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Nachhilfe für Azubis

Schulabgänger oft nicht fit für die Lehre Nachhilfe für Azubis

Die Klagen aus der Wirtschaft reißen nicht ab: Schulabgängern fehle es an den grundlegendsten Dingen, Mathe- und Physikkenntnisse sind unterirdisch, für die Mehrzahl der Lehrangebote sind die Youngster ungeeignet. Die Handwerkskammer Leipzig geht eigene Wege und will künftig Nachhilfelehrer an den Start bringen. In Dresden verlässt man sich eher auf die ausbildungsbegleitenden Hilfen der Bundesagentur für Arbeit und bewirbt sich um das Freistaat-Angebot „Brückenkurse“.

Berufswahl nach Maß? Firmen beklagen, dass immer öfter junge Leute schlecht vorbereitet sind auf die Lehre, unmotiviert herangehen oder zuweilen nicht über das nötige Basiswissen verfügen. Nachhilfe ist das Gebot der Stunde, um den Fachkräftenachwuchs bei der Stange zu halten.

Quelle: dpa

Dresden/Leipzig. Faul, undiszipliniert, wenig belastbar und mit grundlegenden Mängeln in Basisfächern wie Mathe, Physik oder Deutsch – die Klagen der Betriebe über die Ausbildungsreife ihrer Azubis klingen seit Jahren gleich. Das Dilemma ist groß, denn Nachwuchs ist überall Mangelware. Was tun?

Die Handwerkskammer (HWK) Leipzig hat jetzt eine eigene Antwort gefunden und will Auszubildenden ihrer Mitgliedsbetriebe Nachhilfe in Mathe und Physik anbieten. Die Crashkurse sollen das Angebot der Agenturen für Arbeit flankieren, die mit der „Assistierten Ausbildung“ schon sehr tief in Fitmach-Programme für die Lehre eingestiegen sind. Wenn in den nächsten Wochen der Bedarf bei den Kammerbetrieben erkundet sei, wolle man „mit zwei Lehrern und einem Kurs für bis zu 25 Personen beginnen“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der HWK Leipzig, Volker Lutz.

In Dresden sitzen die Firmenchefs Lehrstellenbewerbern zuweilen nicht minder fassungslos gegenüber. „Das Handwerk braucht junge Leute, die bereit sind, sich einzubringen und zu engagieren“, erklärte am Donnerstag Dresdens HWK-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski. „Wir können aber seit einigen Jahren feststellen, dass eine deutliche Verengung der Situation auf dem Ausbildungsmarkt eingetreten ist und unsere Betriebe dort sehr unterschiedliche fachliche Kompetenzen bei den Jugendlichen vorfinden.“

An der Elbe baut die Handwerkskammer da eher auf die ausdifferenzierten Angebote der Arbeitsagentur. Die enthielten bereits Nachhilfeunterricht, und man trommle dafür auch bei den Firmen, so HWK-Sprecherin Carolin Schneider auf Anfrage. Außerdem nutze die Kammer das Programm „VerA“ beim Seniorexpertenservice, der in besonderen Fällen auch eine gezielte Prüfungsvorbereitung ermögliche.

„Parallel wollen wir uns für das vom Freistaat Sachsen unter dem Titel „Brückenkurse“ geplante Landesprogramm bewerben“, so Schneider. „Brückenkurse“ sei eher präventiv ausgerichtet und soll künftigen Azubis den Übergang von der Schule in die Ausbildung erleichtern. Dafür würden sie in den Sommerferien gezielt in Bereichen mit Defiziten – vor allem im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich – geschult. „Wir könnten uns zudem sehr gut vorstellen, dass diese Kurse gekoppelt sind mit einer Schulung ,Knigge für Azubis’, in der die Jugendlichen praktische Tipps für den Betriebsalltag erhalten, sowie einem Kurs über die Rechte von Lehrlingen“, fügt Schneider hinzu. Doch noch lägen die endgültigen Ausschreibungskriterien des Landes nicht vor. Gelänge der Start schon in den Sommerferien 2017, plane die Kammer mit einwöchigen Kursen an allen drei Standorten des HWK-Bildungszentrums – also in Dresden, Großenhain und Pirna.

Bei der Industrie- und Handelskammer Dresden sind die Probleme mit Schulabgängern naturgemäß ähnlich. Lars Fiehler, IHK-Geschäftsführer Standortpolitik und Kommunikation, berichtet daher von der Eigeninitiative etlicher Ausbildungsbetriebe, die selbst Nachhilfe anbieten – in der Regel Mathe, Physik, Chemie – damit die eigenen Azubis in der Berufsschule bestehen.

Der Freistaat Sachsen, der die Zeichen der Zeit auch erkannt hatte, gab bereits 2015 den Startschuss für das Programm „Vorrang für duale Ausbildung“. Davon, so informierte zu Monatsbeginn das Wirtschaftsministerium, profitieren bereits 548 Jugendliche mit Startschwierigkeiten beim Übergang in Ausbildung. 346 hätten inzwischen bereits einen Lehrvertrag in der Tasche.

Die bessere Vorbereitung auf eine Ausbildung zahlt sich auch in anderer Hinsicht aus, denn sie verhindert vielleicht, dass junge Leute ihre Lehre abbrechen. Das, so hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ausgerechnet, verursacht in der Regel Kosten von rund 6800 Euro und hätte Frust auf beiden Seiten zur Folge. Denn nicht selten zögen sich Firmen dann ganz aus der Ausbildung zurück.

Hilfe bei der Ausbildung

Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt war im Jahr 2016 fast ausgeglichen. Insgesamt haben knapp 22 000 Jungen und Mädchen mit Hilfe der Berufsberatung eine Ausbildungsstelle gesucht. Gleichzeitig wurden im vergangenen rund Jahr 19 500 betriebliche Ausbildungsstellen angeboten. Rund 1600 davon blieben unbesetzt – weil Bewerber den Anforderungen nicht genügten, sie auf andere Berufswünsche festgelegt waren oder in ihrer Region bleiben wollten. Rund 560 Schulabgänger hatten am Ende keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Um deren Zahl zu minimieren, gibt es die „Assistierte Ausbildung“. Dazu gehören laut Bundesagentur für Arbeit neben Beratungsangeboten auch Ausbildungsbeihilfen, Nachhilfeunterricht, aber auch die intensive Begleitung von der Berufswahl, über die Ausbildung bis hin zum Berufsabschluss.

https://www3.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/Ausbildung/Ausbildungsabbruch/index.htm

Von Barbara Stock und Björn Meine

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