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Mutmaßliche „S-Bahn-Schubser“ vor Gericht

Dresden Mutmaßliche „S-Bahn-Schubser“ vor Gericht

Zwei Asylbewerber sollen im März dieses Jahres in Dresden einen Mann auf die Gleise gestoßen und nicht wieder auf den Bahnsteig gelassen haben – obwohl ein Zug einfuhr. Der Fall löste bundesweit Empörung aus. Nun stehen die Angeklagten vor Gericht.

Radouan K. und Chakir A. am Mittwoch beim Prozessauftakt. Der Marokkaner und der Libyer stehen wegen versuchten Totschlags vor Gericht.
 

Quelle: Monika Löffler

Dresden.  Vor dem Dresdner Landgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen die sogenannten S-Bahn-Schubser von Dresden Zschachwitz begonnen. Die beiden Asylbewerber aus Marokko und Libyen müssen sich wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr verantworten. Die 24 und 27 Jahre alten Männer sollen am 17. März 2017 einen 41-jährigen Familienvater auf die Gleise eines Bahnsteigs gestoßen und – trotz einfahrenden Zuges – daran gehindert haben, aus dem Gleisbett zurück auf den Bahnsteig zu gelangen. Der Zugführer erkannte die Situation rechtzeitig und leitete eine Notbremsung ein. Die S-Bahn kam nur wenige Meter vor dem 41-Jährigen zum Stehen.

Der Mann war zuvor gegen 4.40 Uhr aus dem Zug gestiegen und wollte auf Arbeit, als ihn die angetrunkenen Asylbewerber nach einer Zigarette oder Feuer fragten. Rene J. verstand sie nicht und sagte „nein“. Einer der Täter trat daraufhin gegen sein Rad, das prallte gegen das Bein des Familienvaters. Nach einer Rangelei eskalierte die Situation.

Laut Anklage schlugen die Männer auf den Mann ein und stießen ihn auf die Gleise. Rene J. gelang es zwar, sich hochzurappeln, wurde aber von den Angeklagten wieder auf die Gleise zurückgestoßen. Die Angeklagten warfen sein Fahrrad auf ihn und hinderten ihn mit Tritten und Schlägen daran, auf den Bahnsteig zu klettern. Sie hörten auch nicht auf, als die S-Bahn einfuhr. Der Zugführer hatte den Vorfall zunächst nicht bemerkt, reagierte dann aber doch noch rechtzeitig mit einem Bremsmanöver.

Die Attacke und das Verhalten der Staatsanwaltschaft nach der Tat hatten bundesweit für Empörung gesorgt. Die Täter waren zwar kurz nach dem Angriff festgenommen worden, aber die Ermittler erließen zunächst keinen Haftbefehl. Begründung: Von den zwei Asylbewerbern würde keine Fluchtgefahr ausgehen. Zudem hatte das Opfer beim Einfahren der S-Bahn auf ein anderes Gleis ausweichen können. Erst drei Tage später wurde Haftbefehl erlassen.

Hier war das Opfer auf die Gleise gestoßen worden.

Hier war das Opfer auf die Gleise gestoßen worden.

Quelle: Anja Schneider

Das Reaktionsvermögen des Zugfahrers hatte Rene J. vor einem Zusammenstoß mit der S-Bahn gerettet. Nervlich war der 41-Jährige allerdings am Ende, er erlitt einen Schock und befindet sich noch immer in intensiver Behandlung. Derzeit ist es fraglich, ob er überhaupt als Zeuge im Prozess gehört werden kann. „Es geht ihm sehr schlecht, er ist stark traumatisiert und hat enorme psychische Probleme. Eine Aussage würde ihn schwer belasten“ sagte Anwältin Gesa Israel, die ihn als Nebenkläger vertritt. Ein medizinisches Gutachten soll nun klären, ob er verhandlungsfähig ist. Ist er es nicht, werden seine bisherigen Angaben, die er im Ermittlungsverfahren gemacht hat, verlesen. Seine Ehefrau soll voraussichtlich am Donnerstag als Zeugin gehört werden. Auch die beiden Angeklagten wollen dann Angaben zur Attacke machen.

Am ersten Verhandlungstag war es nur um den Lebensweg des 24-jährigen Chakir A. gegangen. Die Erörterungen waren schwierig, da sich dessen Aussagen ständig änderten. Nach eigenen Angaben ist er mit 14 Jahren von Marokko nach Spanien gegangen, da er wegen seiner Homosexualität Probleme mit seiner Familie hatte. Danach habe er in der Schweiz einen Asylantrag gestellt und sei nach dessen Ablehnung im März 2016 nach Deutschland gekommen. Auch hier wurde sein Asylantrag inzwischen abgelehnt.

Von Monika Löffler

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