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Morningshow aus Gorbitz: Ilona Lehmann moderiert ihre 4000. Radiosendung

Im Pflegeheim Morningshow aus Gorbitz: Ilona Lehmann moderiert ihre 4000. Radiosendung

Pünktlich um 8.30 Uhr erklingt die Erkennungsmelodie durch die Lautsprecher im Gorbitzer ASB-Pflegeheim. Jeder Bewohner hat einen solchen im Zimmer und weiß beim Erklingen der Badinerie von Johann Sebastian Bach genau, dass er sich jetzt auf eine halbe Stunde Morningshow mit Ilona Lehmann freuen kann.

Ilona Lehmann betreut seit 1993 im Gorbitzer ASB-Pflegeheim eine morgendliche Radiosendung für die Bewohner. Doch jetzt geht sie selbst in den Ruhestand.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Wie jeden Morgen begrüßt Ilona Lehmann, Mitarbeiterin für Freizeit und Kultur die rund 240 Bewohner des Pflegeheimes mit ruhiger und klarer Stimme. „Wir haben heute zwei Geburtstagskinder und natürlich werde ich Ihnen auch heute wieder einen Überblick über das Tagesprogramm geben. Doch nun lade ich Sie erst einmal zu einer Schlittenfahrt ein, auch wenn der Schnee noch auf sich warten lässt. Sie hören die Petersburger Schlittenfahrt“. Lehmann beendet ihre erste Ansprache und bedient routiniert den fünffachen CD-Wechsler.

Alles selbst beigebracht

„Wenn die ersten Worte gesprochen sind, dann ist alles gut und ich weiß, die Sendung wird heute wieder funktionieren“, erklärt die Radiosprecherin, die sich das alles autodidaktisch beigebracht hat.

Das Thema der Sendung plant sie von Tag zu Tag. Viel Zeit zum Vorbereiten hat die Dresdnerin nicht. „Manchmal sitze ich morgens hier und weiß noch gar nicht, was ich den Bewohnern erzählen soll“, sagt sie.

Doch ihre gut sortierten und mit Themen prall gefüllten Ordner bewahren sie vor Sprachlosigkeit am Mikrofon. Sortiert nach Monaten hat sie hier die unterschiedlichsten Themen und Geschichten abgeheftet. Hat sie sich für eines entschieden – wie beispielsweise Geschichten rund um die Uhr – wählt sie die dafür passenden Lieder aus. Diesmal ist es Vicky Leandros mit ihrem Schlager „Halt die Welt an“.

Wochentags halbe Stunde Programm

Ilona Lehmann betreut das hauseigene Radio seit 1993. Seitdem ist sie jede Woche von Montag bis Freitag dafür zuständig, dass die Bewohner von 8.30 bis 9 Uhr ein buntes Programm zu hören bekommen.

Ganz wichtig sind auch die Wunschlieder der Geburtstagskinder. Die Freizeitbegleiterin besucht dann vorher die Bewohner und fragt sie nach ihrem Lieblingslied. Manchmal haben sie auf die Schnelle keine Idee, dann hilft Lehmanns langjährige Erfahrung. Mit ihrer Intuition trifft sie oftmals ins Schwarze. „Es gibt natürlich auch Besucher, die sich nicht mehr ausdrücken können. Dann überlege ich, in welchem Jahr derjenige jung war und suche danach ein Lied aus“, erklärt Lehmann.

Es sei aber auch Vorsicht geboten: „Manchmal wünschen sich die Leute Lieder aus Kriegszeiten, da muss man dann aufpassen. Denn diese können wiederum bei anderen Bewohnern schlimme Erinnerungen wachrufen“, weiß Ilona Lehmann.

Doch an diesem Morgen trällert Frank Schöbel durchs Radio, ein Gruß für eine 61-jährige Bewohnerin, die ihren Wunsch selbst nicht äußern konnte. „Vielleicht hört sie es ja jetzt trotzdem und freut sich innerlich darüber“, hofft die Radiomacherin. Weiter geht es mit einer Veranstaltungsübersicht des Tages sowie mit dem Mittagsangebot. Die Öffnungszeiten des hauseigenen Kiosks, der Nähstube und wann sich die Handwerksgruppe der Männer trifft, erfahren die Bewohner wie jeden Morgen aus ihrem Radio. Im Gorbitzer Pflegeheim haben die Bewohner nahezu alles im Haus. Sogar eine Allgemeinmedizinerin und eine Fußpflege sind auf kürzestem Wege zu erreichen.

Ilona Lehmann wird in diesem Jahr ihre 4000. Sendung moderieren. Dann geht allmählich eine Ära zu Ende, denn der Ruhestand steht vor der Tür. Doch ein Nachfolger wird sich finden, da ist sich Lehmann sicher.

Mal beim „richtigen“ Radio moderieren

Ob sie sich ganz von ihrem Job als Freizeitbegleiterin und Radiomoderatorin verabschieden kann, wird sich zeigen. „Ich würde gern beim richtigen Radio mal eine Sendung für ältere Menschen machen“, verrät sie. Langweilig wird es ihr sicher nicht: „Wir radeln und wandern gern, einen Garten haben wir auch. Es gibt also genug zu tun“, erzählt sie.

Doch nun stehen erst einmal noch ein paar Radiosendungen an und diese bilden nicht nur die Bewohner weiter: „Die Mädels aus der Sportgruppe bezeichnen mich schon als wandelndes Lexikon“, lacht Ilona Lehmann. Dann greift schnell wieder zu ihren Kopfhörern und zum Mikrofon, denn Frank Schöbel hat fertig gesungen.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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