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Müller-Milano kündigt Widerstand gegen Pläne für Wildtierverbot im Zirkus an

Stadtrats-Antrag Müller-Milano kündigt Widerstand gegen Pläne für Wildtierverbot im Zirkus an

Zirkusdirektor Mario Müller-Milano hat heftigen Widerstand gegen das von Grünen und Linken geplante Verbot von Wildtieren in Zirkussen in Dresden angekündigt. „Ich gehe dann in die Politik“ sagt er.

Zirkusdirektor Mario Müller-Milano

Quelle: S. Lohse

Dresden. Zirkusdirektor Mario Müller-Milano hat heftigen Widerstand gegen das von Grünen und Linken geplante Verbot von Wildtieren in Zirkussen in Dresden angekündigt. „Ich gehe dann in die Politik“ sagte der Direktor des Dresdner Weihnachts-Circus. Zudem wolle er künftig jede seiner Veranstaltungen nutzen, um die Dresdner vor der Politik der beiden Fraktionen zu warnen.

Hintergrund ist ein Antrag von Linken und Grünen, der momentan von den Ausschüssen des Stadtrates diskutiert wird. Demnach sollen künftig nur noch Zirkusse eine Genehmigung bekommen, die auf Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde verzichten. Begründet wird das geplante Verbot mit dem Schutz der Tiere, die in Zirkussen nicht artgerecht gehalten werden könnten.

Streitpunkt: Wie gut geht es den Tieren?

Müller-Milano bringt das in Rage. „Wir haben in Deutschland das strengste Tierschutzgesetz“, sagt er. Und daran halte er sich immer. „Wir sind die richtigen Tierschützer“, meint auch Dieter Seeger, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Zirkusunternehmen (VdCU).

Linken-Stadträtin Manuela Sägner sieht das anders. Sie verweist auf mehrere Vorfälle in der Vergangenheit. In Dresden hatte es Verstöße gegen die Auflagen zur Tierhaltung gegeben, beispielsweise ungeeigneten Untergrund, unzureichende Beschäftigungsmöglichkeiten oder fehlendes Futter. Zudem verweist Sägner vor allem auf die Gefahr durch die Tiere. Es habe in Zirkussen und auch Zoos immer wieder Unfälle mit gefährlichen Tieren gegeben, erinnert sie beispielsweise an die schwere Verletzung einer Tierpflegerin, die 2010 im Dresdner Zoo von Elefantenbulle Thabo-Umasai angegriffen wurde.

Auch in Zoos gab es immer wieder Zwischenfälle. 2016 musste in Polizei in München ein aus einem Zirkus ausgebrochenes Kalb erschießen, nachdem es von einem Lkw angefahren worden war. 2015 tötete in Baden-Württemberg ein ausgebrochener Zirkuselefant einen Passanten. Allerdings: In beiden Fällen werden Aktivisten beschuldigt, die Tiere vorher freigelassen zu haben.

Stadträtin Sägner nennt auch den tragischen Tod eines Löwen im Leipziger Zoo vor einem halben Jahr. Dort waren zwei Löwen aus ihrem Gehege ausgebrochen, einer von beiden musste erschossen werden. Großkatzen will Dresden dennoch weiter erlauben. Es habe dazu heftige Diskussionen zwischen den Fraktionen geben, berichtet die Stadträtin. Dass die Erlaubnis von Großkatzen ein Zugeständnis an den in der Stadt ansässigen Circus Sarrasani und dessen weiße Tiger sei, verneint sie jedoch. Vielmehr hätten sich die Fraktionen strikt an die Tierarten gehalten, die bereits 2011 vom Bundesrat als gefährlich eingestuft wurden.

Biologe: Verbot wäre „Tierquälerei“

Zirkusdirektor Müller-Milano sieht die Tiere im Zirkus hingegen gut und sicher aufgehoben. Er bemüht dazu den Verhaltensbiologen Immanuel Birmelin. Der ist sich nach Studien sicher, dass sich Elefanten und Löwen in Zirkussen genauso wohl fühlen wie im Zoo oder sogar in freier Wildbahn. Ein Verbot für Zirkusse wäre für den Biologen „Tierquälerei“, denn das würde die Tiere aus ihrem Umfeld reißen.

Dem widersprechen wiederum Tierschutzorganisationen und Tierschutz-Aktivisten, die in Dresden regelmäßig gegen Müller-Milano auf die Straße gehen. Der spricht von „Krawalltouristen“, die keinen ihrer Vorwürfe je hätten untermauern können. Regelmäßig werde er mit falschen Vorwürfen und Verdächtigungen überzogen, klagt der Zirkusdirektor.

Gegenseitige Beschuldigungen

Er selbst neigt aber ebenfalls zur Polemik. So ist ein angeblicher „Fachberater“ des links-grünen Antrages für ihn nur ein Scharlatan. Dass die beiden Fraktionen den so Gescholtenen nie angefragt hatten, wird da zur Nebensache. Müller-Milano, der die Linke beharrlich weiter PDS nennt, beschwert sich pauschal über „die Politik“ und die angeblich nicht vorhandene Dialogbereitschaft der Gegenseite. Dass ihm bei diesen Worten mit Sägner eine Linken-Stadträtin gegenüber sitzt während die meisten Fachpolitiker zeitglich in Ausschüssen gebunden sind, blendet er aus.

Ohne die großen Wildtiere würden die Zirkusse sterben, ist er sich sicher. Ein Zirkus ohne Elefant und Co. werde von Familien nicht angenommen. Die Tiere müssten dann verkauft werden und würden am Ende in Russland enden oder in Südafrika, wo die Tiere dann von zwölfjährigen Mädchen erschossen würden, behauptet er. Diese Emotionalität mache die Sache nicht leichter, sagt Stadträtin Sägner und plädiert für mehr Sachlichkeit.

Streit um Rechtslage

Ob der Stadtrats-Antrag überhaupt eine Chance hat, ist derzeit unsicher. Zünglein an der Waage ist die SPD, mit der noch Gespräche laufen, berichtet Sägner. Das Nein von CDU, FDP und AfD gilt als sicher. Unklar ist zudem, ob ein Stadtratsbeschluss juristisch haltbar wäre. Die Zirkusdirektoren gehen davon aus, dass ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Hannover bindend ist. Dieses hatte der Stadt Hameln ein Verbot von Wildtieren im Zirkus untersagt.

Stadträtin Sägner interpretiert das Urteil hingegen anders. Das OVG habe über den speziellen Einzelfall entschieden. Das Urteil lasse den Kommunen sehr wohl weiter Gestaltungsfreiheit. Müller-Milano sieht das anders. Entscheide sich der Stadtrat für den Antrag, werde er auf jeden Fall klagen.

Von Stephan Lohse

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