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Lokales Mit der Wilden 13 durch die Nacht
Dresden Lokales Mit der Wilden 13 durch die Nacht
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12:42 04.08.2017
Immer wieder ein Problem der Linie 13: Falsch parkende Autos auf der Rothenburger Straße. Diesmal erwischte es den Spiegel eines Transporters. Quelle: T. Giedigkeit
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Dresden

Zum Abschluss unserer Sommerserie geht es mit der „Wilden 13“ von Prohlis durch den Party-Kiez Neustadt bis nach Mickten. Kaum hingesetzt, schallt es durch die Bahn. „Guten Abend, die Fahrscheine bitte!“ Die Bierflaschen in der Hand und ein kleiner Rülpser entlarven den Halbstarken bei dem wenig erfolgreichen Versuch, einen DVB-Kontrolleur zu mimen.

Mit der Wilden 13 durch die Nacht

Die untergehende Sonne blitzt orange-rot zwischen den Fassaden der Prohliser Platten hindurch, während sich die Tram stetig füllt. Am Otto-Dix-Ring steigt eine zehnköpfige Familie ein und bringt Schwung in die Bahn. Die „13“, die auf dem gegenüberliegenden Gleis stadtauswärts vorbeirauscht, ist hingegen fast leer. In der Dämmerung wirken die kleinen Fachwerkhäuser, die nun an der Strecke auftauchen, als kauerten sie ängstlich vor den dahinter aufragenden Hochhäusern. Die gegensätzliche Architektur aus verschiedenen Zeiten, die hier aufeinander trifft, verweist auf die kleinen Dörfer, die nach und nach in die Stadt Dresden eingemeindet wurden. Einige Industriebrachen sind Überbleibsel aus vergangener Zeit, als viele Betriebe in Reick produzierten.

Auf Kuschelkurs wider Willen

Es ist kurz vor 22 Uhr. Wird es diesmal wieder Probleme mit den sogenannten „Straßenbahn-Kuschlern“ geben? Die Anspannung steigt auch bei Straßenbahnführer R. Herzog.„Im Notfall muss ich die Polizei rufen“, sagt er. Das Phänomen des Straßenbahnkuschelns nahm seinen Ursprung ganz plötzlich vor rund drei Jahren. Auf einmal saßen die Leute in lauen Nächten auf der Kreuzung und tranken Bier. „Einmal stand sogar ein Sofa auf den Schienen“, erinnert sich Herzog. Fährt die „13“ vorbei, geben viele der Bahn einen liebevollen Streichler mit auf den Weg. Nun patrouilliert eine Polizeistreife und achtet darauf, dass die Straße frei von Sitzgelagen bleibt.

Studenten feiern lieber statt zu lernen? Das Klischee verfestigt sich an der Haltestelle Julius-Otto-Straße. Die angehenden Maschinenbauer Paul, Tobi und Felix sind auf dem Weg in die Neustadt zum Shisha-Rauchen. „Fahrt ihr öfter mit der 13?“ „Jeden Tag.“ „Zur Uni?“ „Nee, in die Neustadt zum Partymachen“. Es sei ihnen gegönnt, schließlich sind ja gerade Semesterferien. Allerdings greift die Gentrifizierung auch im Partykietz um sich, deswegen bleibt das Maschinenbau-Trio lieber in Strehlen wohnen und gondelt mit der „13“ in feucht-fröhliche Nächte.

Steckbrief

Linienverlauf: Prohlis – Reick – Zoo – Lennéplatz – Straßburger Platz – Rosa-Luxemburg-Platz – Alaunplatz – Mickten

Linienlänge: 14,7 Kilometer

Fahrzeit: 48 Minuten

Haltestellen: 42

Fahrgastzahlen: 30 100 Fahrgäste pro Werktag (2016) Quelle: DVB

Auch wenn sich im Alltag nur wenige trauen, im gelben Outfit ein Modestatement zu setzen, tragen es viele Dresdner mit großer Selbstverständlichkeit in der „13“. Allerdings nicht unbedingt aus Solidarität mit den DVB, sondern um den Fußballgott zu beschwören. An diesem Tag hat das offensichtlich gut funktioniert, denn Dynamo gewinnt. Während sich die Türen an der Haltestelle Großer Garten gegenüber vom Stadion öffnen, wabern Schlagermusik und Männergrölen hinein. Rauch steigt auf, jemand hat noch ein letztes Bengalo entzündet.

DNN-Sommerserie

Mit Arbeitsplatte unterm Arm nach Dresden-Seidnitz

Mit der Zwei auf Stadtsafari von Ost nach West

Linie drei: Studentenlinie an die wichtigsten Orte

Linie 4: An jedem Ende ein Idyll

Ohne Umstieg zweimal über die Elbe: Die Linie 6

Mit der 7 vom Dorf der Stockroder ins Dorf der Kämpfer

Die Gartenstadtbahn: Die Linie 8 verbindet Hellerau mit der Südvorstadt

Unterwegs mit der Shoppingbahn von Dresden-Kaditz nach Prohlis

Linie 10: Die Kurze

Die „Fast-überall-vorbei-Linie“

Von Immergrün zur Altbaulandschaft

Unbeirrt gleitet die Nachtschwärmerbahn weiter Richtung „Neuse“, wie die Neustadt im Munde des Partyvolks genannt wird, und nähert sich dem Nadelöhr an der Kreuzung Görlitzer Straße/Louisenstraße. Wird der Straßenbahnführer R. Herzog dieses Mal wieder die Polizei rufen müssen, weil Sitzgelage die Schienen versperren? Heute muss er nur klingeln und passiert im Schritttempo das sogenannte „Assi-Eck“. Der schwierigste Teil der Strecke scheint geschafft. Aber es gibt auch Positives zu vermelden: Unfälle mit Falschparkern, wie am Nachmittag auf der Rothenburger Straße geschehen, nehmen nach Herzogs Erfahrung ab. Nun werden die Straßen breiter, die Menschen weniger.

Weiter geht es durch „Miami Pieschen“, wie ein ortsansässiger Rapper sein Viertel an der Elbe nennt. Die Umrisse des historischen Rathauses setzten sich nur schwach gegen den heute sternenklaren Himmel ab. In der Bahn herrscht gleißendes Neonlicht, die eigentlich sommerlich-gebräunten Gesichter leuchten fahl. Es wird immer leerer. Nicht nur in der Bahn. Auch das sonst trubelige Mickten wirkt gespenstisch ruhig. Eine ruhige Pause hat sich auch Herzog im Straßenbahnhof Mickten verdient, bevor es mit der „Party-Tram“ zurück geht.

Von Tomke Giedigkeit

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