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Neues Infusionszentrum und neue Therapie für Multiple Sklerose

Uniklinikum Neues Infusionszentrum und neue Therapie für Multiple Sklerose

Mehr Lebensqualität für kranke Menschen, die Infusionen benötigen – Das will das neue Infusionszentrum im Multiple Sklerose-Zentrum an der Uniklinik Dresden leisten. Auch ein neues MS-Medikament kommt zum Einsatz. Schon länger gibt es erbitterten Streit zwischen Ärzten und Krankenkassen über die Kosten der Infusionen.

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Der an der seltenen schleichenden Form der Multiplen Sklerose erkrankte Benjamin Langer erhält von Krankenschwester Anke Schmidt eine neuartige Infusion. In dem neuen Infusionszentrum können 12 Patienten gleichzeitig ambulant behandelt werden.

Quelle: ANJA SCHNEIDER

Dresden. Die Diagnose „Multiple Sklerose“ trifft viele junge Menschen völlig unerwartet und bedeutet bis ans Ende des Lebens Einschränkungen und eine Therapie mit Medikamenten. Rund eine viertel Million Menschen sind in Deutschland von der unter der Abkürzung MS bekannten Krankheit betroffen.

Das Uniklinikum Dresden hat jetzt ein neues Infusionszentrum in Betrieb genommen, in dem MS-Patienten und andere Menschen mit Erkrankungen notwendige Infusionen ambulant bekommen können, statt mehrere Tage stationär im Krankenhaus behandelt werden zu müssen.

Ambulante Infusionen sollen Lebensqualität erhöhen

Das neue Infusionszentrum an der Blasewitzer Straße soll MS-Patienten helfen, ihren Alltag noch ein Stück weit unabhängiger von der Krankheit leben zu können. Das hofft auch Benjamin Langer aus Chemnitz. Im Januar 2015 bekam der 29-jährige plötzlich Probleme beim Laufen. Ein Arzt diagnostizierte einen Bandscheibenvorfall und ordnete eine Physiotherapie an. Doch die Beschwerden wurden nichts besser, bis im April ein Arzt in einem Münchner Krankenhaus die Diagnose „MS“ stellte.

Bei Männern tun sich die Ärzte mit der Feststellung der Nervenkrankheit meist schwieriger, da häufiger Frauen betroffen sind.

MS kann auch schleichend auftreten

Langer leidet an der seltenen progedienten Form der MS, in der die Krankheit nicht in Schüben auftritt, sondern schleichend voranschreitet. „Ich habe mir zunächst Medikamente gegen die schubweise Form der MS gespritzt, hatte aber keine Garantie dafür. dass diese auch gegen meine spezielle Verlaufsform Wirkung zeigen“, erzählt der aus Chemnitz stammende Langer.

Neue Antikörper-Therapie aus der Schweiz

Seine Hoffnung liegt auf einer neuartigen Infusionstherapie eines Schweizer Medikamentenherstellers, bei der er alle sechs Monate über rund vier Stunden eine Infusion mit bestimmten Antikörpern erhält.

„Die Antikörper vernichten eine bestimmte Immunzellen-Art in seinem Körper, um die MS am Voranschreiten zu hindern“, erklärt der Neurologe und Leiter des „Multiple Sklerose-Zentrum“ am Uniklinikum Dresden Tjalf Ziemssen. Im Rahmen einer Studie ist Langer einer der ersten Patienten, die das neue Medikament erhalten haben. Seit Februar ist es offiziell zugelassen. Im MS-Zentrum an Uniklinikum werden die Patienten auch zu anderen unterstützenden Therapieangeboten beraten, wie zum Beispiel die ri chtige Ernährung bei neurologischen Erkrankungen.

Harter Kampf zwischen Ärzten und Krankenkassen

Wie Infusionen verabreicht werden sollen, führt schon länger zu einem erbitterten Streit zwischen Ärzten und Krankenkassen. Bevor das neue Infusionszentrum am Uniklinikum in Betrieb genommen wurde, erhielten die Patienten ihre Infusionen stationär.

Auch wenn die eigentliche Medikamentengabe nur bis zu sieben Stunden dauere, mussten die Erkrankten dafür meist mehrere Nächte stationär aufgenommen werden um Vor- und Nachsorge Untersuchungen im komplexen Klinikalltag zur gewährleisten, berichtet der Neurologe. „Zu teuer“, urteilten die Krankenkassen.

Gefahr durch Nebenwirkungen der Infusionen

Die Patienten sollen sich nach Maßgabe der Krankenkassen bei einem niedergelassenem Neurologen die Infusion ambulant geben lassen. „Zu gefährlich“, sagen die Ärzte. Bei den komplexen Infusionen könne es zu schweren Nebenwirkungen bis zum Herzstillstand kommen, begründet Ziemssen.

Daher wurden Infusionspatienten im Uniklinikum in vielen Fällen stationär behandelt, aber mit der Krankenkasse nur ambulant verrechnet. „Es laufen momentan 15 Prozesse, in denen sich die Krankenkasse weigert, die stationäre Behandlung zu bezahlen“, berichtet der Leiter des MS-Zentrums.

Spätschicht für berufstätige Patienten geplant

Für die Patienten bedeutet das neue Infusionszentrum, das rund 250 000 Euro gekostet hat, mehr Planungssicherheit. Stationär mussten geplante Infusionstermine auf Grund von Notfällen gelegentlich verschoben werden – ein Problem besonders für berufstätige Patienten.

Seit der Inbetriebnahme im Januar sind die zwölf Infusionsliegen gut ausgelastet. Rund 100 Patienten pro Woche nutzen das Angebot. Ärzte und Pfleger denken darüber nach eine zusätzliche Spätschicht im Infusionszentrum einzurichten. Auch die Telemedizin für MS-Kranke über spezielle Internetportale wird in Sachsen ausgebaut.

Von Tomke Giedigkeit

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