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Neue Schule für Pieschen

Dresden Neue Schule für Pieschen

Vier Lehrer planen in Pieschen die erste Schule in freier Trägerschaft. Im August 2018 soll es losgehen mit einer ersten und einer fünften Klasse, und im Laufe der Zeit soll sich das Projekt zu einer richtig großen Schule mausern. Die ersten Anmeldungen laufen ein, Lehrer gibt es auch schon. Wir haben mit Michael Hecht, einem der Gründer, gesprochen.

Im Bild von links die vier Gründer: Der promovierte Erziehungswissenschaftler Michael Hecht, Kunstpädagogin Claudia Meusel, Erziehungswissenschaftlerin Katharina Weinhold, Diplomberufspädagoge und Zimmerer Georg Flade.

Quelle: augenscheinlich foto & grafik

Dresden. Eine neue Schule für Pieschen ist erklärtes Ziel von einer Handvoll Pädagogen, die nächstes Jahr schon für eine erste und fünfte Klasse Unterricht anbieten wollen. Mit Dr. Michael Hecht, einem der potenziellen Gründer, haben wir gesprochen.

DNN: Eine neue Schule gründen – wieso?

Michael Hecht: Wir vier hatten in verschiedenen Kontexten diesen Traum von einer eigenen Schule. Wir dachten: Das wär’ doch was, eigene pädagogische Ansätze zu verfolgen, ein kleines Schiff zu lenken.

Warum Pieschen?

Das ist wunderbar durchmischter Stadtteil – das passt zu unserem Ziel, eine Schule für alle zu sein - unabhängig von Geld, Leistung oder Geburtsland. Wir wollen als Stadtteilschule in Wechselwirkung treten mit dem Umfeld – das sehen wir als explizites Konzept.

Was prädestiniert sie für so einen Plan?

Wir kommen alle aus der Lehrerausbildung, wir wissen, was Lehrer an öffentlichen Schulen leisten, glauben aber, an einer kleinen Schule manches anders und hoffentlich besser machen zu können.

Was wollen sie anders machen als andere Schulen?

Es gibt viele Möglichkeiten, eine gute Schule zu machen, und viele Konzepte werden schon umgesetzt. Wir wollen keine Gegenschule sein – aber wir haben klare Vorstellungen, was wir gut finden und sehen das nicht großflächig im Angebot.

Was heißt das konkret?

Das meiste gibt es schon in Dresden und anderswo – wir planen nur eine speziellere Mischung. Wir berücksichtigen unterschiedliches Lerntempo durch individuelles Lernen, sehen aber auch Bedarf an gemeinsamen Lernwegen, in denen bestimmte Themen in der Gruppe durchdacht werden.

Was meint der Name Kulturwerkschule?

Der fasst gut zusammen, was uns wichtig ist. Zum einen Kultur im weitesten Sinne – also nicht nur Tanzen und Orgelbau, sondern Bildung insgesamt, Fragen wie: Wie gehen wir miteinander um? Wie wandeln sich Sprache, Glaube, Herkunft? Wie schlägt sich das nieder in Stil, Literatur, Hochkultur? Es geht auch darum, andere Kulturen kennenzulernen. Oder anhand von Architektur und auch Kunst bewusst zu erleben, wie wir wurden, was wir sind. Und es geht zum anderen ums Schaffen: Werk. Ums Gestalten mit Kopf und Händen, kreativ mit Materialien zu sein, aber auch beim Texten, Komponieren oder Theaterspielen. Am Ende soll etwas fertig sein – ein Produkt, egal ob technisch oder künstlerisch.

Wie weit ist die Planung?

Der Antrag bei der Bildungsagentur muss bis 1. Dezember gestellt sein. Wir haben ein Grundstück in Pieschen nahe dem Theaterhaus Rudi gekauft. Für die vollausgebaute Schule benötigen wir weitere Grundstücke oder Gebäude. Darüber verhandeln wir gerade. Da ein Neubau Jahre braucht, suchen wir parallel in Pieschen nach einer Interimslösung, an der wir erst einmal mit einer ersten und einer fünften Klasse starten können. Zur Not ginge das auch in Containern. Bis spätestens März soll klar sein, wie und wo wir zum neuen Schuljahr ab 11. August 2018 beginnen.

Wie ist die Resonanz bei den Eltern?

Erstaunlich gut. Wir informieren derzeit öffentlich, es kommen viele Anmeldungen rein. Wir peilen für die zwei Startklassen eine Größe von jeweils 25 an, ab 20 würde das die Finanzierung tragen. Bei mehr Anmeldungen tritt ein Auswahlverfahren in Kraft, das wir auf unserer Homepage beschreiben.

Wie finanzieren sie das Projekt?

Das läuft ja so: Der Staat bezahlt laut Gesetz 90 Prozent der Kosten, die im Landesdurchschnitt pro Schüler auflaufen. Für die restlichen zehn Prozent wird Schulgeld erhoben. In einer dreijährigen Anlaufphase bekommt eine neue Schule nur 40 Prozent der 90 Prozent – übersteht man die drei Jahre, bekommt man rückwirkend weitere 40 Prozent ausbezahlt. Heißt, für die ersten Jahre müssen wir einen Kredit aufnehmen und den über die Elternbeiträge bedienen.

Wo etwa liegen die?

Wir erheben 100 Euro pro Kind und Monat, dazu Geld für Material und Klassenfahrten. Das wären für die Erstklässler 130 Euro, für die Fünftklässler 143 Euro. Mit Essengeld und Hortkosten kommen Eltern auf Monatsbeiträge von 300 Euro in der Grundschule, für die größeren Kinder, die keine Hortbetreuung brauchen, auf 203 Euro.

Haben sie schon Lehrer?

Wir haben einen Pool von 20 bis 25 Pädagogen und Lehramtsstudenten, die am Konzept mitschreiben. Für die Startphase haben wir 2,5 Stellen zu vergeben, die wir gern auf vier Lehrer verteilen wollen. Zwei Lehrer haben wir schon, weitere Bewerbungen sind willkommen. Die Gründer selber werden eher die Geschäfte der gGmbH führen, können aber ab und an auch vor den Klassen stehen.

Was bezahlen sie?

Wir werden 90 Prozent des an staatlichen Schulen üblichen Gehalts zahlen, merken aber, dass das Geld vielen Lehrern gar nicht sooo wichtig ist. Viele wollen ein gutes Team und eine gute Idee. Beides haben wir.

Zukunftspläne?

Na klar: Bis 2030 sollen bei uns etwa 700 Schüler unterrichtet werden.

Interview: Barbara Stock

https://www.kulturwerkschule.de/

Von Barbara Stock

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