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Lokales Neues Leben in einem spektakulären Gebäude
Dresden Lokales Neues Leben in einem spektakulären Gebäude
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12:41 30.04.2018
Der große Tresorraum im Keller des Bankgebäudes. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 Das Bankhaus am Dr.-Külz-Ring 10 hat die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs äußerlich nahezu unversehrt überstanden. Dank einer genieteten Stahlkonstruktion, wie Architekt Rolf Gast erklärt. Seit 2013 steht das markante Bauwerk leer. Das wird sich ändern. Gast und sein Kollege Gordon Knoll vom Büro SKP Architekten betreuen als Arbeitsgemeinschaft die Sanierung des Gebäudes mit seiner Sandsteinfassade.

„Sicher sind Altbauten nicht einfach“

„Es ist eine besondere Aufgabe“, gesteht Knoll. Das 1902 bis 1905 errichtete Bauwerk steht unter Denkmalschutz und verfügt mit seiner großzügigen Kassenhalle über eine Struktur, die es nicht einfach macht, eine zeitgemäße Nutzung zu finden. Im Keller befinden sich – wie es sich für ein Bankhaus gehört – zwei Tresorräume. Wer geht das Wagnis ein, in diese schöne, aber durchaus schwierige Immobilie zu investieren?

„Sicher sind Altbauten nicht einfach“, sagt Nico Appelt, Geschäftsführer der Sächsischen Ärzteversorgung. Das berufsständige Versorgungswerk betreut rund 18.700 Mitglieder. Es handelt sich um Ärzte und Tierärzte, die Beiträge für die Altersvorsorge einzahlen. Die Ärzteversorgung legt das Geld gewinnbringend an. Und zahlt eine Alters-, Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenversorgung an die Betroffenen aus. Rund 4400 Leistungsempfänger gibt es in Sachsen, so Appelt.

Blick in das Bankhaus am Dr.-Külz-Ring 10

Rund 1,2 Milliarden Euro beträgt allein das Immobilienvermögen der Sächsischen Ärzteversorgung. „Wir haben aktuell Baustellen von Lissabon bis Helsinki, sind in europäischen Weltstädten wie Paris oder London präsent“, erklärt der Geschäftsführer. Er freue sich, nun eine Immobilie am Sitz der Ärzteversorgung in Dresden gestalten zu können, noch dazu eine so repräsentative.

Raum für Kongresse und Tagungen

Die Urheberschaft an dem Bauwerk am Dr.-Külz-Ring wird dem Architekturbüro von Rudolf Schilling (1859 bis 1933) und Julius Gräbner (1858 bis 1917) zugeschrieben. Das Büro hinterließ Spuren in Dresden. Christuskirche Strehlen, Kaiserpalast am Pirnaischen Platz – 1945 zerstört – oder Rathaus Pieschen sind nur einige der vielen Referenzen. Architekt Gast zeigt auf einen Stein an der Westseite des Gebäudes. „1902 bis 1905 errichtet von den Architekten Schnauder und Röhn, ausgebrannt im Februar 1945, erneuert 1946 bis 1949“, ist darauf zu lesen. Schnauder und Höhn könnten angestellte Architekten bei Schilling und Gräbner gewesen sein

Bis Sommer 2019 lässt die Sächsische Ärzteversorgung das Bauwerk sanieren. Äußerlich macht es einen hervorragenden Eindruck. Aber im Inneren wird das Ausmaß der erforderlichen Arbeiten sichtbar. Zuletzt wurde das Bankhaus 1995 saniert, die Räume strahlen den funktionalen Charme der 1990er Jahre aus. Glanzstück ist natürlich die spektakuläre Schalterhalle mit ihrer Lichtkuppel. Diese bleibt mit ihrer Stahlkonstruktion erhalten. Doch über die Kuppel wird eine Zwischendecke eingezogen, so dass künftig Strahler für Licht in der Halle sorgen werden.

„Wir wollen hier ein Veranstaltungszentrum mit einer Kapazität von bis zu 350 Personen einrichten“, erklärt Appelt. Der Raum soll denkmalgerecht ausgestaltet und mit moderner Technik ausgestattet werden. Eine Küche soll Catering-Angebote ermöglichen. „Im ärztlichen Bereich gibt es viele Konferenzen und Fachveranstaltungen“, erläutert der Geschäftsführer, „wir denken, dass wir mit 350 Plätzen durchaus eine Angebotslücke auch für andere Tagungen und Kongresse in der Innenstadt schließen können.“

Unten Prunk, oben Sachlichkeit

In die Etagen zwei bis vier werden die 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sächsischen Ärzteversorgung einziehen. Gegenwärtig hat das Versorgungswerk seinen Sitz noch in einem Neubau auf der Schützenhöhe. Die Sächsische Landesärztekammer will ihre Räumlichkeiten in der Albertstadt aber erweitern, deshalb zieht die Ärzteversorgung ins Zentrum. „Wir werden Mieter bei uns selbst“, erläutert Appelt. Das Gebäude ist in einen Immobilienspezialfonds eingelegt, der dem Versorgungswerk gehört.

Die erste Etage soll an Interessenten vermietet werden. Anwaltskanzleien oder Steuerberater könnten hier repräsentative Räume nutzen aber auch junge und kreative Unternehmen. „Wir sind überzeugt, dass unsere Maklerin Karin Gruner sehr gute Nutzer finden wird, die zu uns passen“, erklärt der Geschäftsführer.

Der Kontrast zur neoklassizistischen Fassade und der prunkvollen Schalterhalle könnte kaum größer sein: In den höheren Etagen dominiert die Sachlichkeit. Hier sind die Ideen der Architekten gefragt. Die Lösungen mit einer großen, offenen Treppe, der Zwischendecke und einer Gaube im Dachgeschoss zur Waisenhausstraße sind vielversprechend und mit dem Denkmalschutz abgesprochen. Höhepunkt wird eine zweite Stahl- und Glaskonstruktion als Dachkuppel über dem Gebäude. „Sie wird mindestens genauso schön wie die über dem Schloss“, verspricht Gast.

Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich

Im Keller dagegen warten zwei Tresorräume auf neue Nutzer. Die Panzertüren tragen die Aufschrift „S. J. Arnheim Berlin“ und würden selbst Egon Olsen vor Probleme stellen. Mit seinem Balustradengang erinnert der große Tresorraum an den Geldspeicher von Dagobert Duck. Man könnte sich gut eine Bar mit gedämpfter Pianomusik und schummrigem Licht in dem Raum vorstellen. „Das wird es aber nicht“, erklärt Appelt, „wir suchen Nutzer, die Unterlagen unter Sicherheitsanforderungen aufbewahren müssen.“ Akten werden im Bankhaus in guten und sicheren Händen sein, im kleinen Tresorraum ist bereits ein Regalsystem installiert.

Das Gebäude wird behindertengerecht umgebaut und erhält einen zweiten, großen Aufzug. Viele Details wie Marmorstuck oder historische Kronleuchter werden in neuem Glanz erstrahlen. „Wir freuen uns, etwas für die Stadt tun zu können, indem wir dieses Gebäude wiederbeleben und für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, erklärt Appelt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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