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Lokales Neuer Anlauf für Wiederbelebung des Fernsehturms in Dresden
Dresden Lokales Neuer Anlauf für Wiederbelebung des Fernsehturms in Dresden
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17:39 09.09.2015
Der Fernsehturm. Quelle: Ralf Hirschberger

Eberhard Mittag, der zu den Vorsitzenden und Gründern des Vereins gehört, will auf der nächsten Hauptversammlung eine Stiftungs-Gründung, eine neue Petition sowie Eingaben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Bundespräsidenten Joachim Gauck vorschlagen. "Die Dresdner sind sehr interessiert an einer Wiedereröffnung des Fernsehturms", betonte er. "Wir lassen nicht locker."

Neue Online-Petition soll 25 000 Unterschriften sammeln

Nachdem die jüngste Petition über 11 000 Dresdner und Dresden-Freunde unterschrieben hatten, will Mittag nun eine weitere Online-Eingabe initiieren, die 25 000 Unterstützer finden, sich diesmal aber nicht an die Stadtspitze, sondern an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) wenden soll. Er hofft auf prominente Unterstützer wie den Kabarettisten Uwe Steimle und den Gastronom Wolle Förster.

"Als Dresdner würde ich das nur gut finden, wenn man in den Fernsehturm wieder hineinkäme", sagte Förster - der übrigens ebenso wie der Fernsehturm am 7. Oktober Geburtstag hat - auf DNN-Anfrage. "Ich bin jederzeit bereit zu helfen, wenn dafür eine Chance besteht."

Allerdings ist Förster skeptisch, dass eine Wiedereröffnung des Turmcafés ohne Unterstützung des Eigentümers Telekom funktionieren könne - und die hatte sich bisher immer aus Kostengründen quergestellt (DNN berichteten mehrfach). Denn neben den Kosten für die auf zehn Millionen Euro geschätzte Sanierung und Brandschutz-Ertüchtigung des Turms dürfte es laut Förster angesichts vieler rechtlicher Auflagen für jeden Wirt schwierig sein, ein Turmcafé ohne Zuschüsse kostendeckend zu betreiben.

Da hat indes der einstige Fernsehturm-Mitplaner und frühere "Fischhaus"-Gaststättenchef Klaus Martin einen Vorschlag parat: Das Ganze rechne sich nur, wenn auch am Fuße des Turms eine Gastronomie etabliert werde. Dies habe er schon zu DDR-Zeiten so geplant - nebst einer Seilbahn, die die Wachwitzer Höhen hinaufführt. Doch die DDR-Wirtschaftslenker ließen die für Dresden bestimmte Seilbahn am Hexentanzplatz im Harz installieren, von der Fuß-Gaststätte entstanden nur die Grundmauern.

Nun hat der 72-Jährige seine einstigen Pläne wieder aus der Schublade geholt und modifiziert. In einem Brief, den er jetzt an Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) geschickt hat, schlägt Martin der Rathausspitze vor, das Fernsehturm-Areal zu einem Wissens- und Erlebnisstandort "Televersum" mit Turmcafé, Fuß-Gaststätte, Wissenschaftszentrum und Seilbahn zu entwickeln. "Dort könnte sich Dresden von seiner modernen Seite zeigen, das wäre ein überörtlicher Anziehungspunkt", ist er sicher. Denn wie Förster ist er überzeugt: "Mit 130 Plätzen allein im Turmcafé oben bekommen Sie keinen wirtschaftlichen Betrieb hin." Für einen Erlebniskomplex hingegen werde sich bestimmt ein Investor finden - für ein ähnliches Wissenschaftsmuseum, das das Stadtplanungsamt vor Jahren für das Ostragehege entworfen hatte, habe sich damals auch eine Versicherung interessiert. Für die kommende Woche hat er zudem den Produktionschef eines führenden Seilbahn-Anbieters nach Dresden eingeladen, sich den Standort anzuschauen. Martin ist überzeugt: "Wenn man das richtig macht, amortisiert sich so eine Seilbahn zwischen Tolkewitz und Fernsehturm in fünf bis acht Jahren."

Unter den meisten Fernsehturm-Freunden hat sich ohnehin inzwischen weitgehend die Erkenntnis breit gemacht, dass eine Wiederbelebung des Dresdner Wahrzeichens nur durch eine Mischfinanzierung möglich sein dürfte, an der sich Telekom, Stadt und private Spender beteiligen müssten. Zwar hat Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) jüngst versucht, die zehn Millionen Euro für eine Fernsehturm-Sanierung in den Stadthaushalt einzuschleusen. Aber die Chance, dass der Stadtrat dies genehmigt, ist eher gering. Denn zuvor hatte der Stadtrat bereits eine städtische Stiftungs-Gründung verworfen.

Stiftung könnte ab 2015 Spenden einwerben

Mittag will daher dem Förderverein auf der nächsten Hauptversammlung im November vorschlagen, selbst im kommenden Jahr eine Stiftung zu gründen. Die soll sich dem Erhalt von Dresdner Kulturdenkmälern widmen, aber vor allem nach dem Vorbild von Frauenkirche und Lingnerschloss Kleinspenden für den Fernsehturm sammeln. "Dann werden wir ja sehen, ob all die, die nach der Wiedereröffnung des Fernsehturms gerufen haben, auch bereit sind, dafür ein paar Euro zu geben", sagte Mittag.

Der Dresdner Fernsehturm war zum DDR-Nationalfeiertag am 7. Oktober 1969 eingeweiht worden und beherbergte seinerzeit ein Turm-Café, das als Ausflugsziel sehr beliebt war. Nach der politischen Wende machte das Café zu. Seitdem wird der Turm nur noch für technische Zwecke wie den Handy- und Fernsehfunk genutzt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.10.2014

Heiko Weckbrodt

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