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Lokales Naturschutz und Schifffahrt auf der Elbe: Das Konzept ist da, die Lösungen nicht
Dresden Lokales Naturschutz und Schifffahrt auf der Elbe: Das Konzept ist da, die Lösungen nicht
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13:09 08.11.2017
Naturschutz und Schifffahrt – geht beides auf der Elbe zusammen? Quelle: picture alliance / ZB
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Dresden

Naturschutz und Schifffahrt – geht beides auf der Elbe zusammen? Mit dieser Frage beschäftigte sich im Rahmen der Umweltgespräche „4 Elemente“ ein hochkarätig besetztes Podium am Dienstagabend im Plenarsaal des Dresdner Rathauses und fand keine Antwort. Er habe viele gegensätzliche Argumente gehört, die alle ihre Richtigkeit hätten, meinte Umweltamtsleiter Christian Korndörfer am Schluss. Die Debatte sei noch nicht entschieden, die Zeit müsse zeigen, was künftig schwerer wiege, die Naturbelassenheit der Elbe oder die Funktionalität der Bundeswasserstraße. An der Elbe ist alles im Fluss.

Dabei hat der Bundestag im Juni das sogenannte Gesamtkonzept Elbe vereinbart. Das Papier soll eigentlich die Positionen der Naturschützer mit denen der Elbschiffer versöhnen. Wie mit dem Kompromisspapier umzugehen ist, scheinen beide Seiten aber nicht so recht zu wissen. Das wurde auch in der Diskussion deutlich, bei der sich schnell eine Gegensatz zwischen Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO) und Klaus Kautz, dem Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Dresden, auf der einen Seite und der eifrig attackierenden BUND-Vertreterin Iris Brunar und dem um Ausgleich ringenden Grünen-Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn bildete.

Der Alberthafen sei ein wichtiger logistischer Umschlagplatz, der für die Zukunft bewahrt werden müsse, sagte Loroff. Es sei ein Anwachsen des Güterverkehrs um mehr als 30 Prozent bis 2030 zu erwarten. „Die Schiene und die Straße sind voll – wir brauchen die Wasserstraße“, folgert er. Gleichwohl ist deren Bedeutung trotz enormer Ausgaben – Brunar spricht von 600 Millionen Euro Investitionen in Wasserstraße und Häfen in den letzten 20 Jahren – ins Bedeutungslose gefallen. Neun Millionen Tonnen wurden 1989 über die Elbe transportiert, gegenwärtig seien es 0,2 bis 0,3 Tonnen, sagt der Grünen-Verkehrsexperte Kühn. „Und das trotz aller Förderung – die Anforderung an eine Logistik haben sich einfach geändert.“ Mehr als 90 Prozent des Umsatzes mache der Alberthafen heute über Transporte auf Straßen und Schienen.

Amtsleiter Kautz sieht dafür vor allem einen Grund: Sieben Engstellen im sachsen-anhaltinischen Elbverlauf, die beseitigt werden müssen. Dort müsse die Fahrrinne vertieft werden – das Gesamtkonzept Elbe hat 1,40 Meter an 345 Tagen als Ziel ausgegeben – wofür es Konzepte brauche. „Wenn wir die sieben Schachstellen wegbekommen, wird sich der Schiffsverkehr erhöhen“, pflichtet Hafenchef Loroff bei. Allein: Gebaut werden darf laut europäischen Bestimmungen nur, wenn sich dabei die Ökologie des Flusses dadurch nicht verschlechtere, eher noch verbessere. Kautz hält das nicht für unmöglich, es werde aber „20 oder 30 Jahre dauern“, bis die letzte Schwachstelle beseitigt werde. Zumal es an Geldern und Personal fehle. Im Dresdner WSA ist derzeit nur eine Wasserbauingenieurin angestellt, die sich mit diesen Fragen beschäftigen kann. Der Bund müsse mehr zur Umsetzung des Gesamtkonzepts Elbe tun, fordert Bundespolitiker Kühn.

Etwas abseits auf dem Podium hatte Robert Rausch, Marketingleiter der Sächsischen Dampfschiffahrt Platz genommen. Das ist nicht ganz sinnbildlich für die Lage der ältesten Raddampferflotte der Welt in dieser Debatte: Sie sitzt zwischen den Stühlen. Einerseits handelt es sich um ein sehr bedeutendes Unternehmen für den Tourismus an der Elbe, den Umweltschützerin Brunar zum Nutzungsideal erhoben hat. Andererseits hat die Dampfschiffahrt seit Jahren mit Niedrigwasser zu kämpfen. Die Schiffe müssten der Lage am in Deutschland weitestgehend naturbelassenen Strom anpassen, sagt Brunar. Für die Dampfschiffahrt ist das gelebte Praxis. In Niedrigwasserphasen werde alles dafür getan, das Gewicht zu reduzieren, etwa indem weniger Trinkwasser in die Tanks komme oder man weniger Passagiere aufs Schiff lasse. Im Winter werden zudem Bänke so umgearbeitet, dass sich ihr Gewicht reduziert. Die Wirkung dieser Eingriffe sei aber nicht unbegrenzt, betont Rausch. Er hoffe, dass sich an der Fahrrinne im Dresdner Raum auch etwas tue. Denn auch hier gebe es „Schwachstellen“, wie WSA-Leiter Kautz bestätigt: „In Rathen, in Pirna und in Dresden“. Auch an deren Beseitigung wolle man arbeiten, verspricht er. Eine schnelle Lösung gebe es jedoch auch dafür nicht.

Das nächste Umweltgespräch der Reihe „4 Elemente“ zum Thema „Gesunder Gartenboden“ findet am 14. November, 19 Uhr, im Plenarsaal des Rathauses statt. Der Eintritt ist frei.

Von Uwe Hofmann

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