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Lokales Mobilitäts-Tagung in Dresden befasst sich mit Schnell-Tanken für E-Autos und digitalen Lotsen
Dresden Lokales Mobilitäts-Tagung in Dresden befasst sich mit Schnell-Tanken für E-Autos und digitalen Lotsen
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20:31 09.09.2015
Mit einem Netz von Elektrotanksäulen (Foto oben) will BMW die Akzeptanz von Elektroautos verbessern. Derweil knobeln die Forscher daran, E-Autos, Bus, Bahn und andere Verkehrsmittel intelligent mit Apps zu vernetzen. Quelle: Siemens

Rund 110 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen heute an in der TU Dresden auf der Tagung "Mobilität & Kommunikation - Wie revolutioniert das Web die individuelle Mobilität?" diese und weitere Konzept diskutieren.

So arbeiten Tagungs-Gastgeberin Prof. Ulrike Stopka vom TU-Institut für Wirtschaft und Verkehr und ihr Team mit BMW und ABB daran, Elektroauto-Fahrer beim "Nachtanken" an neuartigen Schnellladestationen zu bespaßen. Denn um seinen neuen i-Elektroautos - die übrigens teilweise auch in Sachsen gebaut werden - zum Marktdurchbruch zu verhelfen, will BMW entlang der Autobahn A 9 zwischen München und Berlin eine Kette von Schnellladestationen installieren. Die werden mit Gleich- statt Wechselstrom betrieben und können daher E-Autos statt in acht Stunden in nur 20 Minuten auf bis zu 80 Prozent ihrer Akku-Kapazität nachladen. Ein ähnliches Netz installiert derzeit auch der US-Elektroautohersteller Tesla. "Aber auch 20 Minuten sind mehr, als man mit einem Benzinauto an einer klassischen Tankstelle zubringen würde", ist auch Stopka klar. "Deshalb haben wir den Auftrag bekommen, für diese Wartezeit Mehrwertdienste zu entwickeln." Die sollen die stromtankenden Kunden bei Laune halten und vielleicht auch Zusatzerlöse erwirtschaften. Erste Ideen haben die Dresdner bereits ausgebrütet. Dazu gehören "Push-up"-Container an den Schnelllade-Stationen, in denen die Reisenden hochwertige Konsumgüter wie Tablettrechner oder anspruchsvolle Laufschuhe in Ruhe austesten können - und natürlich kaufen. Auch Bioläden, Kinderspielstätten und andere Optionen stehen zur Debatte.

Zudem wollen die Dresdner Experten Carsharing-Konzepte auf Elektro-Autoflotten übertragen. Dafür arbeitet das Fraunhofer-Verkehrsinstitut IVI an Computertelefon-Programmen (Apps), mit denen Nutzer komfortabel im Blick behalten, wo sie das nächste Elektroauto borgen können, ob dessen Akku aufgetankt ist und mit denen sie auch gleich bezahlen können. Genutzt werden soll diese Dresdner App zunächst für E-Autos in Berlin. Aber auch Drewag und ENSO prüfen den Aufbau ähnlicher Elektroauto-Flotten in Dresden, berichtet Stopka.

Überhaupt eröffne die wachsende Verbreitung von Smartphones Chancen, um Alternativen zum Auto attraktiver zu machen, ist die Professorin überzeugt. "Warum nutzt man ein Auto?", fragt sie rhetorisch. "Weil es vor der Tür steht und mich per Navi bequem an jedes Reiseziel bringt und auch dort wieder vor die Haustür. Für öffentliche Verkehrsmittel gibt es diesen Komfort leider noch nicht."

Dort setzen Projekte wie das Dresdner "Dynamo"-Vorhaben ("Dynamische nahtlose Mobilität") an: Zwar gibt es längst Smartphone-Apps wie "Handy-Ticket", die auch in Dresden von den Verkehrsbetrieben eingesetzt werden, damit unschlüssige Fahrgäste leicht und schnell unterwegs mit ihrem iPhone oder Android-Telefon einen Fahrschein kaufen und sich Straßenbahn-Routen planen können. "Nicht gebührend berücksichtigt werden bisher allerdings die Brechpunkte entlang der Reisekette wie Umsteigesituationen oder die letzte Meile von Haltestelle zum Ziel", schätzt der TU-Lehrstuhl ein. "Dynamo"-Dienste sollen es Reisenden künftig ermöglichen, vor der Haustür in Dresden beispielsweise den Zielort in Hamburg ins Telefon einzugeben, um dann die komplette Strecke nahtlos vom digitalen Lotsen begleitet zu werden: Wo das Leihfahrad zur S-Bahn-Station steht, auf welchem Bahnsteig der Zug gen Norden abfahrbereit ist, wo in Hamburg das Miet-Elektroauto wartet - bezahlt wird in einem Rutsch.

"Allein Fahrpläne einzuspeisen, reicht da nicht. Wir brauchen Echtzeit-Verkehrsdaten, damit so eine App wirklich nützt, zum Beispiel schnell Alternativen vorschlägt, wenn etwa die Straßenbahn zwischendurch durch einen Unfall aufgehalten wird", betont Stopka. Daher sei der nächste Schritt der Aufbau einer Mobilitätsplattform, wie es sie vom Bundesamt für Straßenwesen für den Autoverkehr bereits gibt. In diese geplante Plattform für umweltfreundliche Verkehrsmittel sollen Firmen wie Behörden die Verfügbarkeit von Carsharing-Autos, Zugverspätungen, Echtzeit-Positionen von Bahnen et cetera eintragen. "Viele App-Entwickler haben schon jetzt ganz tolle Ideen", so Stopka. Wenn diese erst mal auf so eine Echtzeit-Verkehrsdatenplattform zugreifen können, werde dies zu einem enormen Komfort-Schub für umweltfreundliches Reisen führen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2014

Heiko Weckbrodt

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