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Lokales Schlechte Karten für die Natur- und Umweltschule Dresden
Dresden Lokales Schlechte Karten für die Natur- und Umweltschule Dresden
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16:05 08.05.2018
Das Lehrerkollegium und zahlreiche Eltern verfolgten die Verhandlung. Quelle: Thomas Baumann-Hartwig
Bautzen/Dresden

 Vor dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen (OVG) wird selten plädiert. Die Parteien stellen ihre Anträge, dann berät der Senat. Die Lehrerin Berit Görlich hielt am Dienstag ein leidenschaftliches Plädoyer: „Das ist eine Pionieridee. Lassen Sie uns gemeinsam an dieser guten Sache arbeiten“, rief sie den Vertretern des Landesamtes für Schule und Bildung zu. Die Schüler der Natur- und Umweltschule Dresden (NUS) würden jeden Tag in den Wald gehen. „Sie nehmen Veränderungen wahr, die andere Kinder nicht wahrnehmen können“, machte Görlich die Einmaligkeit der NUS aus ihrer Sicht deutlich.

Lehrer, Erzieher und Eltern der freien Schule waren fast geschlossen nach Bautzen aufgebrochen. Auf dem Hof der Ortenburg, in der das OVG untergebracht ist, rollten sie ein Spruchband aus: „Wenn es die NUS nicht gäbe, müsste man sie gründen.“ Justizbedienstete brachten zahlreiche zusätzliche Stühle zum Verhandlungssaal 5, in dem es reichlich eng zuging: Die Existenz der NUS steht auf dem Spiel.

Landesamt hält die NUS für nicht genehmigungsfähig

Der Standort Dresden des Landesamtes hält die NUS für nicht genehmigungsfähig. Das Verwaltungsgericht Dresden hatte 2015 die damalige Bildungsagentur dazu verdonnert, neu über die Genehmigung der freien Schule zu entscheiden und die verfügte Schulschließung zurückzunehmen. Gegen dieses Urteil war die Landesbehörde in Berufung gegangen. Bei einem ersten Verhandlungstermin im August 2017 hatte der 2. Senat des OVG unter Vorsitz von Matthias Grünberg einen Gutachter beauftragt, das Konzept der NUS auf eine Genehmigungsfähigkeit zu prüfen.
Der Gutachter Joachim Kahlert, ein renommierter Erziehungswissenschaftler aus München, kam laut Grünberg zu dem Schluss, dass ein besonderes pädagogisches Interesse am Betrieb der NUS nicht vorliegt.

Das Konzept sei unausgewogen und lasse sich nicht umsetzen. Heißt: Wenn der Senat dem Gutachter folgt, versagt er der NuS die Genehmigung.
Martin Sträßer, der als Rechtsanwalt den Träger der NUS vor dem OVG vertritt, versuchte denn auch, die Expertise des Gutachters zu erschüttern. Kahlert vertrete nur eine bestimmte Richtung der Erziehungswissenschaft und lasse viele vom Senat gestellte Fragen unbeantwortet. Stattdessen bringe er unzulässig immer wieder seine Auffassung zum Ausdruck, statt das Konzept neutral zu bewerten, so Sträßer.

Regelschule sei das Maß des Unterrichtens

Der Anwalt präsentierte mit dem ebenfalls renommierten Erziehungswissenschaftler Rainer Winkel einen zweiten Gutachter, der zu einer völlig anderen Auffassung als Kahlert kam: „Das Besondere an der NUS ist, dass sie eine ökologische Dimension in die Reformpädagogik trägt“, erklärte der Gelehrte. Die Regelschule sei das Maß des Unterrichtens. „Aber damit sie sich entwickeln kann, braucht sie alternative Ansätze“, so Winkel.
Der Senat müsse Rechtsfragen beantworten, erklärte Grünberg. Und da stehe an erster Stelle die Frage, ob der Senat das ablehnende Gutachten von Kahlert ohne Weiteres durch die wohlwollende Stellungnahme von Winkel ersetzen könne, wie es Sträßer verlange. Aus vorläufiger Sicht des Senats würden dafür keine Gründe vorliegen, so Grünberg.

Der Vorsitzende fragte die Vertreter der Landesbehörde, ob das Konzept der NUS so nachgebessert werden könne, dass es zu retten sei. „Das ist nicht zu retten“, erklärte Regierungsdirektor Gotthard Dorzok. „Es ist so viel Porzellan zerschlagen worden.“ Das Landesamt sei in der Lage, allen Schülern der NUS einen anderen Schulplatz anzubieten, beantwortete Dorzok die Frage des Senats nach den Folgen eines Urteils gegen die freie Schule.

Nachfrage ist groß

65 Kinder besuchen die NUS, 16 Anmeldungen für das Schuljahr 2018/2019 liegen vor. „Wir haben eine Warteliste. Die Nachfrage ist groß. Wir können nicht alle Interessenten aufnehmen“, erklärte Görlich. Trotz der unsicheren Situation habe nicht eine Familie ein Kind abgemeldet. „Alle stehen hinter der Schule und ihrem Konzept.“
Der Senat will am Mittwoch seine Entscheidung mitteilen. Vielleicht bestehe aber auch größerer Beratungsbedarf und das Urteil verzögere sich, erklärte Grünberg.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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