Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 16 ° sonnig

Navigation:
Google+
Nach Buttersäure: Neuer Anschlag mit Steinen auf Asylbewerberheim in Dresden-Stetzsch

Nach Buttersäure: Neuer Anschlag mit Steinen auf Asylbewerberheim in Dresden-Stetzsch

Die Serie von Anschlägen auf Unterkünfte für Asylbewerber in Sachsen reißt nicht ab. Auf ein zu einem Heim umgebautes ehemaliges Hotel im Dresdner Stadtteil Stetzsch flogen laut Polizei am Sonntagabend Steine.

Voriger Artikel
Zu viel Glas verbaut: Treibhaus-Hitze in Uni-Kinderklinik Dresden
Nächster Artikel
Bei kick racism 4 waren Spieler aus der ganzen Welt am Ball

Hunderte Dresdner kamen zum Tag der offenen Tür ins künftige Asylbewerberwohnheim in Stetzsch, das einstige Hotel "Lindenhof".

Quelle: DNN

Sie seien aus einer Gruppe von etwa 30 Menschen heraus geworfen worden. Dabei gingen den Angaben zufolge sechs Scheiben zu Bruch. Die Beamten trafen nach den Vorfall an einer Tankstelle nahe dem Tatort auf 27 Personen und stellten deren Identität fest. Es werde geprüft, ob diese mit der Tat in Verbindung stünden, hieß es. Zur Höhe des Schaden machte die Polizei zunächst keine Angaben.

Hunderte Dresdner hatten erst am Samstagnachmittag die Gelegenheit genutzt, das künftige Asylbewerberwohnheim in Stetzsch zu besichtigen und sich allgemein zum Thema Asyl in Dresden zu informieren. Das Heim hat die Stadtverwaltung im früheren Hotel „Lindenhof“ an der Podemusstraße eingerichtet. Zunächst sollen dort 33 Menschen Platz finden, nach dem brandschutzgerechten Ausbau des Dachgeschosses 40 Personen.

php1eebfdf532201507252053.jpg

Hunderte Besucher strömten ins einstige Stetzscher Hotel "Lindenhof", in dem künftig bis zu 40 Asylsuchende leben werden.

Zur Bildergalerie

Am kommenden Mittwoch werden je zehn Personen aus Pakistan und Afghanistan, zwei aus Syrien und sechs aus „sonstigen asiatischen Staaten“ erwartet, die aus der Chemnitzer Erstaufnahmeeinrichtung nach Dresden kommen, sagte eine Mitarbeiterin des Sozialamtes. Wie die übrigen fünf Plätze besetzt werden, habe die Chemnitzer Einrichtung noch nicht entschieden. Die Human Care GmbH, die in Dresden bereits mehrere Asylbewerberunterkünfte betreibt, wird auch das Stetzscher Haus zunächst betreiben, bis mittels Ausschreibung ein endgültiger Betreiber gefunden ist. Die Ausschreibung sei für das zweite Halbjahr vorgesehen, so die Sozialamtsmitarbeiterin.

Im „Lindenhof“ leben die Asylsuchenden künftig in Ein- bis Dreibettzimmern, deren Einrichtung zum Teil noch aus Hotelzeiten stammt: Betten und Schränke aus dunkelbraunem Holz, dunkle Teppiche in den Gängen, Kühlschränke und Mini-Duschbäder in jedem Raum. Allerdings wurde in den früheren Hotel-Doppelzimmern je noch ein drittes Bett mit schlichtem Metallgestell ergänzt, sodass nun drei Personen auf engem Raum leben. Die drei Einbettzimmer sind für Asylsuchende vorgesehen, die traumatisiert sind oder krankheitsbedingt nicht mit anderen zusammenwohnen können. Anders als beispielsweise im Übergangswohnheim Tharandter Straße müssen die Asylsuchenden nicht auf dem Gang vor den Zimmern kochen, sondern können eine Gemeinschaftsküche mit fünf Elektroherden, drei Spülen und Küchenschränken nutzen. Außerdem steht ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung.

Heimleiter, Sozialbetreuer und Wachdienst vor Ort

Um die Asylbewerber zu unterstützen und auch für Ruhe und Sicherheit zu sorgen, sind tagsüber ein Heimleiter sowie stundenweise ein Sozialbetreuer im Wohnheim. Der Betreuer hilft den Flüchtlingen individuell bei der Eingewöhnung und erledigt beispielsweise Behördengänge mit ihnen. Wenn der Heimleiter Feierabend hat, übernimmt ein Wachdienst. Gemeinsam werde man sich selbstverständlich auch darum kümmern, dass die Hausordnung eingehalten wird, versichert Sozialamtsleiterin Susanne Cordts einem skeptischen Anwohner, der um seinen ruhigen Nachtschlaf fürchtet. Er werde Tagebuch führen, kündigt der Mann mit einem leicht drohenden Unterton in der Stimme an.

Fragen über Fragen an Sozialamtsmitarbeiter – Sachargumente erreichen Besucher nur schwer

phpqOi8eS20150725210043.jpg

Die Stimmung war angeheizt, die Diskussionen mitunter lautstark. Mitarbeiter des Sozialamtes mühten sich, alle Fragen der Besucher zu beantworten.

Quelle: DNN

Für die Sozialamtschefin und ihre Kollegen ist es ein anstrengender Tag in Stetzsch. Ohne Unterlass beantworten sie die Fragen der Besucher – größtenteils besorgte Bürger aus der Nachbarschaft – und bleiben dabei verständnisvoll und ruhig. Neben Details zum Wohnheim sollen sie immer wieder erklären, warum so viele alleinreisende Männer nach Deutschland kommen oder welche Leistungen die Asylsuchenden erhalten. Nicht selten bricht sich bei den Besuchern allgemeiner Frust über die Flüchtlingspolitik oder die vermeintliche Besserbehandlung der Asylbewerber Bahn. Da regt sich ein junger Mann über den Hotelstandard der Unterkunft auf, während Deutsche, die in Gorbitz in einer unsanierten Neubauwohnung lebten, eine Hartz-IV-Unangemessenheitsanhörung bekämen. Häufig wird auch Kriminalität thematisiert. „Hochkriminelles Gesockse“ sei das, echauffiert sich ein älterer Herr sehr laut, und Umstehende fallen mit ihren Beobachtungen und Hörensagen-Geschichten von „klauenden Asylanten“ oder Flüchtlingen, die ihren Pass verbrennen, ein.

Nur manchmal regt sich Widerstand: Als ein junger Mann verkündet, den Menschen in Eritrea gehe es doch verglichen mit Syrern oder Irakern ganz gut, es herrsche kein Krieg und sie müssten nicht hungern, kontert eine junge Frau ruhig: „Dann hätte auch niemand aus der DDR fliehen müssen.“ Doch Fakten, Logik und kühle Köpfe haben es schwer an diesem Nachmittag. Die Stimmung sei „sehr angeheizt“, sagt eine Angestellte des Sozialamts. Ihre Chefin Susanne Cordts formuliert es diplomatisch: „Ich bin froh, dass so viele Leute gekommen sind. Aber ich bedauere, dass wir die Leute nicht so richtig erreichen mit unserer sachlichen Argumentation. Ich bin überzeugt, dass viele Urteile, die ich als Vorurteile bezeichnen möchte, sich günstig entwickeln würden, wenn die Bürger die Asylsuchenden kennenlernen.“ Die Sozialamtsvertreter seien „in Verantwortung genommen worden für Dinge, für die das Land und die Bundespolitik zuständig“ seien, ergänzte Cordts. Es tue ihr leid, dass sie diese Fragen nicht beantworten könne, und hoffe, dass sich die verantwortlichen Behörden solchen Fragen stellten.

Heimbetreiber zuversichtlich

Trotz des „intensiven Meinungsaustauschs“ und der „mitunter schwierigen Diskussionen“ glaubt Volker Bühring vom Heimbetreiber Human Care, „dass das hier eine ruhige Einrichtung wird – schon wegen der geringen Platzzahl – und es ein unauffälliges Miteinander geben wird“.

Wegen Gestank unbekannter Ursache zeitweise keine Zimmerbesichtigung möglich

Ein Umstand, der das Programm am Tag der offenen Tür durcheinanderbrachte, war ein penetranter ranziger Geruch aus dem Keller, den Sozialamtsmitarbeiter gegen 14.15 Uhr bemerkten. Wie ein Polizeisprecher am Abend mitteilte, lautete der erste Verdacht „Buttersäure“. Deshalb mussten vorsorglich alle Besucher Keller und Treppenhaus verlassen. Damit war auch zeitweise keine Besichtigung der Wohnheimzimmer möglich. Der Umweltzug der Feuerwehr rückte an und nahm Schadstoffmessungen vor. Nachdem die Experten keine gesundheitsgefährdenden Stoffe feststellen konnten, wurden das Treppenhaus und die Zimmer gegen 16.15 Uhr wieder geöffnet. Der Verdacht auf Buttersäure hatte sich nicht bestätigt, so der Polizeisprecher. Es sei unklar, was die Ursache für den Gestank war. Ein Straftatverdacht liege nicht vor.

ttr/dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Lindenhof in Dresden-Stetzsch

Dresden. Knapp vier Monate nach einem Anschlag auf die Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Hotel Lindenhof in Dresden-Stetzsch hat die Polizei jetzt zwei Verdächtige festgenommen.

mehr
Mehr aus Lokales
Anzeige

Es gibt Aufgaben, für die kommen nur die Besten in Frage, denn hier geht es um die Wurst! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de Online-Grillen. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.