Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Neue Pläne für Asyl-Container in der Johannstadt
Dresden Lokales Neue Pläne für Asyl-Container in der Johannstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:51 21.09.2018
Nie benutzt: die Containersiedlung an der Ecke Blasewitzer/Fetscherstraße, hier im April 2017. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Eigentlich sollten die Container schon so gut wie verschwunden sein. Bis Ende September, so lautete noch im Frühjahr die Ansage des Freistaats, wird die bis Mitte 2016 aus dem Boden gestampfte, al­lerdings nie genutzte Containersiedlung für Flüchtlinge an der Fetscherstraße/Blasewitzer Straße abgerissen. Nur passiert ist – genau: nichts. Und daran wird sich auch in den nächsten Monaten nichts än­dern. Denn der Freistaat hat nun plötzlich andere Pläne.

Als Ende 2015 immer mehr Geflüchtete auch nach Sachsen kamen, war guter Rat teuer. In Windeseile wurden Notunterkünfte eingerichtet, der Bau neuer Erstaufnahmeeinrichtungen in Auftrag ge­­­ge­ben. Auch an der Kreuzung am Rand der Johannstadt entstand eine neue Un­terkunft, in nur wenigen Monaten zusammengezimmert aus immerhin 525 Containern. Doch als die Siedlung im Juni 2016 fertig war, gab es plötzlich keinen Bedarf mehr. Anders als erwartet war die Zahl der Flüchtlinge in der Zwischenzeit wieder deutlich gesunken. Die Einrichtung ist des­halb nie genutzt worden.

Die Kosten für den Auf- und den Ab­bau der Siedlung hatte das zuständige Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) zu­letzt auf 6,26 Millionen Euro ge­schätzt. Darüber hinaus fielen allein bis dieses Frühjahr weitere 374 000 Euro Be­triebskosten an. Und: Die Container wa­ren gemietet. Zu den Kosten hatten Vermieter und Freistaat Still­schwei­gen vereinbart. Inzwischen zahlt das Land dafür aber gar keine Miete mehr. Denn der Freistaat hat die Container vor wenigen Tagen kurzerhand gekauft.

Blick auf einen der Wohncontainer an der "BlaFe". Foto: Anja Schneider

Wie das SIB auf Nachfrage der Dresdner Neuesten Nachrichten erklärte, habe sich der „Freistaat für einen Ankauf im September 2018 entschieden“. Denn die Container kann die Landesverwaltung gut gebrauchen, wie sich nach einer Prüfung herausstellte – weil andernorts in Ein­richtungen des Landes der Platz fehlt.

Hinter dem neuen Plan mit den Containern steckt allen voran die Anfang des Jahres mit viel Tamtam ausgerufene Ausbildungsoffensive der Staatsregierung. In den nächsten zwölf Jahren geht jeder zweite Mitarbeiter der Landesverwaltung in den Ruhestand. Deshalb will sich Sachsen nun verstärkt Nachwuchs für die Amtsstuben und andere Institutionen her­anzüchten. Doch der Platz in den Ausbildungszentren ist begrenzt – weshalb dort nun baulich auf­gerüstet werden soll.

Etwa ein Drittel der Container, so heißt es von der Immobilienbehörde, sei bereits „fest eingeplant zur Schaffung zusätzlicher Raumkapazitäten in der Landesfeu­erwehrschule in Nardt“, wenige Kilometer westlich von Hoyerswerda. Bis Frühjahr des kommenden Jahres sollen dazu die Container von Dresden in Richtung Brandenburger Grenze gekarrt werden. Und auch für die übrigen Blechbehausungen haben die Verantwortlichen vom Freistaat schon konkrete Verwendungsorte im Au­ge. Denn damit will das Land den Platz an seiner Verwaltungshochschule in Meißen so­wie am Ausbildungszentrum in Nie­derbobritzsch aufstocken. „Auch hier ist mit der Umsetzung der Container im Lauf des kommenden Jahres zu rechnen“, informiert das SIB.

Wie viel der Ankauf der Container ge­kostet hat, lässt die Behörde offen und verweist wie bei der Miete auf die im Vertrag vereinbarte Vertraulichkeit. Was kon­kret nach dem erfolgten Abriss der Siedlung auf dem Ge­lände an der Fetscherstraße/Blasewitz­er Straße passiert, ist ebenso noch offen. Das Grundstück, so heißt es lediglich, soll als Fläche für die Wissenschaft vorgehalten werden.

Weiterlesen: Verrechnet: Dresdens teure Asylunterkünfte

Von Sebastian Kositz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Aktuelle Stunde im Stadtrat - Dresden bilanziert Dürreschäden

Der Sommer war heiß und trocken. Der Stadtrat debattiert darüber, wie Dresden in extremen Wetterlagen lebenswert bleiben kann. Die Umweltbürgermeisterin kündigt einen Schadensbericht für das Dürrejahr an.

20.09.2018
Lokales Ferdinandplatz in Dresden - Linke lehnen dreifachen Preis ab

Die Stadt will einen riesigen Preis für ein kleines Grundstück am Ferdinandplatz zahlen. Die Linken im Stadtrat kündigen Protest an. Die Verwaltung solle für den Rathausneubau Varianten prüfen, die ohne die Flächen auskommen.

20.09.2018
Lokales Deutscher Akademischer Austausch Dienst - Ungarische Studentin ausgezeichnet

Den mit 1000 € dotierten Preis des DAAD für hervorragende Leistungen ausländischer Studie­render verleiht die Evangelische Hochschule Dresden (ehs) in diesem Jahr an ihre ungarische Absolventin Katalin Vass.

20.09.2018