Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Neue Kinderbeauftragte in Dresden will nicht als „Papiertiger“ enden
Dresden Lokales Neue Kinderbeauftragte in Dresden will nicht als „Papiertiger“ enden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 09.08.2018
Anke Lietzmann will Kindern und Jugendlichen die Beteiligung an Entscheidungen in der Stadt erleichtern. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Vor Jahren gab es bereits zwei Anläufe für einen Kinderbeauftragten in Dresden, die schnell wieder endeten. Offenbar fehlte der Rückhalt in der Verwaltung. Jetzt startet Anke Lietzmann in das Amt und zeigt sich kämpferisch.

Sie sind seit 1. Juni im Amt. Was ist Ihre Aufgabe, was waren Ihre ersten Aktivitäten?

Meine Aufgabe ist die Interessensvertretung von Kindern und Jugendlichen bis 26 Jahre. Ich bin allerdings weder ein Kind noch bin ich jugendlich. Also muss ich die Kinder und Jugendlichen fragen, was ihre Probleme, ihre Interessen sind, was sie bewegt. Es gibt mehrere Beschreibungen meiner Stelle, bei denen einzelne Punkte schon eine 40-Stunden-Woche ausfüllen würden. Ich muss nun erst einmal sehen, was gehört tatsächlich alles zu meinem Aufgabengebiet und welche Erwartungshaltungen gibt es. Ein wesentlicher Teil ist natürlich die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Das Ergebnis meiner Überlegungen fließt dann in ein Konzept ein, das ich erarbeiten soll.

Wie wollen Sie das schaffen?

Im Moment bin ich alleine. Ich hoffe aber, dass ich bald eine Praktikantin oder einen Praktikanten bekomme. Ich kann gut Bändchen durchschneiden und in Kindereinrichtungen gehen und einen guten Eindruck machen. Das kann man allein sicher gut bewältigen. Aber für den Umfang, für den das Amt eigentlich ausgelegt ist und für die Aufgaben, die ich mir vorstelle, braucht es dringend noch eine_n Mitarbeiter_in. Ob diese kommt oder nicht, davon wird auch der Umfang meiner Arbeit abhängen. Momentan steht diese Stelle aber nicht im Haushalt.

Wo wollen Sie Kinder und Jugendliche ansprechen?

Ich komme aus der Freien-Träger-Landschaft. Da kenne ich die Beteiligungsmöglichkeiten und habe auch ein relativ großes Netzwerk. Bei den Kindertagesstätten wird dies eher über die Erzieher_innen laufen. Die Beteiligung von Schülern_innen ist ein weites Feld, das ich mir noch erarbeiten muss. Ich will dazu mit dem Landesamt für Schule und Bildung in Kontakt kommen und mit den Lehrern_innen.

Wie sieht es mit der Stadtverwaltung aus?

Meine Aufgabe ist es auch hier, dafür zu sorgen, dass Verwaltung die Interessen von Kindern und Jugendlichen immer mitdenkt. Deshalb muss ich in allen Ämtern die Mitarbeiter_innen dafür sensibilisieren. Dazu bin ich auch schon in fast in allen Ortsämtern gewesen und ich werde auch alle Ortsbeiräte besuchen. Dort fallen wichtige Entscheidungen für die Kinder und Jugendlichen in den Stadtteilen. Ein wesentlicher Partner ist für mich das Kinder- und Jugendbüro, das seit Ende 2017 arbeitet.

Was ist für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen wichtig?

Sie müssen lernen, Argumente auszutauschen und auf den anderen zu hören, damit am Schluss ein Kompromiss stehen kann. Außerdem müssen sie lernen, wie Politik in der Stadt funktioniert, wer wofür verantwortlich ist und welche Rolle spielt, damit sie wissen, wie sie sich beteiligen können. Dazu erarbeiten wir mit dem Kinder- und Jugendbüro gerade einen Methoden-Koffer, der diese Inhalte auch optisch mit Comics vermittelt. Auf die gleiche Weise vermitteln wir auch, was eine Kinder- und Jugendbeauftragte macht. Ich gehe natürlich auch in die Fraktionen, weil auch Politiker_innen in ihren Aktivitäten an Kinder und Jugendliche denken müssen.

Sie hatten vor vielen Jahren eine Vorgängerin, die aufgrund fehlender Unterstützung aus der Verwaltung letztlich aufgegeben hat, wie lange wollen Sie im Amt bleiben?

Ich kenne diese Geschichte und habe mich sehenden Auges auf die Stelle beworben. Vom Stadtrat bin ich mit großer Mehrheit gewählt worden. Darüber habe ich mich sehr gefreut und sehe das als gute Voraussetzung für eine sachorientierte Arbeit. Prinzipiell ist die Stelle ist nicht befristet.

Dresden ist jahrelang ohne Kinder- und Jugendbeauftragte ausgekommen, mancher fragt sich womöglich, wozu dieser Posten nun notwendig ist. Was sagen Sie da?

Kinder und Jugendliche sollen an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen können. Wer eingebunden ist, fühlt sich nicht ausgestoßen. Für mich ist daher Demokratieerziehung, Demokratiebildung ganz wichtig – gerade in der heutigen Zeit.

Wie wäre es mit einem Jugendparlament für Dresden?

Im Zusammenhang mit einem CDU-Antrag zum Ermöglichen echter Beteiligung recherchieren wir gerade, welche Beteiligungsmodelle es in Dresden schon gibt. Für Jugendliche ist da auch schon eine ganze Menge vorhanden. Ich finde, Jugendparlamente können eine Möglichkeit davon sein. Aber sie werden schnell zu Einrichtungen, in denen eine Elite versucht, sich darin zu üben, Politik zu machen. Ich möchte aber, dass Jede und Jeder in die Lage versetzt wird, sich an unserer Gesellschaft zu beteiligen – das heißt, auch die Kids aus den eher bildungsfernen Schichten. Deshalb sollten beispielsweise die Schülerräte gestärkt werden. Über die Schulen und die bereits vorhandene Struktur der Schülerräte erreicht man alle Schüler_innen. Parallel dazu müsste der Sprecher des Stadtschülerrats im Jugendhilfeausschuss viel stärker unterstützt werden, um Themen und Meinungen der Schüler_innen einzubringen zu können.

Welche Kompetenzen haben Sie, was können Sie bewirken? Bleiben Ihnen nur Appelle?

Es ist schon so, dass ich zwar zu allen Sitzungen gehen kann, zu allen Themen kann ich Stellung nehmen. Aber letztlich kann ich niemandem etwas befehlen. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche von Anfang an in Entscheidungen einbezogen werden und nicht erst am Schluss, wenn die Vorlage für den Stadtrat auf dem Tisch liegt. Für dieses Verständnis zu werben, sehe ich als meine Aufgabe.

Fürchten Sie die Gefahr, dass Sie als Papiertiger gesehen werden?

Man kann in diesem Amt als Papiertiger enden, aber ich habe nicht die Absicht dazu.

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1955.

11.08.2018

Am vergangenen Wochenende stürzte eine „Tante Ju“-Maschine in den Schweizer Alpen ab. Dass derzeit keine dieser Flugzeuge über Dresden zu sehen sind, habe aber nichts damit zu tun, sagt die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung.

07.08.2018

Über 2000 bewegungsfreudige Dresdner schwitzten in diesem Sommer bei Qui Gong und Dance Fitness im Grünen. Mit 600 Teilnehmern mehr als im vergangenen Jahr ist die städtische Aktion „Fit im Park“ damit klar auf Erfolgskurs.

07.08.2018
Anzeige