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Lokales „Nach 70 Jahren in der Erde werden die Bomben unberechenbarer“
Dresden Lokales „Nach 70 Jahren in der Erde werden die Bomben unberechenbarer“
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15:23 22.10.2018
Ein Bagger entfernt den Unterbau der zuvor abgefrästen Asphaltschicht über der vermuteten Bombe, die in zwei bis drei Metern Tiefe liegt. Quelle: Catrin Steinbach
Dresden

Am Dienstag, 23. Oktober, ist der Tag der Tage. Denn dann geht Sprengmeister Holger Klemig mit seinen Kollegen vom Kampfmittelbeseitigungsdienst dem Verdacht auf den Grund, ob es sich bei dem Gegenstand zwei bis drei Meter unter der Erdoberfläche auf dem Grundstück am Messering tatsächlich um eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt.

Luftbild zeigt Einschlag an der Stelle

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, sagen die Experten. Sie begründen ihren Verdacht mit der Tatsache, dass im Zweiten Weltkrieg auch Bomben auf das Ostragehege gefallen sind, wenn auch nicht viele. Eine historische Luftaufnahme zeige einen Einschlag an der Stelle. Zudem gebe es Anomalien im Erdmagnetfeld, die den Verdacht nahelegen, dass es sich um eine Bombe handelt. „Aber ob es wirklich eine ist, das wissen wir erst, wenn wir sie freigelegt haben“, betont Klemig. Und das passiert eben erst am Dienstag.

Asphaltschicht am Montag beseitigt

Am Montag wurde zunächst die Asphaltschicht auf einer Fläche von vier mal fünf Metern auf dem Grundstück neben dem Kühlhaus weggefräst und weggebaggert. Mittels in Bohrlöchern abgesenkten Sonden sollte dann die genaue Lage „des Störkörpers“ festgestellt werden.

Erst am Dienstag wird Bombe freigelegt

„Und dann arbeiten wir uns bis maximal einen halben Meter an den verdächtigen Gegenstand heran“, erklärte Holger Klemig am Montagvormittag. Erst am Dienstag wollen die Kampfmittelexperten vorsichtig weitergraben. „Handelt es sich tatsächlich um eine Bombe, dann wird sie so weit freigelegt, dass ich sie entschärfen kann.“

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Klemig arbeitet nicht allein

Klemig stehen direkt am Ort zwei Kollegen zur Seite. Zwei weitere aus dem Team harren mit weiterer Technik an einer anderen Stelle aus, so Jürgen Scherf, Sprecher des Polizeiverwaltungsamtes. Zusätzliche Kräfte seien „in der Hinterhand“, wenn das Ganze länger dauert. „Grundsätzlich soll die Entschärfung einer Bombe in einer Hand bleiben. Aber es gibt physische Grenzen.“

Erst wenn Einsatzleitung Signal gibt, geht es los

Klemig und seine beiden Kollegen, die direkt vor Ort arbeiten, beginnen mit dem Freilegen erst, wenn die Einsatzleitung das Signal gibt, dass die Sicherheit im Evakuierungsradius gegeben ist. Wann das sein wird, kann keiner vorher sagen. Denn es hängt davon ab, ob sich wirklich alle Dresdner an die Anordnung halten, das betroffene Gebiet zu verlassen. Und wie viele Punkte es gibt, wo die Einsatzkräfte nachkontrollieren müssen.

„Jede Bombe ist anders“

„Aufgeregt? Nein, bin ich nicht. Warum?“, sagt Holger Klemig. Seit 1994 hat er schon 219 Bomben entschärft. Die 219. war der Blindgänger, der im Mai in Löbtau gefunden wurde und ganz Dresden fast 48 Stunden in Atem gehalten hatte. Aber der Sprengmeister ist offenbar schon gespannt, was ihn da jetzt auf dem Grundstück neben dem Kühlhaus im Ostragehege unter der Erde erwartet. „Jede Bombe ist anders.“

Einschlagkanal größer als bei 250-Kilo-Bombe

Die Luftbildauswertung habe ergeben, dass der Einschlagkanal größer sei als normalerweise bei einer 250-Kilo-Bombe. Aber wenn der Blindgänger „quer eingeschlagen ist, dann ist der Einschlagkanal auch größer“. Vorsorglich wurde der Evakuierungsradius für eine 500-Kilo-Bombe berechnet.

Auch kontrollierte Sprengung wird in Betracht gezogen

Handelt es sich um eine Bombe und kann Klemig und sein Team sie nicht entschärfen, kommt eine kontrollierte Sprengung in Betracht. Auch dieser Fall sei von allen Beteiligten schon gedanklich durchgespielt und organisatorisch vorbereitet worden. Fakt sei, dass mehr als 70 Jahre nach Kriegsende diese Blindgänger in der Erde „nicht per se gefährlicher, aber unberechenbarer werden“, sagt Scherf.

„Nicht darauf spekulieren, dass Aktion am Dienstag zu Ende ist“

Stadtverwaltung und Polizei bitten alle betroffenen Dresdner um Geduld. Niemand kann sagen, wann die Aktion beendet ist und der Sperrkreis wieder geöffnet wird. Wenn es keine Bombe ist, geht es fix. Wenn doch, kann es dauern. Auch unter Umständen bis zum Mittwoch. „Wir bitten alle, nicht darauf zu spekulieren, dass sie noch am Dienstagabend zurückkehren können“, so Stadtsprecher Kai Schulz.

Von Catrin Steinbach

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