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Lokales Mit der Zwei auf Stadtsafari von Ost nach West
Dresden Lokales Mit der Zwei auf Stadtsafari von Ost nach West
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11:32 04.08.2017
Mit der Zwei auf Stadtsafari von Ost nach West  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Frei nach dem Motto „aller Anfang ist leer“ setzt sich die Straßenbahnlinie 2 an der Freystraße in Kleinzschachwitz träge in Bewegung, scheucht ein paar Spatzen an der sehr grünen Gleisschleife auf und macht sich auf Stadtsafari durch Dresdens quirlige Mitte bis nach Gorbitz. In 54 Minuten Tramfahrt über 18 Kilometer kann viel passieren, wissen Dresdner. Doch zunächst bleibt es ruhig. Das freut Anna Kubatz, die von ihrer Arbeit als medizinisch-technische Assistentin kommt und freie Platzwahl genießt. Am Heckenweg steigt ein junger Vater mit seinem kleinen Sohn ein. „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Gelb“. Das Spiel ist gar nicht so einfach in der Straßenbahn.

Etwa 20 Menschen und Hunde strömen in Altleuben in die Tram. Der Ticketautomat klingelt vom Kleingeld. Dem Mann im Anzug fehlen 20 Cent, eine junge Frau mit lilafarbenen Haaren gibt sie ihm. „Ich weiß, wie unangenehm es ist, nach Geld zu fragen“. In der Bahn sitzen alle sprichwörtlich im gleichen Boot.

Mit der Zwei auf Stadtsafari von Ost nach West

Die Fahrgäste starren aus den Fenstern und sehen die Kiesgrube Leuben und den Fernsehturm vorbeiziehen – anderen fallen die Augen für ein kurzes Nachmittagsnickerchen zu. Seit dem Start ist die Linie 2 heute fast gänzlich in Frauenhand. Erst am Abweig Reick neutralisiert eine Gruppe junger Männer den Frauenüberschuss. Draußen werden die Häuser mehr und innen die freien Sitzplätze weniger, als es über die Zwinglistraße Richtung Zentrum geht. War der Straßenbahnführer bis jetzt relativ einsam unterwegs, kommt er bei regem Straßenbahnverkehr zwischen Altmarkt und Bahnhof Mitte gar nicht dazu, alle seine Kollegen, die ihm auf der Strecke entgegenkommen, zu grüßen. Schließlich muss auch zwischendurch für unaufmerksame Fußgänger und Radfahrer gebremst werden.

Den Ruck merken auch Annabel, Nicole und Antonia, die heute kuschelig zu dritt auf einer Zweierbank sitzen und die Köpfe zusammenstecken. Die 13-jährigen Mädchen sind auf dem Weg zum Postplatz, um den Ferienstart mit einer ausgiebigen Shopping-Tour zu begrüßen. Die Mädchen stürzen sich ins Getümmel an der Haltestelle nahe der Altmarkt-Galerie. Dafür nehmen drei Asiatinnen mit Kontrabass, Violine und Querflöte bepackt ihren Platz ein, die den kurzen Weg zur Hochschule für Musik an der Haltestelle Schweriner Straße als Pause nutzen, um die News auf ihren Handy zu checken.

Vater und Sohn spielen immer noch „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und steigen gemeinsam mit den Musikerinnen aus. So richtig viel los ist heute nicht in der Bahn. Daher hört man das Pärchen am Bahnhof Mitte schon, bevor es einsteigt. Bepackt mit Kinderwagen und Einkaufstüten streiten beide über ihre Haushaltspflichten und über andere Männer. Die meisten Fahrgäste schauen gelangweilt zur Seite – doch mit Sicherheit spitzen sich einige Ohren neugierig in Richtung des Pärchens. Wo sonst gibt es gratis so viel Alltags- und Beziehungsdrama zu erleben? Ob die Frau mit ihrem Schulfreund Pascal im Kino wirklich Zärtlichkeiten ausgetauscht hat oder ob ihr Mann da falsch liegt, erfahren die Fahrgäste leider nicht mehr, denn das Pärchen verlässt die Bühne zankend am Koreanischen Platz.

Die eigenen Fähigkeiten im Sprachenraten lassen sich in der Linie 2 zwischen Altmarkt und Bahnhof Mitte gut trainieren. Ist es Polnisch? Oder Slowakisch? Falsch, der junge Georgier Daviti Dirboevi und seine armenische Freundin Narine Kalashiyern unterhalten sich auf Russisch auf dem Weg zum Deutschkurs am Bahnhof Mitte. Jeden Tag verstehen die beiden ein klein bisschen mehr von den Gesprächen der übrigen Fahrgäste in der Linie 2.

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Besonders mitteilungsbedürftig sind drei kleine Kinder, die mit Cati Grabs auf dem Weg zum Einkaufen die Straßenbahn zu ihrem Spielplatz machen. Weiter vorn entlockt ein großer Betonmischer an der Baustelle an der Schweriner Straße einem kleinen Jungen jauchzende Freude, während er seine Nase an die Fensterscheibe drückt. Kinder in der Straßenbahn haben oft einen großen Einfluss auf die eigene Gemütslage. Einen schlechten Tag gehabt? Das schreiende Baby weiter vorn macht ihn auf der Fahrt Richtung Feierabend noch schlimmer. Heute haben die Muttis auf ihrem Weg Richtung Gorbitz in der Linie 2 aber fröhliche Kinder dabei. Grinsend-sabbernd entlockt die kleine Sofia den umsitzenden Fahrgästen ein Lächeln, während sie in die Runde winkt und brabbelt, als spräche die kleine Prinzessin zu ihren Untertanen. Ihre Mutti holt sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Klein-Sofia muss auf ihren eigenen Beinen am Amalie-Dietrich-Platz aus der Bahn steigen, aber nicht, ohne noch einmal zu winken.

Ein paar U-15 Kinder, ein paar Ü-65 Senioren, da bleibt genug Platz für das Fahrrad von Jens Maures. Die Straßenbahn kennt er in und auswendig. Im Betriebshof Gorbitz überprüft und repariert er die gelben Bahnen. Der DVB-Mitarbeiter steigt am Amalie-Dietrich-Platz zu. „Bei dem Wetter fahr ich lieber mit der Bahn den Berg hoch“, schmunzelt er. „Zurück rollt es sich aber ganz gut auf zwei Rädern“. An der Endstation in Gorbitz nehmen ein weiterer DVB-Mitarbeiter und ein Obdachloser die Linie 2 rauchend in Empfang. Nach einer kurzen Pause geht es zurück gen Osten Richtung Kleinzschachwitz. Wer weiß, welche Geschichten die Linie 2 dann zu erzählen hat.

Von Tomke Giedigkeit

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