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Lokales Neuer Zoff um Sozialwohnungen: Anwohner lehnen WiD-Projekt an der Südhöhe ab
Dresden Lokales Neuer Zoff um Sozialwohnungen: Anwohner lehnen WiD-Projekt an der Südhöhe ab
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07:55 04.12.2018
Franz Schubert, Sonja Füssel, Gerda Lehmann und Erik Zimmermann (v.l.) haben sich vor der Fläche positioniert, die für Wohnungsneubau vorgesehen ist Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Gerade erst haben Anwohner mit ihren Protesten die Pläne fürs Hochhaus in Johannstadt ausgebremst – jetzt macht eine Initiative gegen ein weiteres Vorhaben im sozialen Wohnungsbau auf der Südhöhe mobil. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft „Woh­­nen in Dresden“ (WiD) möchte auf der Bulgakowstraße zwei Viergeschosser errichten. Ge­plant sind dort 35 Wohnungen für Menschen mit wenig Geld. Doch die An­wohner haben reichlich Bedenken.

Waldkäuze, Hasen und Wildvöge

Bei dem für die Sozialwohnungen ins Auge gefasste Gelände handelt es sich um eine weitgehend verwilderte Brache ge­­genüber der dort stehenden Plattenbauten. Die Stadtverwaltung hat für das Projekt bereits die nötige Baugenehmigung erteilt. Voraussichtlich Mitte des kommenden Jahres, so sieht es der Fahrplan der WiD vor, sollen die Ar­beiten starten, ein Jahr später könnten die ersten Mieter einziehen. Doch die Menschen in den Wohngebieten fühlen sich übergangen. „Wir haben erst davon er­fahren, als die Baugenehmigung erteilt war. Jetzt be­steht kaum mehr die Möglichkeit einer Mitsprache“, kritisiert Anwohner-Vertreter Erik Zimmermann, der zugleich für die SPD im Stadtbezirksbeirat Plauen sitzt.

Die Anwohner machen eine ganze Rei­he von Einwänden gegen das Vorhaben geltend. So wird einerseits darauf verwiesen, dass sich auf dem Gelände in den vergangenen Jahren ein Biotop entwickelt ha­be. Gut 100 Bäume würden dort stehen, Waldkäuze, Hasen und Wildvögel in dem Bereich leben. Zudem, so die Befürchtung, würde auch ein dort an­grenzender Wald in Mitleidenschaft ge­zogen, da die Bebauung unmittelbar da­ran reiche. Durch die Versieglung des Bo­dens bestünde weiterhin die Gefahr, dass künftig das Oberflächenwasser den an­grenzenden Hang hinab fließt und den An­­wohnern in dem kleinen Wohngebiet an der Bibrachstraße Probleme bereite.

Nicht die einzigen Argumente. Denn di­rekt neben dem Baugrundstück befindet sich auch ein Kindergarten. Der fahre ein sehr naturnahes Konzept, erklärt Erik Zimmermann. Und zumindest durch ei­nes der geplanten Gebäude auf dem südlichen Nachbargrundstück würden Teile der Anlage künftig im Schatten liegen. Ein Problem ist aus Sicht der Anwohner zudem die Parksituation. Mit den beiden Neubauten will die WiD 13 zusätzliche Stellflächen errichten. Zu wenig, sagen die Anwohner. Denn schon jetzt seien die Parkplätze in dem Wohngebiet knapp.

WiD ist gesprächsbereit

„Natürlich wird in der Stadt neuer Wohnraum dringend gebraucht. Doch hier soll für nur 35 Wohnungen eine grüne Oase vernichtet und die Lebensqualität vieler hundert Menschen beeinträchtigt werden. Das ist unverhältnismäßig“, er­klärt Erik Zimmermann. „Vor allem halte ich die Basta-Methode für falsch, nach der hier versucht wird, Tatsachen zu schaffen“, so der SPD-Stadtbezirksbeirat.

Auch deshalb haben viele Anlieger in­zwischen reagiert – und bei der Stadt schriftlich Widerspruch gegen die er­teilte Baugenehmigung eingereicht. Das Projekt ha­be enorme Auswirkungen auf das Le­ben in drei Wohngebieten, sagt Erik Zimmermann: „Da müssen die Ein­wände und Anregungen der An­wohner gehört und berücksichtigt werden.“ Um mehr In­formationen zu erhalten und um das ge­forderte Gehör zu finden, wollen die An­wohner jetzt mit einem so­genannten Einwohnerantrag die Dresdner Stadtverwaltung auf­fordern, eine Einwohnerver­samm­lung abzuhalten.

Bei der WiD zeigen sich die Verantwortlichen derweil vom Widerstand der An­wohner überrascht. Deren Geschäftsführer, Steffen Jäckel, verweist darauf, dass sich bei ihm bislang niemand gemeldet habe. Das Vorgehen, sich zunächst an die Medien zu wenden, stößt bei ihm auf Unverständnis. Zugleich gibt er sich aber gesprächsbereit, will die Ideen und Vorstellungen der WiD auf dem Gelände den Anwohnern gern näher erläutern. Die vorgebrachten Sorgen seien aus seiner Sicht allerdings unbegründet.

Im Bezirksbeirat Plauen vorgestellt

Bei der Erteilung der Baugenehmigung seien Belange des Umwelt- und Ar­tenschutzes mit überprüft worden, versichert Steffen Jäckel. Bei der Anzahl der Parkplätze halte sich die WiD an die Vorschriften der Stellplatzsatzung. Es sei auch nicht zu erwarten, dass mit Blick auf die künftigen Nutzer der Sozialwohnungen mehr Flächen ge­­braucht werden. „Wir dürfen darüber hinaus gar nicht mehr Stellflächen bauen, als für die Be­wohner benötigt werden“, erinnert der Geschäftsführer auch noch einmal an die eigentliche Aufgabe der WiD.

Und auch den Vorwurf, die WiD habe nicht früh genug und ausreichend informiert, weist Steffen Jäckel zurück. So sei mit der Wohnungsgenossenschaft Glückauf Süd Dresden der Eigentümer der Plattenbauten im Gebiet der Bulgakowstraße durchaus informiert worden. Und: Erst vor wenigen Wochen habe die WiD das Vorhaben in der öffentlichen Sitzung des Be­zirksbeirats Plauen vorgestellt. Abgesehen von der Frage nach der Anzahl der Parkplätze habe es dort keinerlei Widerspruch gegen das Vorhaben gegeben.

Von Sebastian Kositz

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