Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Neuer Betreiber für Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Dresden – Sorge um Therapien
Dresden Lokales Neuer Betreiber für Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Dresden – Sorge um Therapien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:23 28.06.2017
Quelle: 91355393

Die Landesdirektion Sachsen hat am Mittwoch im Verfahren zur Vergabe von Leistungen zur Unterbringung, Betreuung und Versorgung von Asylbewerbern in den Unterbringungsobjekten der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) im Raum Dresden den beteiligten Bietern mitgeteilt, wer den Zuschlag erhalten soll. Danach geht diese Aufgabe für 18 Monate an die European Homecare GmbH. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Dresden mit.

Die Vergabe der Leistung erfolgte durch ein sogenanntes offenes Verfahrens, das am 22. Februar 2017 europaweit bekannt gemacht worden war. Die Bieter konnten bis zum 31. März 2017 Angebote abgeben, die Wertungsphase der Angebote sei am 27. Juni 2017 abgeschlossen worden. Laut Vergaberecht ist für die Erteilung des Zuschlages die Eignung und Zuverlässigkeit des Anbieters sowie die Wirtschaftlichkeit des Angebotes maßgebend.

Das Vergabeverfahren ist mit der Information der Bieter noch nicht abgeschlossen. Unterlegene Bieter können Widerspruch gegen die beabsichtigte Vergabe einlegen und eine Prüfung vor der Vergabekammer des Freistaates Sachsen erreichen, erklärte die Landesdirektion.

Für die Übergangszeit nach dem Ende des laufenden Vertrags bis zur Übernahme der vereinbarten Leistung durch den erstplatzierten Bieter wird die Dresdner Erstaufnahme durch den DRK Landesverband Sachsen e.V. als Interimsbetreiber fortgeführt. Die Leistung des Wachdienstes in den Dresdner Erstaufnahmeeinrichtungen sei unabhängig vom jetzigen Verfahren bereits im Mai 2017 an Ihre Wache GmbH vergeben worden.

Nach den Angaben der Landesdirektion war die Neuausschreibung der Erstaufnahme-Leistung notwendig geworden, weil der dazu bisher wirksame Vertrag zum 30. Juni 2017 endet.

Die unklare Zukunft war auch der Grund für einen offenen Brief, den unter anderem mehrere Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vom Team Krisensprechstunde EAE Hamburger Straße und Bremer Straße unterzeichnet haben. In dem Schreiben an Innenminister Markus Ulbig (CDU) sowie Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), das auch dem sächsischen Ausländerbeauftragten, Geert Mackenroth (CDU) sowie der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) zugeleitet wurde, warnen die Fachleute vor dem Aus für ihre bisherige Therapie-Arbeit. Das Team habe unter anderem Krisensprechstunden und Maltherapie für Kinder und Eltern angeboten. Die Finanzierung sei mit Spendengeldern erfolgt, die vom DRK eingeworben worden. Die Arbeit sei neben den Aktivitäten viele anderer Institutionen (Museen der Stadt, Theater, Staatsschauspiel, Sportvereine, Zirkusprojekt, ABC) ein Bestandteil für das Gelingen einer guten Integration. Dieser wichtige Beitrag bei der Verarbeitung der Erfahrungen von Flucht und Traumatisierungen im Heimatland sei nur durch die erarbeiteten Strukturen und die Spenden der Bürger möglich. „Zu unserem Bedauern“, so schrieben die Autoren in dem am Mittwoch verbreiteten Brief, „ist bis jetzt unklar, was mit den Erstaufnahmeeinrichtungen nach dem 30. Juni geschieht“.

Die Fachleute befürchten, dass die von ihnen mitaufgebauten Strukturen zusammenbrechen. Da die Arbeit aber Voraussetzung und Grundlage für eine gute Integration sei, appellierten sie an den Freistaat, im Sinne der Kinder und Jugendlichen, die bestehenden Strukturen auch auf ehrenamtlicher Ebene zu erhalten und nahtlos fortzuführen. Dabei gehe es nicht nur um die Zukunft der traumatisierten Flüchtlinge, sondern auch um die Zukunft „unserer Stadt und des Freistaats“.

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Weiterbildung über erneuerbare Energien - Umweltexperten aus aller Welt zu Gast im Dresdner Rathaus

Die Experten kommen aus Schwellen- und Entwicklungsländern und absolvieren an der TU Dresden einen Umweltmanagementkurs.

28.06.2017

Per iPad erstellen die Teilnehmer eine spannende Geschichte. Die Veranstaltung richtet sich an Jugendliche ab zwölf Jahren.

28.06.2017

Seit kurzem ist das Deutsche Hygienemuseum noch behindertenfreudlicher. Grund ist die Einführung einer Gebärdensprachen-App.

28.06.2017
Anzeige