur Aufgabenstellung des Wettbewerbs gemacht werden. „An dieser einmaligen Stelle mit deutschlandweitem, vielleicht europäischem Rang muss die Bürgerschaft von Anfang an eingebunden und informiert werden, und ihr gebührt ein entsprechendes Mitspracherecht bei den Wettbewerbsbedingungen und der Besetzung der Jury“, erklärte Kulke.

Die Gesellschaft tritt im Bereich des Königsufers für eine weitestgehende „Wiederherstellung der Großartig- und Einzigartigkeit der weiträumigen Landschaftsgestaltung des Elbbogens“ ein. Sie plädiert deshalb für eine Annäherung an die Planungen von Stadtbaurat Paul Wolf, Stadtgartendirektor Heinrich Bahlke und Stadtbaudirektor Herbert Conert aus dem Jahre 1930. Mit der Wiederherstellung von Grünanlagen sollte das Grüne Band zwischen dem Japanischen Palais und dem Stauden- und Rosengarten geschlossen werden. Nach der Fertigstellung des Kulturpalastes sei die früher einmal diskutierte Errichtung eines Konzertsaals als Solitär in diesem Bereich „nicht mehr darstellbar“. Für die kleinteilige Gebäudereihe an der Köpckestraße schlagen die Neumarkt-Wächter ein Haus der Dresdner Chöre und Quandtsche Atelier-Häuser vor. Letztere sollen an Johann Gottlob Quandt erinnern, einen Mitbegründer des 1828 in Dresden aus der Taufe gehobenen Sächsischen Kunstvereins. Da hier ein Teil der Grundstücke im Besitz der Stadt sei, sollte die Stadt auch selbst bauen. Bei der von der GHND vorgeschlagenen Rekonstruktion der Gebäude Blockhausgässchen 3 sowie Große Meißner Straße 1 bis 5 (zwischen Augustusbrücke und Hotel) sollte der Privateigentümer für eine öffentliche Nutzung gewonnen werden. Das Ergebnis des Wettbewerbs müssten dann in eine Gestaltungssatzung einfließen.

Die Gesellschaft stieß mit ihren Vorschlägen am Montag in der Stadt und bei Stadträten teilweise auf geteiltes Echo. Der Städtebau-Experte der Grünen, Thomas Löser, wollte die Gestaltungsideen nicht näher bewerten. Damit liege nun ein Vorschlag auf dem Tisch, der in die Diskussion einbezogen werde. Die Vorgaben für das Wettbewerbsverfahren lehnte Löser ab. „Wir machen das ja gerade, um zu sehen, welche Ideen es gibt.“ Der Nutzung und baulichen Ausgestaltung sollte nicht vorgegriffen werden.

Gunter Thiele, Baupolitiker der CDU, zeigte sich bei konkreten Nutzungsvorgaben skeptisch. Für die Gestaltung kann er sich aber vorstellen, „schon relativ viel vorzugeben, damit keine Bausünden entstehen“. Während Löser die Königsufer-Bebauung in der Gesamtheit mit dem Neustädter Markt und der Hauptstraße diskutieren will, gibt Thiele zu bedenken, dass dies zu komplex sein könnte.

Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain „versteht die Hinweise als interessanten Debattenbeitrag“, sagte dessen persönliche Referentin Doris Oser mit Blick auf die GHND-Äußerungen. Das Stadtplanungsamt bereite gerade einen „Städtebaulichen und Freiraumplanerischen Ideenwettbewerb Königsufer und Neustädter Markt“ vor, fügte sie hinzu. Bürgerinnen und Bürger sollten die Möglichkeit haben, eigene Ideen in dieses Wettbewerbsverfahren einzubringen. „Dazu wollen wir sie noch in diesem Jahr einladen.“ Es handelt sich aber nicht um einen architektonischen Wettbewerb. Über die Architektur werde erst in einem späteren Verfahrensschritt entschieden. Auch die Stadt lehnte weitgehende Vorschriften für das Wettbewerbsverfahren ab: „Das würde keinen Sinn ergeben, denn dann würden wir das Ergebnis des Wettbewerbs vorwegnehmen und könnten gleich auf einen Wettbewerb verzichten“, erklärte Oser. Der Wettbewerb sei auch dafür gedacht, Bezüge zur vorhandenen Bebauung herzustellen. Ihn auf das Königsufer zu beschränken, würde daher ebenfalls „keinen Sinn ergeben“.

Von Ingolf Pleil

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