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Lokales Nachwuchsforscher arbeitet in Dresden-Rossendorf an verträglicherer Krebs-Medizin
Dresden Lokales Nachwuchsforscher arbeitet in Dresden-Rossendorf an verträglicherer Krebs-Medizin
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12:00 27.06.2017
Dr. Tanmaya Joshi (links) und Dr. Holger Stephan wollen Medikamente entwickeln, die Tumore gezielt bekämpfen und die Nebenwirkung der Chemotherapie minimieren. Quelle: Detlev Müller
Dresden

Bei der Behandlung von Tumorleiden setzen der indische Humboldt-Stipendiat Dr. Tanmaya Joshi und der HZDR-Wissenschaftler Dr. Holger Stephan auf Medikamente mit Nanopartikeln. Diese sollen bösartige Krebszellen gezielt aufspüren und effektiv bekämpfen. Im Interview sprechen sie über das Potenzial der Nanomedizin, über ihre Zusammenarbeit am Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung und über das Leben in Dresden.

Wie ist der Kontakt zwischen Ihnen zustande gekommen?

Holger Stephan: Durch Leone Spiccia – einen der fähigsten Chemiker weltweit. Ich habe ihn 2006 auf einer internationalen Konferenz kennengelernt. Leider ist er kurz vor Weihnachten verstorben. Er hat an der australischen Monash University in Melbourne geforscht und sich mit Hingabe der Ausbildung junger Wissenschaftler gewidmet. So hat er auch Tanmayas Doktorarbeit betreut, der später wiederum das Studenten-Austauschprogramm zwischen dem HZDR und der Monash University mitorganisiert hat

Und warum wollten Sie unbedingt nach Dresden?

Tanmaya Joshi: Ich bin nach meinem Studium in Indien nach Australien gegangen und habe mich auf Metallkomplexe in der Biologie und Biochemie spezialisiert. Durch die jahrelangen Kontakte wusste ich, dass es am HZDR viele Anknüpfungspunkte gibt, die meine Forschungen voranbringen. Durch das Stipendium der Humboldt-Stiftung konnte ich Ende 2016 mit meiner Frau nach Dresden kommen.

Was versprechen Sie sich von Ihrer Zusammenarbeit? Inwieweit ergänzen sich Ihre Forschungsansätze?

Tanmaya Joshi: Wir wollen Systeme entwerfen, die Krebs aufspüren, durch radioaktiv markierte Stoffe sichtbar machen und auch sehr zielgenau bekämpfen können.

Holger Stephan: Dazu muss man wissen, dass viele Krebspatienten heute Chemotherapien mit Platin-Komplexen bekommen. Die haben die bekannten schlimmen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Würgereiz oder Übelkeit. Weltweit sind Studien im Gange, in diesen Medikamenten das Platin durch das ungiftigere Ruthenium zu ersetzen, das diese Nebenwirkungen so nicht hat. Tanmaya ist ein erfahrener Spezialist für die Charakterisierung von Metallkomplexen für Chemotherapie-Mittel, speziell von Ruthenium-Komplexen. Wir hier am HZDR sind erfahren im Entwurf von Nanosystemen und der Entwicklung von radioaktiv markierten Verbindungen.

„Ohne fähige Köpfe aus aller Welt kaum vorstellbar.“

Unsere Idee ist, Nanosysteme mit Ruthenium-Komplexen und anderen Wirkstoffen, aber auch mit Tumor-suchenden Molekülen und radioaktiven Markern zu versehen. Diese Systeme wollen wir möglichst klein halten, damit sie sich im Körper verteilen und schließlich in den kranken Zellen anreichern können. Ohne internationale Kooperationen und fähige Köpfe aus aller Welt, wie eben Tanmaya Joshi, sind solche anspruchsvollen Projekte kaum vorstellbar.

Wann werden diese Medikamente den ersten Krebspatienten helfen?

Tanmaya Joshi: Das ist sehr schwer zu sagen. Es wird noch Jahre dauern. Aber unsere bisherigen Resultate sind vielversprechend.

Wie lange werden Sie in Dresden bleiben?

Tanmaya Joshi: Das Humboldt-Stipendium läuft Ende 2018 aus, danach werden wir weitersehen.

„Wie hoch das Niveau in Dresden ist, ist mir erst hier klar geworden.“

Und wie sind Ihre ersten Eindrücke? Sie forschen nun seit knapp fünf Monaten am HZDR.

Tanmaya Joshi: Es gefällt mir hier sehr gut. Die Kollegen und überhaupt die Dresdner sind sehr freundlich. Bevor ich herkam, wusste ich kaum etwas über Deutschland und Dresden. Glücklicherweise hat mich Dr. Manja Kubeil aus der Gruppe von Holger Stephan etwas vorbereitet. Sie forscht jetzt im Austausch an der Monash University.

Dass ich besondere Expertise und Ausrüstungen vorfinden würde, war mir durch das Austauschprogramm schon vorher bewusst. Wie hoch das wissenschaftliche Niveau in Dresden ist, ist mir aber erst hier so richtig klar geworden. Das Zelllabor hilft mir sehr weiter, vor allem auch das Spezialwissen der Kollegen zu radioaktiv-markierten Substanzen und zu Nanosystemen. Und für mich als Chemiker ist es ein großer Gewinn, dass es in unserer Gruppe einen exzellenten Biologen gibt. Auch vom neuen Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung am HZDR verspreche ich mir viel.

Von Heiko Weckbodt

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